Welt-Alzheimer-Bericht Demenzpatienten fürchten Ausgrenzung

Alzheimerpatienten und ihre Angehörigen fühlen sich von der Gesellschaft oft ausgegrenzt. Aus Angst vor den Reaktionen hat ein Viertel aller Demenzkranken seine Diagnose schon mal verschwiegen, zeigt der Welt-Alzheimer-Bericht 2012. Organisationen fordern ein Ende der Stigmatisierung.
Schlüsselbund mit Adresse: Demenzpatienten und Angehörige fühlen sich oft ausgegrenzt

Schlüsselbund mit Adresse: Demenzpatienten und Angehörige fühlen sich oft ausgegrenzt

Foto: Hans-Jürgen Wiedl/ dpa

Menschen mit Demenz oder Alzheimer fühlen sich oft isoliert und an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Das bestätigt der Welt-Alzheimer-Bericht 2012 eindrücklich. Bei der Studie der Organisation Alzheimer's Disease International (ADI), die zum Welt-Alzheimer-Tag an diesem Freitag in London vorgestellt wurde, gaben 75 Prozent aller befragten Erkrankten an, dass mit der Diagnose Demenz in ihren Heimatländern sehr negative Assoziationen verbunden seien. 60 Prozent der Angehörigen stimmten zu. 40 Prozent der Kranken fühlen sich laut der Befragung nicht ins Alltagsleben integriert. 24 Prozent erklärten, sie hätten die Diagnose schon einmal verschwiegen, weil sie Angst vor Vorurteilen und negativen Folgen hätten.

"Diese Stigmatisierung bremst den Fortschritt sämtlicher Demenzinitiativen", erklärte Autorin Nicole Batsch. So werde die Arbeit daran erschwert, die Pflege der Erkrankten und die Lage der Angehörigen zu verbessern. Dringend nötige Gelder für die Forschung würden blockiert.

Der Bericht schlägt deshalb zehn Schlüsselelemente für Regierungen und gesellschaftliche Organisationen vor, um Demenzkranke zu integrieren. Dazu gehören: Eine bessere Information der Öffentlichkeit und auch der Pfleger und Ärzte, mehr Teilnahme der Erkrankten am öffentlichen Leben etwa in Gemeinden und Stadtteilen, eigene Vertretungen für die Interessen von Demenzkranken. Die Organisation ADI fordert Regierungen weltweit auf, Pläne für den künftigen Umgang mit der Krankheit aufzustellen und Forschung anzutreiben, wie gegen die Stigmatisierung vorgegangen werden kann.

Die wichtigsten Fragen zur Alzheimer-Erkrankung (AD)

"Der Bericht zeigt, dass sich Menschen mit Demenz und ihre Pfleger von der Gesellschaft ausgeschlossen fühlen, manchmal durch ihre eigenen Freunde und Familienmitglieder", erklärte Batsch. "Sie wollen wie normale Menschen behandelt werden, mit Blick auf ihre Fähigkeiten, nicht auf ihre Einschränkungen." Für den Bericht wurden 2500 Menschen in 50 Ländern online befragt. ADI weist erneut auf den für die kommenden Jahre erwarteten, rapiden Anstieg der Demenz-Diagnosen hin. Derzeit wird nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO alle vier Sekunden ein neuer Fall festgestellt.

cib/dpa