Notaufnahmen in den USA Was Wattestäbchen im Ohr anrichten

12.500 Kinder kommen pro Jahr in den USA in die Notaufnahme - weil sie sich durch Wattestäbchen im Ohr verletzt haben. Oft leidet das Trommelfell.
Wattestäbchen

Wattestäbchen

Foto: imago/ allOver-MEV

Irgendwie weiß jeder, dass er es lassen sollte. Und irgendwie ignorieren die meisten dieses Wissen. Wattestäbchen sind zwar gut dazu geeignet, überflüssige Schminke unter dem Auge zu entfernen. In die Ohren aber gehören sie nicht. Eine aktuelle Studie zeigt, wie viel Schaden die Stäbchen gerade bei Kindern anrichten können.

US-Forscher haben eine Datenbank ausgewertet, in der Mediziner Verletzungen dokumentieren, mit denen Menschen in den USA in die Notaufnahmen kommen. Demnach mussten zwischen 1990 und 2010 rund 263.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Krankenhäusern behandelt werden, weil sie sich mit einem Wattestäbchen verwundet hatten. Das macht 12.500 Fälle pro Jahr - oder auch 34 Fälle pro Tag.

"Die beiden größten Missverständnisse"

Bei einem Großteil der Fälle hatten die Kinder versucht, ihr Ohr zu reinigen, berichten die Forscher im "Journal of Pediatrics" :

  • Rund 73 Prozent der Verletzungen passierten bei Hygieneversuchen,
  • nur 10 Prozent beim Spielen mit Wattestäbchen und
  • 9 Prozent, weil die Kinder mit einem Wattestäbchen im Ohr stürzten.
  • Die restlichen acht Prozent haben unterschiedliche Gründe, manche der Kinder wurden geschubst, imitierten jemanden, wollten sich im Ohr kratzen oder Wasser aus dem Ohr holen.

"Die beiden größten Missverständnisse, die ich als Hals-Nasen-Ohren-Arzt höre, sind, dass es notwendig ist, den Gehörgang selbst zu Hause zu säubern - und dass Wattestäbchen dafür genutzt werden sollten", sagt Studienautor Kris Jatana, Mediziner am Nationwide Children's Hospital. "Beides ist nicht korrekt."

Der Körper säubere seine Gehörgänge normalerweise von allein, so der Arzt weiter. "Wer Wattestäbchen nutzt, um sie sauber zu machen, drückt nur den Schmalz weiter ins Ohr. Und riskiert leichte bis schwere Verletzungen im Ohr."

Fremdkörpergefühl und verletzte Trommelfelle

Die Kinder litten bei den Besuchen in der Notaufnahme meistens unter einem Fremdkörpergefühl im Ohr (39 Prozent) oder einer blutenden Wunde (35 Prozent).

In 30 Prozent der Fälle fanden die Ärzte tatsächlich einen Fremdkörper, bei jedem vierten betroffenen Kind diagnostizierten sie einen Schaden am Trommelfell. Davon waren vor allem Kinder unter acht Jahren betroffen.

Mehr als 99 Prozent der Kinder mussten der Studie zufolge zwar behandelt werden, konnten aber danach wieder nach Hause gehen. Bei sehr seltenen, schwerwiegenden Fällen könnten Schäden am Trommelfell oder anderen Strukturen des Innenohrs jedoch auch zu Schwindel, Gleichgewichtsproblemen oder nicht heilbaren Hörschwierigkeiten führen, warnen die Forscher.

Nicht in den Gehörgang einführen!

In Deutschland fehlt zwar eine entsprechende Statistik - aber auch hierzulande warnen Hinweise auf den Packungen davor, Wattestäbchen in den Gehörgang einzuführen. Neben dem Verletzungsrisiko können Wattestäbchen unter anderem dazu führen, dass das Ohr austrocknet und mehr Ohrenschmalz produziert.

Wer sein Ohr reinigen will, sollte stattdessen einfach mit einem Handtuchzipfel oder einem Waschlappen den von außen sichtbaren Schmalz entfernen. Oder zum Arzt gehen, wenn er das Gefühl hat, dass das Ohr deutlich zu viel Schmierstoff bildet.

irb
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