Jahrestagung in Genf WHO warnt vor Ausbreitung gefährlicher Krankheiten

Die Bedrohung durch Infektionskrankheiten steige dramatisch, erklärt die WHO und fordert mehr Engagement der Uno-Mitgliedstaaten. Deutschland will bei Gesundheitskrisen künftig mit Laborexperten helfen.

Margaret Chan warnt auf der WHO-Jahrestagung in Genf vor der Ausbreitung neuer und bekannter Infektionskrankheiten
Fabrice Coffrini/AFP

Margaret Chan warnt auf der WHO-Jahrestagung in Genf vor der Ausbreitung neuer und bekannter Infektionskrankheiten


Ebola, Zika, Gelbfieber - und immer wieder eine traurige Erkenntnis: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist nicht genügend für die Vorbeugung und Bewältigung von globalen Gesundheitskrisen gewappnet. Nun hat sie an alle Staaten appelliert, mehr für den Schutz der Menschen vor Erregern gefährlicher Infektionskrankheiten zu tun.

"Was wir derzeit beobachten, sieht mehr und mehr wie ein dramatischer Anstieg der Bedrohung durch neue und wieder auferstehende Infektionskrankheiten aus", sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan am Montag in Genf. "Die Welt ist nicht genügend vorbereitet, um damit fertig zu werden", betonte sie bei der Eröffnung der 69. Weltgesundheitsversammlung.

Nach der anfangs unzureichenden Reaktion auf den Ebola-Ausbruch in Westafrika mit mehr 11.300 Toten zwischen 2014 und 2016 sei die Welt durch denZika-Ausbruch in Brasilien "erneut überrascht worden, ohne Impfstoff und ohne dass genügend zuverlässige Tests für die Diagnose vorhanden waren".

RKI soll WHO mit Schulungen helfen

Noch "brutaler" sei die Lektion aus dem Gelbfieber-Ausbruch mit fast 300 Toten im südwestafrikanischen Angola. Denn gegen Gelbfieber gebe es bereits seit fast 80 Jahren einen lebenslangen Impfschutz, der jedoch in den am meisten gefährdeten Ländern viel stärker hätte verwendet werden müssen.

Chan warb für die bereits eingeleitete umfassende Reform der WHO. Die Organisation müsse in die Lage versetzt werden, rasch und umfassend auf Gesundheitskrisen zu reagieren. Alle 194 WHO-Mitgliedstaaten stünden in der Pflicht, die Pläne zu unterstützen und die erforderlichen Mittel bereitzustellen.

Am Rande der einwöchigen Konferenz mit mehr als 3000 Politikern, Medizinern, Forschern und weiteren Experten wurde das Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) offiziell zum WHO-Kooperationszentrum für neu auftretende Infektionen und biologische Gefahren erklärt. Das Institut werde der WHO in Krisenfällen mit Laborexperten sowie durch Schulungen helfen, erklärte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) in Genf.

"Krankheiten machen nicht an Landesgrenzen halt", sagte der Minister. "Deshalb brauchen wir eine schlagkräftige WHO, die bei internationalen Gesundheitsrisiken schnell Fachleute zum Ausbruchsgeschehen schicken und Hilfskräfte international koordinieren kann."

jme/dpa

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