Schaden für das Gebiss Zahnärzte warnen vor Aktivkohle-Creme

Schonend weißere Zähne: Das versprechen Hersteller von Aktivkohle-Zahnpasta. Alles Quatsch, sagen nun Mediziner. Die schwarze Paste könne dem Gebiss sogar erheblich schaden.

Aktivkohle gehört laut einer neuen Untersuchung nicht auf die Zahnbürste
iStockphoto/ Getty Images

Aktivkohle gehört laut einer neuen Untersuchung nicht auf die Zahnbürste


Die Werbung klingt vielversprechend: Aktivkohle in Zahncremes und Pudern soll Beläge absorbieren und die Zähne so weißer machen. Das geht angeblich deutlich schonender als bei anderen aufhellenden Zahncremes, die Verfärbungen abschmirgeln und so auch den schützenden Schmelz angreifen können. Die schwarze Paste begegnet Kunden immer häufiger in Drogerien und Apotheken, auch in Deutschland. In sozialen Netzwerken schwören zahlreiche Influencer auf sie. Eine Tube kostet meist zwischen 3 und 30 Euro.

Die Versprechen seien nichts weiter als ein Werbegag, konstatieren dagegen britische Zahnärzte im Fachblatt "British Dental Journal". Es gebe keinen wissenschaftlichen Beweis, dass Aktivkohle die Zähne aufhelle. Viele Produkte könnten den Zähnen sogar schaden, weil sie keinen ausreichenden Schutz vor Karies böten.

"Glauben Sie nicht an den Hype"

Für ihre Bewertung haben die Zahnärzte alle bekannten Erkenntnisse vorheriger Studien zusammengefasst. In der bisher größten Analyse aus dem Jahr 2017 waren 50 schwarze Zahncremes getestet worden. Fast alle versprachen, die Zähne aufzuhellen. Viele warben zusätzlich damit, die Zähne zu schonen, zu entgiften, antibakteriell und antiseptisch zu wirken - alles besonders umweltfreundlich, naturnah, bio.

Wissenschaftlich belegt sei das bisher nicht, kritisieren die Zahnärzte. Aktivkohle kann zwar eine desinfizierende Wirkung haben, aber ob das auch beim Zähneputzen gilt, ist unklar. Schließlich wird die Kohle wieder komplett weggeputzt. Wer will schon mit schwarzen Zähnen gesehen werden?

Nur vier der untersuchten Produkte enthielten Fluorid. Das Spurenelement sorgt dafür, dass Zahnpasta vor Karies schützt und wirkt deutlich stärker als Zähneputzen an sich. Vor Kurzem forderten Zahnärzte sogar, den Fluoridgehalt in Kinderzahnpasta zu verdoppeln. Es hält sich jedoch hartnäckig das Gerücht, der Stoff könne krank machen. Einige vermeintliche Ökozahncremes verzichten deshalb darauf. Um sich mit Fluorid zu vergiften, müssten Menschen jedoch große Mengen Zahnpasta essen, und das über einen langen Zeitraum hinweg. (Mehr dazu lesen Sie hier.)

Was bringt Aufbau-Zahnpasta?

Langfristig könnte die Kohlezahnpasta wegen des geringen Fluoridgehalts das Kariesrisiko deutlich erhöhen, warnen die Zahnärzte. Zudem enthielten längst nicht alle schwarzen Zahncremes Aktivkohle, sondern Ruß oder Farbstoffe.

Befürworter der Kohlezahnpflege argumentieren, schon die alten Ägypter hätten sich mit Kohle die Zähne geputzt und seltener Karies gehabt. Letzteres dürfte jedoch daran liegen, dass sie weniger Zucker aßen als die meisten Menschen heute. Auch in einigen Entwicklungsländern reiben sich Menschen die Hände mit Kohle ein, um sich damit die Zähne zu reinigen. Das sei sicher besser als überhaupt keine Zahnpflege, argumentieren Zahnärzte. Moderne Zahncremes lieferten aber einen deutlich besseren Schutz.

"Glauben Sie nicht an den Hype", sagte Damien Walmsley von der British Dental Association, der nicht an der Studie beteiligt war, der BBC. Regelmäßiges Zähneputzen bringe einen besseren Effekt als die Kohlepaste.

koe



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