Umfrage Viele Deutsche haben Angst vorm Krankenhaus

Vergessenes OP-Besteck im Körper oder Komplikationen bei der Narkose: Eine große Zahl Deutscher möchte Klinikaufenthalte gern vermeiden. Mehr als 80 Prozent treibt eine Sorge besonders um.

Patientenzimmer: Viele Deutsche haben Angst vor Klinikaufenthalten (Archivbild)
Christian Charisius/dpa

Patientenzimmer: Viele Deutsche haben Angst vor Klinikaufenthalten (Archivbild)


Fast jede dritte Frau (32 Prozent) und jeder vierte Mann (25 Prozent) fürchtet sich einer Forsa-Umfrage zufolge vor einer stationären Behandlung in der Klinik. Die repräsentative Befragung im Auftrag der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) zeigt zudem, dass 81 Prozent der Besorgten Angst vor einer Ansteckung mit Krankenhauskeimen haben.

Jeder Zweite fürchtet sich demnach vor der Notwendigkeit einer erneuten Operation und Komplikationen bei der Narkose. Eine mögliche schlechte Wundheilung und mangelhafte Qualität der verwendeten Medizinprodukte spielen ebenfalls für rund die Hälfte der Befragten eine Rolle. Vergessenes OP-Besteck im Körper und Medikamenten-Unverträglichkeit sind für jeden Dritten ein Grund, sich Sorgen zu machen. Fast jeder Dritte begründet seine Ängste zudem mit eigenen schlechten Erfahrungen.

Viele der Befragten würden sich vor einem geplanten Klinikaufenthalt genau über das Krankheitsbild, die Behandlung und das Krankenhaus informieren. Für acht von zehn Deutschen ist der Arzt dabei erster Ansprechpartner. Drei Viertel der Befragten würden zudem im Internet recherchieren. Erfahrungen aus dem Freundeskreis dienen zwei Dritteln als Informationsquelle. Für die Studie waren im Juli rund tausend Bundesbürger zwischen 18 und 70 Jahren befragt worden.

2018 hatten die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärzteschaft 1858 Behandlungsfehler festgestellt, die Zahl bezieht sich jedoch nicht nur auf Behandlungen im Krankenhaus. Die meisten Beschwerden betrafen Operationen an Knien und Hüftgelenken sowie Eingriffe wegen Brüchen von Unterschenkel und Sprunggelenk. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) dokumentierte im vergangenen Jahr sogar knapp 3.500 Behandlungsfehler.

Wer den Verdacht hat, falsch behandelt worden zu sein, sollte nicht zu lange zögern. Nach drei Jahren verjähren die Ansprüche in der Regel. Zuerst sollte der Patient das Gespräch mit dem behandelnden Arzt selbst suchen. Kommt er dort nicht weiter, sind leitende Ärzte oder die Klinikleitung die nächsten Ansprechpartner. In vielen Kliniken gibt es zentrale Beschwerdestellen, an die Patienten sich wenden können.

kry/dpa

insgesamt 97 Beiträge
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kohle+reibach 13.09.2019
1. Gesund rein --> Krank wieder raus
Seitdem der Rotstift über deutschen Krankenhäusern kreist, kann einem ja auch nur Angst und Bange werden. So lange Investoren an den Krankheiten der Menschen Geld verdienen wollen, wird sich daran auch nichts ändern. Keime, fehlendes Personal, kaum noch deutsch sprechende Ärzte und vieles mehr. Ich bin froh über jeden Tag, den ich nicht in einem KH verbringen muss.
Martuk 13.09.2019
2.
Die Angst ist ja auch berechtigt, die Zahlen dazu hätten dem Artikel nicht geschadet: https://www.focus.de/gesundheit/news/hamburg-40-000-tote-pro-jahr-der-kampf-gegen-die-killer-keime_id_9794114.html https://www.mrsa-net.nl/de/oeffentlichkeit/deutschland-und-andere-lander/mrsa-in-deutschland-und-in-andere-landern/731-warum-kommt-mrsa-in-den-niederlanden-viel-weniger-vor-als-in-deutschland
hans-rai 13.09.2019
3. Zurecht Angst, weil keine Alternative...
..., wenn eine OP unvermeidbar ist. Ich habe in meinem Bekanntenkreis mehrere Personen, die mit dem Krankenhauskeim infiziert wurden und deren Kampf mit den Folgen miterlebt. Das macht natürlich Angst, wenn man selbst vor einer OP steht. Offensichtlich kann man dieses Problem aber nicht vollständig in den Griff bekommen.
felisconcolor 13.09.2019
4. 3500
Behandlungsfehler sind 3500 zuviel. Das eine OP nicht immer nach Handbuch verläuft, sich die Heilung verzögert kann sicher vorkommen. Aber wenn man hinter die Kulissen schaut wissen wir alle doch sehr genau worauf die fehler beruhen. Was auch schon in anderen Studien bestätigt wurde, es wird zuviel und unnötig operiert. Operationen bringen Geld und unser Gesundheitswesen ist ja leider auf Profit ausgelegt. Millionen an Euro verschwinden aus den Kassenbeiträgen in irgendwelchen Investorengruppen anstatt sie den kranken Menschen zugute kommen. Das muss aufhören.
dasfred 13.09.2019
5. Krankenbewahranstalt
Schon als Besucher finde ich die meisten Krankenhäuser widerlich. Der Geruch, die Atmosphäre, das gehetzte oft unfreundliche Personal, Ärtzte, für die man ein Fall ist, der Umsatz bringt, aber bloß kein Mensch mit Ängsten und Sorgen. Wenn man sich dann noch bewusst wird, dass ein Krankenhaus zuerst einmal Rendite erwirtschaften soll, dann weiß man, der Patient ist nur die Ware und der beste Patient ist derjenige, der den größten Umsatz bei geringstem Aufwand bringt. Dafür wird am Essen, der Hygiene, der Privatsphäre gespart und für alles mögliche zusätzlich kassiert. Sternen werden wir alle, aber dass muss im Krankenhaus nicht auch noch verschlimmert werden.
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