Gesundheitsbericht 550.000 Europäer sterben an vermeidbaren Krankheiten

Mehr als eine halbe Million Europäer unter 65 Jahren sterben jedes Jahr, weil sie Gesundheitsrisiken eingehen oder nicht gut behandelt werden. Ein neuer EU-Report enthüllt auch, wie gut es deutschen Patienten trotz allem geht.

Engelsfigur auf Friedhof Ohlsdorf in Hamburg
picture alliance / dpa

Engelsfigur auf Friedhof Ohlsdorf in Hamburg


"Diese Todesfälle sind vermeidbar", sagte Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis bei der Vorstellung der Studie "Health at a Glance: Europe 2016". In den EU-Staaten gebe es 550.000 Todesfälle von Menschen unter 65 Jahren, die mit besserer Vorsorge oder Behandlung womöglich vermeidbar wären.

Die Zahlen stammen aus einer Studie, welche die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gemeinsam mit der EU-Kommission erstellt hat. Sie wurde am Mittwoch in Brüssel vorgestellt.

In Deutschland gibt es demnach 87.000 vermeidbare Todesfälle in der Altersgruppe unter 65. Die EU-Kommission mahnte die Mitgliedstaaten an, mehr für Vorsorge zu tun. Für die EU-Wirtschaft bedeuteten die Todesfälle Kosten von rund 115 Milliarden Euro.

Tabak, Alkohol, Smog

"Wäre es nicht besser, wenn es gelänge, diese Leute so lang wie möglich gesund zu halten und somit die Zahl vorzeitiger Todesfälle zu reduzieren?", fragte Gesundheitskommissar Andriukaitis.

Es geht unter anderem um Herzleiden, Krebs und Schlaganfälle. Wer zu dick ist, raucht oder zu viel Alkohol trinkt, hat ein größeres Risiko. Auch Umweltbelastungen wie schmutzige Luft sind ein Faktor.

"Vielfältige Maßnahmen sind erforderlich, um die zahlreichen umwelt- und verhaltensbedingten Risikofaktoren anzugehen", heißt es in dem Bericht. Der Bericht fordert mehr Aufklärung über die Gefahren von Alkohol, Tabak und Fettleibigkeit.

Deutschland oft ganz vorn

Interessante Einblicke liefert der Gesundheitsreport, wenn man Daten aus Deutschland mit denen anderer EU-Länder vergleicht. Was die Ausgaben betrifft, liegen die Deutschen auf Platz eins. 11,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts fließen ins Gesundheitswesen, beim Schlusslicht Rumänien sind es nur 5,0 Prozent. Der EU-Durchschnitt beträgt 9,9 Prozent.

Viel geklagt wird hierzulande über Ärztemangel und unterbesetzte Klinikabteilungen. Doch der EU-Bericht attestiert Deutschland eine "hohe Versorgung mit Gesundheitspersonal". Auf 1000 Einwohner kämen 4,1 Ärzte und 13,1 Pfleger. Im EU-Durchschnitt liegen die Quoten bei 3,5 Ärzten beziehungsweise 8,4 Pflegern.

Deutsche hätten deshalb einen guten Zugang zu medizinischer Versorgung, heißt es. Eine Einschätzung, die viele im ländlichen Raum Lebende eher nicht teilen, insbesondere in Ostdeutschland.

Viele MRT-Geräte

Laut dem Report berichten nur 1,6 Prozent der Deutschen, dass sie eine medizinische Behandlung aufschieben müssten, egal, ob aus finanziellen Gründen oder weil die Wartezeiten zu lang sind. EU-weit ist diese Quote doppelt so hoch.

Deutschland hat europaweit die höchste Zahl an Krankenhausbetten. Auf 1000 Einwohner kommen 8,2 - der europäische Durchschnitt beträgt 5,2 Betten.

Auch mit teuren MRT-Geräten sind deutsche Kliniken und Praxen überdurchschnittlich gut bestückt. Pro eine Million Einwohner gibt es 30,5 Geräte, der EU-Wert liegt bei 15,4.

Führend ist Deutschland auch bei den Krankenhauseinweisungen und Operationen. Dies liegt nur zum Teil daran, dass die deutsche Bevölkerung im Schnitt am ältesten ist, heißt es in dem Bericht. Als Beispiel werden das Einsetzen von Stents und koronare Bypass-Operationen am Herzen genannt. Bei diesen Eingriffen liege Deutschland mit 453 Fällen pro 100.000 Einwohner noch 40 Prozent über den Werten aus Österreich, das auf Platz zwei der Statistik liegt.

hda/dpa

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