Welt-Aids-Konferenz Der Wille ist da, das Geld noch nicht

Aids bis 2030 auszurotten, ist ein ehrgeiziges Ziel. In Durban warnen Experten: Ohne zusätzliche Investitionen in Medikamente und Vorbeugung wird die Welt es verfehlen.

Bill Gates auf der Welt-Aids-Konferenz in Durban
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Bill Gates auf der Welt-Aids-Konferenz in Durban


Bis 2030 soll Aids besiegt sein. So wurde es im Juni feierlich in New York beschlossen. Doch die Welt-Aids-Konferenz in Durban, die am Freitag zu Ende geht, hat gezeigt, dass es an den Mitteln fehlt, das hehre Ziel in nur 14 Jahren zu erreichen.

Zwar haben seit der Jahrtausendwende die Investitionen der Weltgemeinschaft in Prävention und Behandlung von HIV-positiven Menschen Millionen Leben gerettet. Doch nun gehen die Beträge der Geber zurück, berichtet die Anti-Aids-Organisation der Vereinten Nationen, Unaids.

"Ich habe Angst"

  • 2013 standen demnach für den Kampf gegen HIV/Aids noch 9,7 Milliarden Dollar von internationalen Gebern zur Verfügung.
  • 2015 waren es 8,1 Milliarden Dollar.

"Ich habe Angst", sagt Unaids-Direktor Michel Sidibé während der Konferenz in Durban. "Wir werden es nicht schaffen, Aids bis 2030 zu beenden", warnte er.

Mit den bisherigen Mitteln ist es seit 2010 schon nicht mehr gelungen, die Zahl der jährlichen Neuinfektionen signifikant zu senken. Jedes Jahr infizieren sich 2,1 Millionen Menschen neu mit dem HI-Virus. In Osteuropa und bei Mädchen und jungen Frauen in Afrika steigen die Infektionszahlen sogar. "Das Risiko ist, dass wir ein Wiederaufflammen der Epidemie erleben werden", sagt Sidibé. Dann würde eine Bekämpfung noch teurer.

Um Aids bis 2030 tatsächlich zu beenden, müssten zum Beispiel alle HIV-positiven Menschen mit Viren-hemmenden Medikamenten behandelt werden, um einen Ausbruch der Krankheit zu verhindern.

  • Momentan bekommen jedoch nur rund 17 Millionen Menschen antiretrovirale Medikamente,
  • 20 Millionen Infizierte haben dagegen Unaids zufolge keinen Zugang dazu.

Besserer Schutz für Risikogruppen nötig

Außerdem muss die Prävention gestärkt werden, um die Zahl der Neuinfektionen unter Kontrolle zu bringen. Dabei geht es vor allem um Risikogruppen, dies sind in Osteuropa zum Beispiel Drogenabhängige und Homosexuelle, im südlichen Afrika hingegen auch alle Mädchen und Frauen im Alter von 15 bis 25 Jahren.

Viel Hoffnung setzen Experten auf die noch relativ neue Prophylaxe mit Medikamenten: Die Einnahme einer Tablette pro Tag schützt vor einer Infektion mit dem HI-Virus. Das ist ideal für Risikogruppen. Südafrika etwa gibt PrEP bereits an Prostituierte aus. Um das Medikament in größerem Maßstab zu nutzen, fehlt aber das Geld.

Microsoft-Gründer Bill Gates warnt in Durban, dass zwischen dem Ziel für das Jahr 2030 und der Realität eine große Schere klafft. "Nur weitermachen wie bisher wird ganz klar nicht ausreichen", sagt Gates. Wegen der rasch zunehmenden jungen Bevölkerung in Afrika drohe die Zahl der jährlichen HIV-Infektionen sogar auf neue Rekorde zu steigen. Um die Epidemie unter Kontrolle zu bekommen, seien dringend zusätzliche Mittel für Prävention, Behandlung von HIV-positiven Menschen und für die Forschung nötig, erklärte Gates. Die Stiftung des IT-Milliardärs engagiert sich auch im Kampf gegen HIV und Aids.

Langer Weg zu einem Heilmittel

Optimisten setzen ihre Hoffnung auf ein Heilmittel für HIV und eine Impfung gegen das Virus. An beidem wird weltweit geforscht, doch kein seriöser Wissenschaftler hat in Durban eine Prognose gewagt, bis wann solche Mittel zur Verfügung stehen werden. "Wir können noch nicht sagen, ob oder bis wann wir ein Heilmittel haben werden", sagte Nobelpreisträgerin Françoise Barré-Sinoussi, die an der Entdeckung des HI-Virus beteiligt war. Entscheidend seien nach wie vor Prävention und Behandlung HIV-positiver Menschen.

Der Direktor des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria, Mark Dybul, warnte, dass selbst eine Impfung nicht alle Probleme lösen würde. "Die Impfung gegen Polio gibt es schon seit 50 Jahren, aber erst jetzt ist es uns gelungen, die Krankheit auszurotten."

Im September treffen sich die Geber des Fonds im kanadischen Montreal, um die Mittel für die kommenden Jahre festzulegen. Die Tagung wird zeigen, ob es die Weltgemeinschaft ernst meint mit dem Ziel für 2030. "Deutschland muss jetzt mit gutem Beispiel vorangehen", forderte Silke Klumb, die Geschäftsführerin der Deutschen Aids-Hilfe. Die Bundesregierung solle ihren Beitrag zum Globalen Fonds verdoppeln, sagte sie. Die Mittel, Aids zu besiegen, seien vorhanden, aber es fehle an politischem Willen. "Niemand müsste heute mehr an Aids erkranken und sterben."

Jürgen Bätz, dpa/wbr



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authentisch sein 22.07.2016
1. Das Geld ist da, nur der Wille nicht
Die Überschrift scheint mir zynisch. Der einfachste Weg wäre, dass sich jeder nur noch auf einen einzigen Sexualpartner pro Leben beschränkt. Naja, Ausnahme bei Tod des Partners. Ob die Leute verheiratet sind oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Dann wäre jede Geschlechtskrankheit so gut wie vollständig innerhalb von zwei Generationen ohne weitere Kosten ausgerottet. Um ein Bewusstsein dafür zur wecken, kann man ein paar hundert Millionen Euro in Werbekampagnen investieren. Die restlichen Milliarden kann man dann in sinnvolle Projekte investieren. Aber warum macht das keiner? Weil es keiner will. Also ist der Wille das Problem. Und dann kann ich eigentlich nur noch sagen: Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um.
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