Infektion Das passiert bei einem Ebola-Verdacht in Deutschland

Gibt es einen Ebola-Verdacht, sollten sich Betroffene am besten telefonisch beim Arzt melden und möglichst schnell isoliert werden. Gewissheit kann erst ein Bluttest liefern.

Ebola-Viren: Eine Infektion ist extrem gefährlich
dpa

Ebola-Viren: Eine Infektion ist extrem gefährlich


Fieber, Unwohlsein, Durchfall und Erbrechen: Die ersten Symptome einer Ebola-Infektion gleichen denen vieler anderer Infektionskrankheiten, darunter auch Malaria. Hat sich ein Patient in einem Gebiet aufgehalten, in dem das Ebola-Virus grassiert, und stellt er diese Symptome bei sich fest, sollte er sich sofort an einen Arzt wenden - allerdings erst einmal nur telefonisch und nicht persönlich.

Den Ärzten empfiehlt das Robert Koch-Institut (RKI), die Patienten zunächst zu fragen, ob sie sich wirklich in einem von Ebola betroffenen Land aufgehalten haben. Momentan gibt es bestätigte Fälle aus den westafrikanischen Ländern Guinea, Sierra Leone, Liberia und Nigeria.

Ist der Ebola-Verdacht begründet?

Personen, die mit Ebola infiziert sind, entwickeln frühestens zwei Tage und spätestens 21 Tage nach der Ansteckung die ersten Beschwerden, darunter hohes Fieber von mindestens 38,5 Grad. Tritt dieses auf, ist ein Verdacht auf eine Ebola-Infektion laut RKI immer dann begründet, wenn der Betroffene innerhalb der letzten drei Wochen:

  • Sich in Sierra Leone, Guinea, Liberia aufgehalten hat und: nach dem Aufenthalt dort Blutungsneigung beziehungsweise einen Schock, oder dort Kontakt zu möglicherweise infizierten Wildtieren, oder dort Höhlen beziehungsweise Minen besucht hatte.
  • Unabhängig von Reisen in die Gebiete liegt darüber hinaus immer ein begründeter Ebola-Verdacht vor, wenn die Person Kontakt mit Ebola-Erkankten oder Krankheitsverdächtigen hatte oder wenn beruflich Kontakt mit Ebola-Viren, erregerhaltigem Material oder infizierten Tieren möglich ist.

Ein Flussschema zur Abklärung, ob ein begründeter Ebola-Verdachtsfall vorliegt, finden Sie hier.

Labortests geben Sicherheit

Liegt ein begründeter Ebola-Verdacht vor, muss der Patient isoliert werden. Wichtig sei, dass der Arzt in der Praxis oder im Krankenhaus bereits vor der Ankunft die nötigen Vorkehrungen trifft und einen isolierten Raum zur Verfügung stellt, erklärte eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums.

Der Maßnahmenplan des RKI sieht außerdem vor, dass bei einem begründeten Verdacht umgehend das zuständige Gesundheitsamt informiert wird, ebenso wie eines der sogenannten Kompetenzzentren. Diese sind Teil eines Netzwerks aus Versorgungs- und Managementeinrichtungen und leiten die weiteren Schritte ein.

Um den Verdacht zu wiederlegen oder zu festigen, muss ein Bluttest durchgeführt werden. Ein Ebola-Verdacht gilt erst als bestätigt, wenn ein Labortest Viren im Blut des Betroffenen nachweist. Dafür sollte laut RKI eine Virus-Isolation stattfinden. Diese werde nur von spezialisierten Laboren in Marburg und Hamburg durchgeführt.

Isolieren als wichtigste Vorsichtsmaßnahme

Je nach Einschätzung des Arztes sollte der Patient vom provisorischen Isolierbereich in eine der derzeit rund zehn deutschen Sonderisolierstationen verlegt werden. Das Gesundheitsamt, das Kompetenzzentrum und das RKI sollten darüber informiert werden. Die Verantwortung für den Fall bleibt zunächst im jeweiligen Bundesland.

