Trinken zur Weihnachtszeit Was bei Alkoholkonsum im Körper passiert

Warum Alkohol eigentlich betrunken macht, ob Frauen wirklich schneller blau sind als Männer - und was bei welchem Pegel im Körper vor sich geht: der Überblick.
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Auf dem Weihnachtsmarkt ein paar Becher Glühwein, zum Festessen Sekt und Wein, zur Verdauung danach ein Schnaps - in der Weihnachtszeit wird oft nicht nur reichlich gegessen, sondern auch viel Alkohol konsumiert. Und der stellt einiges mit dem Körper an.

Warum macht Alkohol überhaupt betrunken?

Noch ist nicht bis ins letzte Detail geklärt, auf welche Botenstoffsysteme im Gehirn Alkohol einwirkt, doch einiges ist schon bekannt. Mit dem Blutfluss gelangt Alkohol in alle Organe und damit auch ins Gehirn, wo er unter anderem die sogenannten Glutamat- und Gaba-A-Rezeptoren beeinflusst. Seine Wirkung auf Gaba-A drosselt die Aktivität von Nervenzellen, was unter anderem miterklären kann, warum eine kleine Menge Alkohol entspannen und eine große Menge bewusstlos machen kann. Zusätzlich dämpft Alkohol die aktivierende Wirkung der Glutamat-Rezeptoren, was wohl die Erinnerungsfähigkeit senkt und zu Blackouts bei stärkerem Alkoholkonsum beiträgt.

Werden Frauen schneller betrunken als Männer?

Im Schnitt stimmt es: Bei der gleichen getrunkenen Menge Alkohol haben Frauen einen höheren Blutalkoholspiegel als Männer. Im Einzelfall muss das natürlich nicht stimmen. Was erklärt den Unterschied? Frauen haben einen höheren Anteil Fettgewebe und einen niedrigeren Wasseranteil im Körper als Männer. Der Alkohol verteilt sich deshalb auf weniger Volumen.

Das erklärt, warum Experten bei Frauen bereits von riskantem Alkoholkonsum sprechen, wenn Frauen ständig mehr als ein Glas pro Tag trinken, während es bei Männern die doppelte Menge sein darf. Ein Glas heißt: 0,3 Liter Bier oder 0,12 Liter Wein oder 0,1 Liter Sekt oder 4 cl Schnaps.

Macht Alkohol auf nüchternen Magen schneller betrunken?

Wer abends ein Glas mehr trinken will, sollte vorher etwas essen - wird immer gesagt. Tatsächlich stimmt es, dass Alkohol auf nüchternen Magen schneller wirkt. Denn die Substanz wandert im Wesentlichen durch die Darmwand ins Blut, muss also erst den Magen passiert haben, ehe sie ihre Wirkung entfaltet. Ist der Magen gut gefüllt, dauert dies länger. Allerdings sind die folgenden Effekte des Alkohols nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Wer nach einer üppigen Mahlzeit viel trinkt, wird auch betrunken - nur verzögert.

Was passiert, wenn die Promillezahl steigt?

Wie schnell jemand betrunken wird, hängt davon ab, wie regelmäßig er Alkohol trinkt. Der Körper gewöhnt sich an die Substanz, die üblichen Symptome setzen bei manchen erst bei einem höheren Alkoholpegel ein. Wie stark der Blutalkohol nach einem Glas Wein oder Sekt steigt, ist zusätzlich von Mensch zu Mensch verschieden.

Die hier genannten Werte können deshalb nur einen groben Überblick liefern und beinhalten auch nicht die negativen Langzeitfolgen von einem regelmäßig erhöhten Konsum:

  • Blutalkohol von 0,2 bis 0,3 Promille: Die meisten Menschen wirken noch nicht betrunken, jedoch hat der Alkohol bereits Effekte. Er entspannt, macht redseliger und kontaktfreudiger.

  • 0,3 bis 0,5 Promille: Bereits jetzt ist die Sehleistung etwas vermindert. Menschen agieren waghalsiger als sonst.

  • 0,5 bis 0,8 Promille: Neben dem Sehen beeinträchtigt der Alkohol nun auch das Hören. Geschwindigkeiten werden nicht mehr richtig eingeschätzt. Die Reaktionsfähigkeit sinkt, ebenso die Aufmerksamkeit. Weil der Alkohol die Gefühle verstärkt, kann es zu Stimmungsschwankungen kommen.

    Wer in Deutschland mit 0,5 Promille (bis 1,09 Promille) Auto fährt, begeht mindestens eine Ordnungswidrigkeit, was meist zu einem Bußgeld und einem Monat Führerscheinentzug führt. Zeigt der Betroffene Ausfallerscheinungen, indem er zum Beispiel Schlangenlinien fährt, kann dies auch als Straftat gewertet werden, schreibt der ADAC .

  • 0,8 bis 1 Promille: Die motorischen Fähigkeiten sind eingeschränkt, Bewegungen werden unkoordinierter, Betroffene verlieren eher die Balance. Das Sichtfeld ist eingeschränkt zu einem Tunnelblick. Gleichzeitig denken Menschen jetzt, sie hätten alles noch gut im Griff, was diesen Zustand noch riskanter werden lässt.

    Pro Stunde kann der Körper etwa 0,1 Promille abbauen. Es ist also möglich, dass man am kommenden Morgen noch nicht wieder komplett nüchtern ist. Das Risiko, am Folgetag einen Kater zu erleben, steigt. Der Alkohol regt die Urinproduktion an, wer nicht genug trinkt, fühlt sich am Tag danach vermutlich etwas ausgetrocknet. Das kann auch dazu führen, dass die Augen unangenehm trocken sind.

  • 1 bis 1,2 Promille: Dass ein Rausch eingesetzt hat, ist nicht mehr zu übersehen. Betroffene sprechen undeutlich, haben Probleme beim Gehen, sind teilweise sehr emotional, werden aggressiv - oder schläfrig.

  • 1,4 bis 2 Promille: Sehr wahrscheinlich sehen Betroffene die Welt nur noch verschwommen oder manches doppelt. Das Unfallrisiko ist deutlich erhöht, weil die Koordination nicht mehr glückt. Außerdem nehmen derart Betrunkene nicht mehr richtig wahr, wenn sie sich verletzen. Blackouts sind möglich.

  • 2 bis 3 Promille: Die meisten Menschen verlieren das Bewusstsein. Falls nicht, kommen sie dennoch nicht mehr allein zurecht, sondern brauchen Hilfe beim Stehen oder Gehen. Der Körper versucht, den Alkohol loszuwerden - auch durch Erbrechen. Wer derart betrunken allein ist und ohnmächtig wird, kann an seinem Erbrochenen ersticken.

  • Ab 3 Promille ist das Level einer extrem gefährlichen Alkoholvergiftung erreicht. Die Atmung ist geschwächt und kann völlig stocken. Betroffene können ins Koma fallen und sogar sterben.

(Quellen: Infoseiten von "Kenn dein Limit" , der US-Entzugkliniken AAC und des National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism (NIAAA ).

wbr
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