Opioid-Krise in den USA Zahl der Drogentoten sinkt erstmals seit 20 Jahren

Die USA verzeichnen für das Jahr 2018 erstmals weniger Drogentote als das Jahr zuvor. Doch noch ist ein Ende der Opioidkrise nicht in Sicht.

Die Opioidkrise in den USA hat sich seit rund 20 Jahren aufgebaut
BackyardProduction/ iStockphoto/ Getty Images

Die Opioidkrise in den USA hat sich seit rund 20 Jahren aufgebaut


In den USA ist die Zahl der Drogentoten durch Überdosis zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten zurückgegangen. Das geht aus vorläufigen Zahlen hervor, die die US-Gesundheitsbehörden veröffentlicht haben.

2018 starben demnach rund 68.600 Menschen an einer Überdosis, im Jahr 2017 gab es circa 72.200 Todesfälle. Seit 1999 war die Zahl der Drogentoten in den USA jedes Jahr gestiegen, in jenem Jahr gab es knapp 16.850 Opfer.

Bei mehr als zwei Drittel der 2017 Verstorbenen war eine Opioid-Überdosis die Todesursache. Opioidhaltige Schmerzmittel, allen voran das Produkt Oxycontin von Purdue Pharma wurden seit den Neunzigern massenhaft von Ärzten verschrieben. Es wurde behauptet, sie würden weniger abhängig machen als ältere Opioid-Schmerzmittel - doch das war falsch.

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Infolge der steigenden Schmerzmittelabhängigkeit wurde auch Heroin in den USA wieder zu einem größeren Problem, weil Opioidabhängige darauf umstiegen. 2018 meldeten die US-Gesundheitsbehörden sogar, dass die Lebenserwartung im Land sinke. Einer der Gründe: die Drogenepidemie. "Wir verlieren zu viele Amerikaner in zu jungen Jahren, und allzu oft hat das vermeidbare Ursachen", sagte der Direktor der US-Seuchenschutzbehörde, Robert Redfield.

20 Jahre Opioidkrise

Das Pharmaunternehmen Purdue - und seine Eigner, die Multimilliardärsfamilie Sackler - müssen sich inzwischen vor Gericht für das damalige aggressive Marketing von Oxycontin verantworten. "Acht Mitglieder einer einzelnen Familie trafen Entscheidungen, die den Großteil der Opioidepidemie auslösten", heißt es unter anderem in der Anklageschrift.

Markieren die jüngsten Zahlen einen Wendepunkt in der Opioidkrise? Der Leiter der US-Gesundheitsbehörde HHS, Alex Azar, erklärte, sie würden zwar zeigen, dass die Maßnahmen gegen die Opioidkrise und Drogenabhängigkeit insgesamt wirkten. Er warnte zugleich, mit einem schnellen Ende der Krise, die sich über 20 Jahre aufgebaut hat, sei nicht zu rechnen.

Im Video: Heroin-High - Drogenepidemie in den USA

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wbr/AFP



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