Die Gefahr, dass sich das Virus durch infizierte Reisende in Deutschland ausbreitet, schätzen Experten als gering ein: "Eine Ausbreitung der Erkrankung ist sehr unwahrscheinlich, da der öffentliche Gesundheitsdienst auf Patienten mit solchen Erkrankungen vorbereitet ist und die Isolierung von Patienten die Ausbreitung der Infektion verhindert", heißt es etwa in einer Stellungnahme des Instituts für Virologie der Philipps-Universität Marburg, an dem Ebola-Tests durchgeführt werden dürfen.

irb/dpa

insgesamt 4 Beiträge
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wekru 20.08.2014
1. Wie dumm ist das denn?
Die Seuchenprävention des RKI hätte gar keine Chance zu funktionieren wenn mal wirklich 10 Verdachtsfälle stündlich in Erscheinung treten würden. Da sieht man Bilder von hoch vermummten Personen in der Seuchenstation einerseits und Bilder von Polizisten mit einfachem Mundschutz und sonst nichts andererseits. Und die Verdachtsfälle lässt man dann mit Bus, Bahn und Taxi zum Arzt anreisen, der dann ein isoliertes Zimmer bereitstellen soll? Was für ein Irrsinn. Erst mal gehört eine bundesweit erreichbare Notrufnummer her, an die alle Anlaufstellen weiterleiten. Dann sollte sich der Betroffene in einen Raum begeben und dort bleiben wo er gerade ist, egal ob Hotel, Firma, zu Hause, etc. Eignet sich der Ort für einen längeren Aufenthalt, muss die Versorgung dort organisiert werden, ansonsten die Verlegung. Getränke, Essen, Medikamente, Bett, Toilette mobil in Fahrzeugen installiert oder transportabel vorbereitet in ausreichender Zahl und überall binnen einer Stunde verfügbar, dazu Ärzte die zum Patienten kommen und nicht umgekehrt. Wenn ein RKI selbst so einfache Dinge nicht gebacken bekommt, was stellt man sich denn bitte vor wie es bei uns ab geht, wenn es mal wirklich ernst würde? Klare und vernünftige Verhaltensregeln und Vorbereitungen bitte, die auch bei 10.000 Betroffenen noch funktionieren, sonst muss man sich vor diesen "Experten" mehr fürchten als vor der Seuche selber.
Ju Br 02.10.2014
2. Es wird Zeit für ein Reiseverbot.
Und das bevor es zu spät ist. Da wird ja in jedem schlechten Zombie Film eine bessere Strategie gefahren. Jeder der ein Grundschein in Statistik hat weiß das der Plan nicht funktionieren kann.
trauschauwem@SPON 03.10.2014
3. Tücken & Lücken
Leider muß ich beiden Foristen hier vorbehaltlos recht geben. Solange es sich 'nur' um zwei bis drei und sehr frühzeitig erkannte Fälle handelt, mögen die Maßnahmen ja greifen, ggf. sogar noch bei der zehnfachen Anzahl von Verdachtsfällen. Aber bei einer maximalen Anzahl von schätzungsweise 200 'Hochsicherheitsbetten' in ganz Deutschland wären größere 'Infektionscluster' keinesfalls mehr so 'problemlos' zu handhaben, wie allenthalben Glauben gemacht wird. Die größte Gefahr geht meiner Ansicht nach auch von einer fatalen Eigenschaft der Ebola-Erkrankung aus, nämlich dass sie sich zunächst mit den Symptomen eines grippalen Infektes bzw. einer Grippe zeigt. Und damit gehen hierzulande und heutzutage die meisten Leute brav weiter zur Arbeit. Ich halte die offizielle Einstellung zur Wahrscheinlichkeit eines größeren Ausbruchs in Europa oder Deutschland ('...sehr unwahrscheinlich...')für etwas waghalsig. Wie man jüngst in den USA sieht, könnte das ach so robuste Netz der 'westlichen' Gesundheitssysteme eventuell ja doch nicht feinmaschig genug sein, denn innerhalb von nur Stunden änderten die Verantwortlichen Offiziellen ihre Aussage von zunächst 'einer Handvoll' Kontaktpersonen auf 'etwa 40' zu über 80. Man kann nur hoffen, dass es gelungen ist, ALLE Risikopersonen ausfindig zu machen.
nord1icht 07.10.2014
4. Beschwichtigung kommt teuer
Die Fälle in den USA und Spanien zeigen: So funktioniert die Welt nicht. Der Einzelne verhält sich längst nicht immer angemessen. Die Beschwichtigung nervt. Wenn ich nichts darüber lese, dass das THW das Abriegeln von ganzen Nachbarschaften übt, liegt es entweder daran, dass nicht berichtet werden soll, oder dass keiner es für notwendig hält. Und letzteres wäre ein Indiz, dass wir mangels Vorbereitung solche Zustände tatsächlich sehr bald haben könnten.
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