Gesundes Arbeiten Wie hilfreich sind höhenverstellbare Tische?

Wer im Büro arbeitet, sitzt die meiste Zeit - gesund ist das nicht. Können höhenverstellbare Schreibtische das ändern? Das haben britische Forscher jetzt untersucht.
Symbolbild

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Foto: Johner Images/ Getty Images/Johner RF

Wer viel sitzt und sich wenig bewegt, lebt nicht gerade gesund. Doch für Menschen, die im Büro arbeiten, findet meist der größte Teil des Berufsalltags im Sitzen statt. Wie lässt sich das ändern?

Eine Möglichkeit sind höhenverstellbare Tische: An ihnen kann man abwechselnd im Stehen oder Sitzen arbeiten. Das ist zwar immer noch wenig Bewegung, aber wahrscheinlich besser als immer nur zu sitzen.

Stimmung und Rücken

Ein Team britischer und australischer Forscher hat nun genauer untersucht, wie viel Zeit Büroangestellte an so einem Tisch stehend verbringen und ob sich dadurch unter anderem ihre Einstellung zur Arbeit verändert oder sie seltener an Rückenschmerzen leiden.

Das Team um Charlotte Edwardson von der University of Leicester begleitete ein Jahr lang 146 Angestellte. 80 Prozent waren Frauen, das Durchschnittsalter betrug 41 Jahre. Etwa die Hälfte der Teilnehmer erhielt einen höhenverstellbaren Tisch und Informationen dazu, bei der anderen wurde nichts geändert.

Zu Studienbeginn, sowie nach drei, sechs und zwölf Monaten ermittelten die Forscher, wie viel Zeit die Teilnehmer im Sitzen verbrachten. Die Probanden trugen dafür je eine Woche lang eine Art Schrittzähler, der auch unterscheiden kann, ob jemand sitzt oder steht.

Zu Studienbeginn gab es keinen Unterschied zwischen den beiden Gruppen. Im Schnitt verbrachten die Teilnehmer rund 73 Prozent ihrer Arbeitszeit im Sitzen, was knapp sechs Stunden entsprach. Insgesamt saßen sie am Tag fast zehn Stunden, berichten die Forscher im Fachblatt "BMJ" .

Mit einem höhenverstellbaren Tisch änderte sich das: Die Teilnehmer verbrachten nach drei sowie nach sechs Monaten rund eine Stunde weniger Zeit im Sitzen als jene Probanden mit einem festen Tisch, am Ende der Studie waren es sogar rund 80 Minuten.

Was hatte das für Auswirkungen?

Wer denkt, dass ein höhenverstellbarer Tisch alle Rückenprobleme schwinden lässt - so einfach ist es leider laut der Studie nicht. Zu Studienbeginn antworteten fast alle Teilnehmer, dass sie in den vorhergehenden zwölf Monaten mindestens einmal Nacken- oder Rückenschmerz hatten. Auch nach einem Jahr mit höhenverstellbarem Tisch waren die Probleme bei den Studienteilnehmern nicht verschwunden, aber immerhin etwas seltener als in der Kontrollgruppe.

Außerdem waren die Teilnehmer, die abwechselnd sitzen oder stehen konnten, nach eigener Angabe motivierter, effizienter und weniger erschöpft. Das deckt sich mit einer früheren Untersuchung, in der Angestellte mit Sitz-Steh-Tischen ebenfalls produktiver waren als ihre zwangsweise immer sitzenden Kollegen.

Bewegen ist besser als stehen

Ob das Stehen langfristig die Gesundheit fördert, ist allerdings fraglich. Wahrscheinlich profitiert am ehesten der Rücken. In einem Begleitartikel im "BMJ"  geht Forscherin Cindy Gray darauf ein: "Viele Maßnahmen, bei denen Sitzen einfach durch Stehen ersetzt wird, haben keine relevanten Auswirkungen auf Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Krankheiten." Vorteile ergeben sich dagegen schnell, wenn sich jemand bewegt, anstatt zu sitzen, so Gray.

Bereits vor Jahren hatten Wissenschaftler eine Reihe von Maßnahmen vorgeschlagen, mit denen Büroangestellte mehr Bewegung in den Arbeitsalltag bringen. Neben höhenverstellbaren Tischen sind dies:

  • Pausen, in denen man steht oder sich bewegt,
  • technische Maßnahmen, etwa wiederkehrende Alarme, die darauf hinweisen, dass jetzt Aufstehen angesagt ist,
  • das Verlegen von Konferenzräumen, Küchen und Toiletten auf andere Etagen als die Arbeitsplätze,
  • Konferenzen im Stehen abhalten.
  • wbr
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