Ukraine Krise macht erfolgreiche HIV-Prävention zunichte

Die Ukraine war mit moderner Drogenpolitik ein Vorbild im Kampf gegen Aids und HIV. Nun droht der Rückschlag - mangels Geld, wie Experten auf der Welt-Aids-Konferenz berichten. Besonders schlimm ist es auf der Krim.

Rote Schleifen: Bei der Welt-Aids-Konferenz warnen Experten vor der Verschlechterung der HIV-Prävention in der Ukraine
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Rote Schleifen: Bei der Welt-Aids-Konferenz warnen Experten vor der Verschlechterung der HIV-Prävention in der Ukraine


Melbourne - In der Ukraine droht die politische Krise große Fortschritte im Kampf gegen HIV und Aids zunichtezumachen. Besonders prekär sei die Lage auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim, berichtete Andrij Klepikow, Direktor der Organisation HIV/Aids-Allianz in der Ukraine, bei der Welt-Aids-Konferenz im australischen Melbourne.

Die Internationale Aids-Gesellschaft sei höchst besorgt über die Lage in Osteuropa und Zentralasien, sagte der demnächst antretende Präsident der Organisation, Chris Bryrer. "Es ist die einzige Region neben dem Nahen Osten und Nordafrika, in der die Zahlen steigen."

Michel Kazatchkine, Uno-Sonderberichterstatter zu Aids und HIV in der Region, nannte die Hauptprobleme beim Kampf gegen das Virus: Betroffene werden demnach nicht ausreichend mit Medikamenten versorgt. Die Präventionsmaßnahmen seien nicht ausreichend. Infizierte würden stigmatisiert, beklagt er. Zudem würden Regierungen und Hilfsorganisationen nicht ausreichend kooperieren. Die Epidemie breite sich vor allem unter Drogennutzern weiter aus, die sich durch den Austausch von gebrauchten Nadeln infizieren.

Kaum noch Gelder für die HIV-Prävention bei Drogensüchtigen

Die Ukraine habe mit einem Nadelaustausch- und Substitutionsprogramm, in dem Abhängige vom Staat den Heroin-Ersatzstoff Methadon bekommen, in den vergangenen Jahren große Erfolge erzielt, berichtete Klepikow. Doch der Hauptgeldgeber des Programms, der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria, habe die Mittel um 62 Prozent gekürzt - in Erwartung höherer Beiträge der Regierung. Angesichts der gegenwärtigen Krise müsse die Regierung die Mittel jedoch ebenfalls um 71 Prozent kürzen.

Russland hat laut seinem Bericht die Substitutionsprogramme auf der Krim gestoppt. Mehrere der 800 Betroffenen seien dort gestorben, nur ein paar Dutzend hätten in die Ukraine flüchten können.

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wbr/dpa



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
XRay23 25.07.2014
1.
Die Bewohnet der Krim haben doch die Annektion durch Russland gefeiert. sollen sie mit den Konsequenzen leben. Man kann nicht Teil einer rückständigen Diktatur werden wollen und gleichzeitig die Vorzüge des aufgeklärten Europas genießen.
sok1950 25.07.2014
2. wenn der Krieg/Militäreinsatz gegen die eigene Bevölkerung aufhört
ist auch wieder Geld für soziale Produkte da.
clubmate 25.07.2014
3.
Zitat von sysopAFPDie Ukraine war mit moderner Drogenpolitik ein Vorbild im Kampf gegen Aids und HIV. Nun droht der Rückschlag - mangels Geld, wie Experten auf der Welt-Aids-Konferenz berichten. Besonders schlimm ist es auf der Krim. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/welt-aids-konferenz-ukraine-krise-behindert-hiv-praevention-a-982764.html
Die Putschregierung in Kiew bekommt halt wirklich nix auf die Reihe. Aber Hauptsache Assoziierungsabkommen mit der EU unterschreiben und damit der eigenen Wirtschaft den Todesstoß verpassen.
angst+money 25.07.2014
4.
Zitat von XRay23Die Bewohnet der Krim haben doch die Annektion durch Russland gefeiert. sollen sie mit den Konsequenzen leben. Man kann nicht Teil einer rückständigen Diktatur werden wollen und gleichzeitig die Vorzüge des aufgeklärten Europas genießen.
"Die Bewohner" gibt es nicht. Die Betroffenen haben wohl eher nicht gefeiert, schließlich sind die paar Glücklichen laut Artikel in die Ukraine geflohen und nicht nach Russland. Die Jubler andererseits haben bislang nicht den Eindruck erweckt, eine besondere Sensibilität für dieses Thema zu besitzen.
djkamenz 25.07.2014
5. meinen Sie ? , dan schauen Sie mal die Fakten im Wunderland Russland an
Zitat von clubmateDie Putschregierung in Kiew bekommt halt wirklich nix auf die Reihe. Aber Hauptsache Assoziierungsabkommen mit der EU unterschreiben und damit der eigenen Wirtschaft den Todesstoß verpassen.
Im Vergleich ist die Ukraine selbst unter diesen Umständen Russland ungefähr 1 Millionen Lichtjahre vorraus. Russland hat keine Methadonprogramme oder andere Substituionsprogramme und fährt einen Kriminalisierungskurs gegenüber Abhängigen , was zu einer der höchstenHIV Neuinfektionsrate weltwei führt : http://infekt.ch/2014/01/hiv-drama-in-russland/. http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/welt-aidskonferenz-russische-drogenpolitik-fuehrt-zu-mehr-aidskranken-13058822.html Zudem gilt Russland als das Land mit den meisten IV konsumierenden Drogenabhängigen auf der Welt so hat der Chef der Drogenbhörde Viktor Iwanow 2010 von der Unglaublichen Zahl von 100.000 Drogentoten berichtet , andere Zahlen berichten von 30.000 Jährlich , was immer noch apokalyptisch wäre (bei 146 Millionen Menschen, zu Vergleich Deuetschland c.a 1000 bei 80 Millionen Einwohner) . Und man bedenke die Droge Alkohol ,an deren Folgen nach russischen Statistiken, jeder 5. russische Bürger pro Jahr dahin gerafft wird, ist noch nicht mit eingerechnet
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