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Wie zahlreich, wie schnell: Spermienqualität messen mit dem Smartphone-Kit

Foto: M.K. Kanakasabapathy et al./ Science Translational Medicine

Unfruchtbarkeit Wie eine Handykamera die Spermaqualität misst

Mit einem simplen Smartphone-Kit sollen Männer im Do-it-yourself-Verfahren die Qualität ihrer Spermien überprüfen können. Peinliche Arztgänge könnten ihnen erspart bleiben - doch ist der Test wirklich verlässlich?

Die Qualität von Sperma könnte sich auf günstige und unkomplizierte Weise mithilfe eines Smartphones beurteilen lassen. US-Forscher haben dafür ein Sperma-Checksystem für die Heimanwendung entwickelt, das sie im Fachblatt "Science Translational Medicine" vorstellen. Der Test könne ähnlich unkompliziert und in privater Umgebung eingesetzt werden wie ein Schwangerschaftstest, so die Wissenschaftler.

Weltweit haben rund 45 Millionen Paare Probleme, ein Baby zu bekommen. In etwa 40 Prozent der Fälle liegt die Ursache beim Mann, mehr als jeder zehnte Mann hat Schätzungen zufolge im Laufe seines Lebens Schwierigkeiten mit der Fruchtbarkeit.

Testen zu lassen, wie gut die eigenen Spermien sind, stellt für viele Männer aber eine große Hürde dar. Die Situationen, in denen die Männer eine Spermaprobe in Krankenhäusern abgeben, würden oft als stressig, peinlich und unangenehm empfunden, sagt Studienleiter Hadi Shafiee von der Harvard Medical School in Boston. "Wir wollten einen Fruchtbarkeitstest für Männer anbieten, der ähnlich einfach und preisgünstig ist wie ein Schwangerschafts-Heimtest."

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Wie zahlreich, wie schnell: Spermienqualität messen mit dem Smartphone-Kit

Foto: M.K. Kanakasabapathy et al./ Science Translational Medicine

Das von ihnen entwickelte Testsystem besteht aus einem kastenförmigen optischen Zubehörteil, auf dem das Smartphone befestigt wird. Die unbehandelte Spermaprobe wird mit Unterdruck auf einen Einmal-Chip gesogen, der in das Zubehörteil geschoben wird. In weniger als fünf Sekunden analysiert die Kamera des Smartphones die Konzentration und Beweglichkeit der Spermien in der Probe. Eine App führt den Nutzer durch die Anwendung.

Die Materialkosten belaufen sich den Angaben zufolge auf umgerechnet gut vier Euro, so die Forscher. Die Kosten für herkömmliche, sogenannte Spermiogramme liegen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) zufolge als Individuelle Gesundheitsleistung (Igel) bei rund 70 Euro, als Kassenleistung bei 24 Euro.

In einem herkömmlichen Spermiogramm werden neben der Ejakulatmenge Faktoren wie die Gesamtzahl der Spermien, ihre Beweglichkeit und Form und das Vorkommen von Antikörpern und weißen Blutkörperchen beurteilt. Dafür hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Richtlinien formuliert. "Finden sich im Spermiogramm nicht nur Normalwerte, wird der Test meist acht bis zwölf Wochen später wiederholt", schreibt die BzgA.  Außerdem werden die Analysen immer mit einem ausführlichen Beratungsgespräch verbunden.

Das Team um Shafiee testete das System an 350 Spermaproben und verglich die Genauigkeit mit herkömmlichen Methoden zur Spermabeurteilung. Das Ergebnis: Das System erlaubt eine verlässliche Beurteilung der Spermienqualität basierend auf den Qualitätskriterien der WHO. Mit einer Genauigkeit von etwa 98 Prozent, so die Wissenschaftler, entdeckte es Proben mit einer Konzentration von unter 15 Millionen Spermien pro Millimeter und/oder einem Anteil beweglicher Spermien von weniger als 40 Prozent.

Kontrolle nach Sterilisation?

Auffällige Spermaproben identifizierte es den Angabe zufolge genauso gut wie die herkömmlichen Methoden, also die manuelle oder computergestützte Beurteilung der Spermienqualität unter dem Mikroskop. Ihr System eigne sich damit prinzipiell auch dazu, die herkömmlichen, personalintensiven und teureren Verfahren zu ersetzen, schreiben die Wissenschaftler.

Eine weiteres Einsatzgebiet sehen die Forscher in der Kontrolle von Männern, die sich ihre Samenleiter zur Sterilisation durchtrennen lassen. Um den Erfolg dieser Operation zu prüfen, müssen die Patienten für mehrere Wochen regelmäßig prüfen, ob ihre Samenflüssigkeit weitgehend frei von Spermien ist. Es wäre ein großer Vorteil, wenn die Patienten dazu nicht zum Arzt gehen müssten, sondern einfach zu Hause einen Test durchführen könnten.

"Ein schnelles und vor allem für viele Männer erreichbares Screening-Instrument zu haben, wäre toll", sagt Sabine Kliesch, Leiterin des Centrums für Reproduktionsmedizin und Andrologie an der Universität Münster. Die Studie sei auch deshalb valide, weil sie sich die Richtlinien der WHO zur Grundlage nehme.

Wie ein Infekt die Spermien beeinflusst

Allerdings sieht Kliesch auch mehrere Schwächen: "Der Mann steht mit dem Ergebnis völlig allein da, die Beratung fehlt", so die Andrologin. Denn nur, weil sich die Spermien in einer Untersuchung nicht richtig bewegten, heiße das nicht, dass der Mann unfruchtbar sei. "Ein grippaler Infekt etwa kann die Produktion der Spermien massiv stören, drei Monate später aber kann schon wieder alles in Ordnung sein", sagt Kliesch. Wer wenige Stunden vor der Spermaprobe Sex gehabt habe, in dessen Ejakulat sei die Spermienkonzentration geringer, wer hingegen über eine Woche keinen Sex hatte, dessen Spermien bewegten sich langsamer.

Und auch Erkrankungen wie Hormonstörungen, Hodenkrebs oder Autoimmunkrankheiten könnten Form, Funktion und Anzahl der Spermien verändern. "Da braucht es unbedingt einen Arzt, der dem Befund auf den Grund geht", sagt Kliesch. Auch Hans-Christian Schuppe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (DGRM) meint: "Solche Heimtests sollten lediglich der Orientierung dienen und nicht als Ersatz für eine fachliche Labordiagnostik."

Bisher existiert von dem Kit nur ein Prototyp. Ein Zulassungsantrag bei den zuständigen US-Behörden sei geplant, so die Forscher.

hei/dpa
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