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Eine rätselhafte Patientin Warum die Jugendliche kein Wasser lassen kann

Weil ein Mädchen Schmerzen im Unterleib hat und kein Wasser lassen kann, sucht es ärztliche Hilfe. Zunächst tippen die Mediziner auf einen Harnwegsinfekt – doch zum Glück schauen sie dann genauer nach.
Von Nina Weber

Die Jugendliche hatte schon mehrmals Harnwegsinfekte und sogar zweimal eine Nierenbeckenentzündung. Als sie sich in der Notaufnahme des William Harvey Hospital im britischen Ashford vorstellt, klagt sie über Schmerzen im Unterleib und berichtet, kein Wasser lassen zu können. Die Ärzte vermuten zunächst, dass sie erneut eine Blasenentzündung plagt.

Beim Abstasten ist ihr Bauch weich, aber sie hat eine Abwehrspannung im rechten Beckenbereich. Auch ihre Blase ist tastbar. Ein Ultraschall des Bauches liefert keine hilfreichen Bilder, da die Patientin wegen der starken Schmerzen die Untersuchung nicht aushält. Weil sie die Blase nicht entleeren kann, wird der Jugendlichen ein Katheter gelegt. Das Ärzteteam gibt ihr Antibiotika, um den vermuteten Infekt zu bekämpfen, zusätzlich bekommt sie Schmerzmittel.

Doch am folgenden Tag geht es ihr nicht besser, berichten Oman Rai und seine Kollegen im Fachblatt »BMJ Case Reports« . Im Urin der Patientin finden sich Spuren von Blut. Aber mikroskopisch gibt es keine Auffälligkeiten und eine angelegte Kultur ist steril – was gegen eine von Bakterien verursachte Blasenentzündung spricht. Bei einem Bluttest ist alles im normalen Bereich, ein Schwangerschaftstest ist negativ, die Nieren arbeiten, wie sie sollen.

Die Ärzte schauen sich den Fall genauer an. Das Mädchen hatte nicht nur Probleme beim Wasserlassen, es hatte auch seit Tagen keinen Stuhlgang. Zudem hatte die Jugendliche noch keine Regelblutung und war noch nicht sexuell aktiv, wie sie erfahren. Ihre sekundären Geschlechtsmerkmale seien aber »angemessen entwickelt«, heißt es in dem Bericht. Es erscheint den Medizinerinnen ungewöhnlich, dass ihre Regelblutung noch nicht begonnen hat. Das genaue Alter der Patientin wird im Fallbericht nicht genannt.

Eine große Menge Flüssigkeit

Weil die Jugendliche weiterhin starke Schmerzen hat, entschließen sich die Ärzte, erneut einen Ultraschall durchzuführen, zusätzlich schauen sie sich den Bauchraum per Magnetresonanztomografie an. So entdecken sie, dass sich die Vagina der Patientin stark ausgedehnt hat, weil sie prall mit Flüssigkeit gefüllt ist. In diesem Zustand drückt die Vagina auch auf Blase und Darm.

Auf dem MRT ist die stark geweitete, mit Menstruationsblut gefüllte Vagina zu erkennen

Auf dem MRT ist die stark geweitete, mit Menstruationsblut gefüllte Vagina zu erkennen

Foto: BMJ Case Reports

Wie konnte sich dort Flüssigkeit sammeln? Die Patientin hat eine sogenannte Hymenalatresie, das Hymen ist komplett verschlossen. Die Jugendliche hatte bereits Regelblutungen, die Flüssigkeit konnte aber nicht abfließen und hat sich durch die Fehlbildung im Körper gestaut und so zunehmend Beschwerden verursacht. Etwa ein bis zwei von 2000 Mädchen werden mit dieser Fehlbildung geboren, heißt es in dem Bericht. Durch eine Untersuchung ist sie bereits bei Neugeborenen zu erkennen und kann dann durch eine OP behoben werden.

Denn die Fehlbildung lässt sich durch einen einfachen operativen Eingriff beheben, bei dem das Hymen geöffnet wird. Dies passiert auch bei der Patientin in Ashford. Bei der OP fließt »eine große Menge alten Blutes« ab, schreiben die Ärzte in ihrem Fallbericht.

Für die Patientin sind die Beschwerden damit vorbei. Als sie wieder normal Wasser lassen kann, wird sie aus dem Krankenhaus entlassen.

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