Schmerzen in Rücken und Knie Mythos Wetterfühligkeit

Wenn das Wetter umschlägt, klagen viele über Schmerzen. Australische Forscher präsentieren nun zwei Studien, die das Phänomen Wetterfühligkeit bei Problemen am Rücken und im Knie widerlegen.
Wetterfühligkeit: Dauerregen drückt auf die Stimmung - aber auch aufs Kreuz?

Wetterfühligkeit: Dauerregen drückt auf die Stimmung - aber auch aufs Kreuz?

Foto: Peter Steffen/ dpa

Das wussten schon die Großeltern, ja sogar die alten Römer: Wetterumschwünge schlagen auf die Gesundheit. Nun stellen australische Forscher das jedoch infrage. Sie legen zwei Studien vor, in denen sie zum Schluss kommen: Weder Rückenschmerzen noch Beschwerden durch einen Gelenkverschleiß im Knie verschlimmern sich abhängig vom Wetter.

Für die Studien werteten australische Forscher Daten von knapp tausend Menschen mit Rückenschmerzen sowie rund 350 mit einer Kniearthrose aus. Die Teilnehmer gaben an, wann sich ihre Schmerzen verschlimmerten - beim Rückenschmerz griffen die Forscher auf Daten einer Studie zurück, in der die Wirksamkeit von Paracetamol überprüft wurde. Die Probanden wussten also nicht, dass es um mögliche Wetterfühligkeit ging.

Die Wissenschaftler überprüften anschließend, ob Zusammenhänge zwischen Temperatur, Windstärke, Windrichtung, Niederschlag, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck sowie den Schmerzattacken erkennbar waren. Die Wind- und Regendaten stammten vom australischen Wetterdienst.

Laut den Auswertungen beeinflusst keines der Wetterparameter das Schmerzempfinden auf bedeutsame Weise, berichten die Forscher in den Fachblättern "Pain Medicine"  sowie "Osteoarthritis and Cartilage" .

Ein emotionales Thema

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Wissenschaftler mit der Wetterfühligkeit auseinandersetzen, bereits 2014 präsentierten sie ähnliche Daten. Diese hatten vor allem in den sozialen Medien heftige Reaktionen hervorgerufen.

"Wir waren nicht überrascht, dass Menschen das Ergebnis infrage stellten, aber über die Vehemenz mancher Antworten. Man hätte glauben können, wir hätten ihnen gesagt, ihr Baby sei hässlich", sagt Chris Maher vom The George Institute for Global Health in Sydney.

Die Forscher geben in ihrer aktuellen Studie einen Facebook-Post an , um diese Kritik zu belegen. "9 News Australia" hatte 2014 über die Arbeit berichtet, häufigste Reaktion in den Kommentaren: "What a load of crap" - "Was für 'ne Scheiße!"

"Die Menschen beharrten darauf, dass schlechtes Wetter ihre Symptome verschlimmert", sagt Maher. Also haben sie weitere Studien durchgeführt. "Die Ergebnisse sind fast identisch."

Manuela Ferreira, die die Studie zu den Knieschmerzen leitete, betont: Menschen, die an den untersuchten Beschwerden litten, sollten sich nicht auf das Wetter konzentrieren, da es keinen entscheidenden Einfluss auf ihre Schmerzen habe - und sie es ohnehin nicht ändern könnten.

Erinnern an das, was ins Weltbild passt

Maher und Kollegen nennen zwei mögliche Erklärungen dafür, warum viele Menschen davon überzeugt sind, dass das Wetter zum Beispiel ihren Rückenschmerz beeinflusst. Erstens neigten Menschen dazu, Muster zu suchen und zu erkennen - auch wenn es gar keine gibt. Zweitens komme hinzu, dass Menschen sich gut an Ereignisse erinnern, die ihr Weltbild stützen, aber die, die ihm nicht entsprechen, eher verdrängen.

Wer also überzeugt davon ist, dass die Gelenke bei kaltem, regnerischem Wetter stärker schmerzen, wird an einem Tag mit größerer Pein und dem anscheinend passenden Wetter aufmerken und sich bestätigt fühlen. Aber die These nicht anzweifeln, wenn an einem schönen Sommertag der Schmerz aufflammt.

Und hören, dass man möglicherweise falsch liegt: Das gefällt den wenigsten.

Über andere mögliche Formen der Wetterfühligkeit - schmerzende Narben, Migräne oder Schwindel - sagen die Studien nichts aus. In Deutschland gab bei einer Umfrage des Wetterdienstes DWD die Hälfte der Befragten an wetterfühlig zu sein. Die am häufigsten genannten Beschwerden waren Kopfschmerzen, Migräne, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Gelenkschmerzen und Schlafstörungen.