Lustpille "Viagra für Frauen" erhält Zulassung in den USA

In den USA kommt die erste Lustpille für Frauen auf den Markt. Die Arzneimittelbehörde FDA hat die Zulassung des Medikaments Flibanserin genehmigt, das den weiblichen Sexualtrieb steigern soll.
Flibanserin-Tablette: Experten warnen vor Nebenwirkungen

Flibanserin-Tablette: Experten warnen vor Nebenwirkungen

Foto: AP/dpa

Zweimal hatte die US-Arzneimittelbehörde FDA das "Viagra für Frauen" durchfallen lassen, im dritten Anlauf hat die Lustpille nun die Zulassung erhalten. Die FDA billigte das Medikament Flibanserin, das den weiblichen Sexualtrieb steigern soll. Damit folgte die Behörde der Empfehlung eines Expertengremiums von Anfang Juni.

Die rosa Pille wirkt im Gegensatz zu Viagra weniger auf den Körper als vielmehr auf die Psyche. Flibanserin ist ursprünglich ein Antidepressivum, das den Spiegel des lusthemmenden Hormons Serotonin absenken soll. Im Gegenzug hebt es die Konzentration des Glückshormons Dopamin und von Noradrenalin im Blut an; beide können die weibliche Libido steigern. Die Pille muss jeden Abend eingenommen werden - egal, ob Sex geplant ist oder nicht.

"Die heutige Zulassung gewährt Frauen, die unter sexueller Unlust leiden, eine überprüfte Therapiemöglichkeit", sagte FDA-Forschungsdirektorin Janet Woodcock. "Die FDA ist um den Schutz und die Förderung der Gesundheit von Frauen bemüht, und wir fühlen uns verpflichtet, die Entwicklung sicherer und effektiver Präparate zu unterstützen."

Die Effizienz ist jedoch genau der Streitpunkt. Nach Untersuchungen, die auch die FDA veröffentlicht hat, kam es bei Frauen mit dem Wirkstoff zu einem halben bis einem Mal Sex mehr pro Monat als bei Frauen mit Placebo.

Flibanserin war vom deutschen Pharmakonzern Boehringer Ingelheim entwickelt worden, der das Patent nach der ersten gescheiterten Zulassung an die US-Firma Sprout Pharmaceuticals verkaufte. Der Konzern will das Medikament unter dem Namen Addyi auf den Markt bringen.

Experten warnen vor Nebenwirkungen wie Müdigkeit, niedrigem Blutdruck und Schwindelanfällen. Das gilt besonders, wenn das Medikament in Kombination mit Alkohol oder anderen Arzneimitteln eingenommen wird.

Addyi soll nur auf Rezept in geprüften Apotheken erhältlich sein. "Patienten und Verschreiber sollten die Risiken im Zusammenhang mit der Einnahme von Addyi vollständig verstehen, bevor sie die Behandlung in Betracht ziehen", mahnte Woodcock.

Frigidität oder sexuelle Gefühlskälte ist ein Problem für Millionen Frauen: Sie haben keine Lust auf Sex und empfinden keinen Spaß am Geschlechtsverkehr. Die Störung der Libido ist eine Belastung für viele Beziehungen, die oft psychotherapeutisch behandelt wird. Nach Angaben von Medizinern ist in Deutschland etwa jede dritte Frau betroffen.

Ob und wann das Präparat nach Deutschland kommt, ist noch ungewiss. Mediziner gehen zudem davon aus, dass die Tablette nur zehn Prozent der Betroffenen hilft - was allerdings Millionen sein können.

syd/AFP/AP/dpa
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