Gedächtnis-Coaching Handy weglegen, Stress abstreifen

Multitasking und Medienflut können Erinnerungen blockieren. Dabei ist das Gedächtnis nicht wirklich gestört, sondern das Gehirn nur überlastet. Hier finden Sie eine Anleitung für mehr stille Stunden.


SPIEGEL WISSEN hat ein zehnwöchiges Gedächtnis-Coaching entwickelt, mit dem Sie Ihre Merkfähigkeit im Alltag verbessern können. Dies ist der zweite Teil. Die anderen Teile finden Sie in den folgenden Wochen hier.

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Viele Menschen - egal ob jung oder alt - haben im Alltag oft das Gefühl, dass sie ein schlechtes Gedächtnis haben. "Ich glaube, ich kriege Alzheimer" ist fast schon ein geflügeltes Wort, sobald man nach Schlüsseln sucht oder sich nicht mehr an bestimmte Fakten erinnert.

Für diese Vergesslichkeit gibt es aber oft eine einfache Erklärung: "Bei vielen Menschen ist der Kopf zu voll, sie sind einfach immer beschäftigt", sagt der Kognitionswissenschaftler Hans Markowitsch. Durch die moderne Technik und die permanente Erreichbarkeit machen jüngere Erwachsene und Berufstätige kaum noch geistige Pausen und sind deshalb mental erschöpft. Die Rede von der "digitalen Demenz" beschreibt letztlich diesen Zusammenhang.

Pausen für die grauen Zellen

Aber auch Menschen, die nicht ständig am Mobiltelefon hängen, überfordern ihr Gedächtnis häufig durch Hektik, Stress und Multitasking. Deshalb geht es in den Aufgaben dieser Woche darum, mehr Pausen in den Alltag einzubauen und so eine gewisse Erholung für die grauen Zellen zu schaffen. Sie werden wahrscheinlich überrascht sein, wie effektiv diese Übungen sind.

Um gezielte Übungen für die unterschiedlichen Lebensstile anzubieten, gibt es eine Aufgabe für "Smartphone-Junkies" und eine für all jene, die sich im Alltag unter Druck setzen und versuchen, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen. Entscheiden Sie selbst, welche Übung besser zu Ihrem Alltag passt.

Animation: Wie das Hirn uns täuscht

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Für Smartphone-Junkies: Auszeiten für Minuten

Eine der Schwierigkeiten der modernen Arbeits- und Lebenswelt besteht darin, dass viele Menschen Pausen dazu nutzen, Mails zu checken, WhatsApp-Nachrichten zu schreiben oder eigene Inhalte zu posten. Eine wirkliche Pause ist das nicht. Vom Nachmittagskaffee im Job bis zum Warten an der Bushaltestelle - wir sind so gut wie immer mit Informationsaufnahme beschäftigt. Auch wenn wir das amüsant und sogar "erholsam" finden - unser Gehirn wird von der Informationsflut so überfordert, dass das Gedächtnis nachlässt.

Versuchen Sie deshalb in dieser Woche, jeden Tag zwei medienfreie Pausen zu gestalten. Sie können beim Kaffee zwischendurch offline bleiben. Oder in der Mittagspause. Oder das Mobiltelefon in Wartezeiten in der Tasche lassen. Wenn Sie zwei Pausen von etwa 10 bis 15 Minuten pro Tag schaffen, wird sich das schon positiv auf ihre geistige Fitness auswirken. Fragen Sie sich am Ende jedes Tages, ob Sie sich frischer und weniger durcheinander fühlen. Und halten Sie eine Woche durch - es lohnt sich.

Für Gestresste: Eins nach dem anderen

Nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit und überlegen Sie, in welchen Situationen des Alltags Sie versuchen, Aufgaben gleichzeitig zu erledigen, und wann sie in Hektik und Stress verfallen: Ist es bei der Arbeit, wenn Sie noch schnell fünf Mails schreiben wollen und gleichzeitig den Schreibtisch aufräumen, bevor Sie nach Hause gehen? Ist es bei der Hausarbeit, die Sie erledigen, während Sie telefonieren oder Nachrichten schauen? Oder bei Fahrzeiten, in denen Sie noch Arbeitsunterlagen durchlesen?

Haben Sie Ihre "Engpässe" gefunden? Gut. Dann gönnen Sie es sich in dieser Woche, täglich mindestens zwei Mal auf Multitasking und Hektik zu verzichten. Auf dem Nachhauseweg in der U-Bahn schauen Sie aus dem Fenster, im Haushalt machen Sie eine Sache nach der anderen. Bei der Arbeit verschieben Sie die "fünf dringlichen Mails" auf den nächsten Tag. Probieren Sie es aus.

Zusatztipp: Setzen Sie sich außerdem einmal am Tag für eine Fünf-Minuten-Meditation aufs Sofa. Stellen Sie einen Timer auf fünf Minuten und probieren Sie, in der Zeit nur zu sitzen und nichts zu tun. Atmen Sie langsam ein und aus. Konzentrieren Sie sich auf den Atem. Man kann dabei nichts "richtig" oder "falsch" machen. Prüfen Sie am Ende jedes Tages, ob Sie sich besser und geistig frischer fühlen als sonst.

Wichtig: Falls Sie feststellen, dass Sie von den Übungen in dieser Woche profitieren, gehören Sie wahrscheinlich zu den Menschen, die zwar "geistig fit und aktiv" sind, sich aber permanent mit Reizen überfordern. Bleiben Sie bei dieser Übung, wenn sie Ihnen zusagt! Wenn Ihnen die Auszeiten und Mini-Meditationen gefallen, laden Sie sich vielleicht eine Meditations-App aufs Telefon wie etwa "Die Achtsamkeits-App".

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