Umstrittene Chemikalie Verbraucherschützer fordern Bisphenol-A-Verbot

Frankreich prescht vor: Von Mitte 2015 an soll Bisphenol A aus sämtlichen Lebensmittelverpackungen verbannt sein. Jetzt fordern deutsche Verbraucherschützer ebenfalls ein Verbot. Die umstrittene Chemikalie steht im Verdacht, besonders die Gesundheit von Kindern zu gefährden.
Babyflaschen: Die EU hat Bisphenol A aus Produkten dieser Art bereits verboten

Babyflaschen: Die EU hat Bisphenol A aus Produkten dieser Art bereits verboten

Foto: FRED DUFOUR/ AFP

Thermopapier von Kassenquittungen, Babyflaschen oder Konservendosen: In vielen Lebensmittelverpackungen steckt die Chemikalie Bisphenol A, die landläufig auch gerne als Weichmacher bezeichnet wird. Doch der Ruf der Substanz, die als gesundheitsschädigend gilt, ist alles andere als gut - und Verbraucherschützer sähen sie gerne offiziell verboten. Frankreich wagt jetzt im Alleingang einen Vorstoß: Am Dienstag hat der französische Senat eine Gesetzesvorlage verabschiedet, wonach Bisphenol A von Mitte 2015 an aus sämtlichen Lebensmittelverpackungen verbannt werden soll.

Jetzt fordert auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) schärfere Regelungen für Deutschland. Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) verweise in dieser Frage immer auf Brüssel, dabei zeigten andere EU-Mitgliedstaaten, dass bei gefährlichen Stoffen auch nationale Verbote möglich seien, sagte die BUND-Expertin Sarah Häuser am Mittwoch.

In Frankreich soll für Verpackungen von Nahrungsmitteln für Kleinkinder das Verbot bereits vom kommenden Jahr an gelten. EU-weit gilt bisher lediglich ein Verbot der Chemikalie in Babyfläschchen, das vergangenes Jahr eingeführt wurde.

Ähnliche Wirkung wie das Sexualhormon Östrogen

Im Oktober 2011 hatte die französische Nationalversammlung für ein Verbot der Chemikalie in Lebensmittelverpackungen bereits von 2014 an gestimmt. Das Oberhaus des Parlaments verschob das Verbot nun aber auf Juli 2015. Zur Begründung hieß es, die Industrie brauche für die Umstellung mehr Zeit. Die Nationalversammlung wird sich nun noch einmal mit dem Gesetz befassen, bevor es endgültig verabschiedet werden kann.

Bisphenol A ist unter anderem in Plastikbehältern enthalten, vor allem aber in der Innenbeschichtung von Konserven- und Getränkedosen. Seit Jahren steht die Substanz in der Kritik. Einige Studien liefern Hinweise darauf, dass bereits kleine Mengen des Stoffes, der über einfachen Hautkontakt und die Lebensmittel in den Organismus gelangen kann, Schaden anrichten können. Die Chemikalie wirkt ähnlich wie das weibliche Sexualhormon Östrogen und steht im Verdacht, die Fortpflanzung und Gehirnentwicklung zu beeinflussen. Forscher fanden zudem Indizien dafür, dass sie die Reifung des Gehirns von Ungeborenen und Kleinkindern irreversibel schädigen kann.

Zwar bemängeln einige Experten immer wieder, dass die Beweislage für viele Zusammenhänge noch nicht hinreichend geklärt sei. Dennoch halten viele es für sinnvoll, die Substanz vorbeugend aus dem Verkehr zu ziehen.

"Das Verbot für Babyfläschchen war ein guter erster Schritt, aber er reicht nicht", sagte die BUND-Expertin Häuser. "Man könnte einen großen Hebel ansetzen, um die Belastungen für die Verbraucher zu reduzieren", forderte sie. Da die Mühlen auf EU-Ebene "sehr langsam mahlen", gingen Frankreich sowie einige skandinavische Länder deshalb mit Verboten und Regelungen auf nationaler Ebene voran. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) will die Risiken von Bisphenol A für den Menschen im Mai 2013 noch einmal neu bewerten.

cib/AFP
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