Diagnose "WhatsAppitis" Krank durch Dauer-Chatten

Handy-Nacken, i-Phone Schulter, WhatsAppitis - was sich lustig anhört, kann höllisch schmerzen. Ärzte warnen vor den gesundheitlichen Folgen der Dauernutzung von Smartphone und Tablet.
Chatten statt reden: Der gekrümmte Rücken beim Starren aufs Handy ist Gift für den Körper

Chatten statt reden: Der gekrümmte Rücken beim Starren aufs Handy ist Gift für den Körper

Foto: Henning Kaiser/ dpa

Im Fachmagazin "The Lancet" war vor kurzem von einem neuen Krankheitsbild zu lesen : Die spanische Ärztin Ines Fernandez-Guerrero schilderte, wie sie zum ersten Mal die Diagnose "WhatsAppitis" stellen musste. Eine junge Frau war nach Weihnachten mit einer Sehnenentzündung beider Daumen in die Sprechstunde der Ärztin gekommen. Um mit Familie und Freunden gute Wünsche zum Fest auszutauschen, hatte sie während der Feiertage intensiv den Nachrichtendienst WhatsApp genutzt.

Dazu hatte sie ihr 130 Gramm schweres Smartphone mindestens sechs Stunden lang in den Händen gehalten und mit beiden Daumen Nachrichten geschrieben. Nun schmerzten die Finger. Fernandez-Guerrero verordnete der Frau einen Entzündungshemmer und striktes Textnachrichtenverbot - das von der Patientin allerdings schon zu Silvester gebrochen wurde. Die Ärztin entschied sich für die Diagnose WhatsAppitis, schließlich hatte der intensive Gebrauch des Nachrichtendienstes zu der Erkrankung geführt.

Krummer Rücken durch den Tablet-Computer

Die Geschichte ist kein Einzelfall: "Gesundheitsschäden als Folge der Nutzung von Smartphones, Tablets und Laptops haben in den letzten Jahren zugenommen", sagt Wolfgang Panter, Präsident des Verbands deutscher Betriebs- und Werksärzte. Dank der Verbreitung von Flatrates würden die Geräte heute privat wie beruflich ständig und an fast allen Orten genutzt. Als Folge drohten nicht nur Daumenschmerzen, sondern auch Haltungsschäden. Dies treffe den Jugendlichen, der ständig Browserspiele spielt, genauso wie den Manager, der sich in der Flughafenlounge zum Arbeiten über den Tablet-Computer beugt.

"Die dabei typische Haltung mit gesenktem Kopf, gebeugten Schultern und gekrümmtem Rücken ist Gift für den Körper, wenn sie zu lange eingehalten wird", sagt Panter. Sie führe zu unangenehmen Muskelverhärtungen im Nackenbereich, sogenannten Myogelosen. Ärzte sprechen auch von einem Handy-Nacken. Nach einigen Jahren könne es sogar zum Verschleiß der Halswirbelsäule kommen und somit zu dauerhaften Beschwerden. Ein anderes Beispiel für Beschwerden durch mobile Geräte ist die i-Phone-Schulter: Die Gelenkschmerzen treten auf, wenn das Smartphone zum Anschauen von Videos am ausgestreckten Arm gehalten wird und man sich dabei die Schulter verdreht.

Mit Laptop runter von der Couch

Entsteht jetzt mit jeder technischen Neuheit auch ein neues Krankheitsbild? Nicht unbedingt, meint Betriebsarzt Panter. Er glaubt vielmehr, dass der Fortschritt auch Lösungen liefert. Etwa indem die Sprachsteuerung mobiler Geräte die Nutzung der Hand immer stärker ersetzt. Schon heute empfiehlt Panter, zum Telefonieren mit dem Handy die Freisprecheinrichtung zu nutzen, um die Arme zu schonen.

Beim Arbeiten mit dem Laptop gelte es, das Lümmeln auf der Coach zu vermeiden und einen Arbeitsplatz mit Tisch und Stuhl zu nutzen. "Der Bildschirm sollte sich möglichst auf Augenhöhe befinden", rät Panter. Das lässt sich bei der Arbeit mit dem Laptop zum Beispiel mit einem externen, höher angebrachten Bildschirm erreichen. Sein wichtigster Tipp: Zwischendurch immer wieder die Haltung wechseln und nie zu lange starr verharren.

Chiropraktiker fürchten gar kürzeres Leben

Besonders eindringlich warnte kürzlich die Vereinigung britischer Chiropraktiker vor der Nutzung von Smartphones und Tablets. Die Alternativmediziner behaupten, dass das Dauerstarren auf die Geräte sogar das Leben verkürzen kann. Studien zufolge könne die eingenommene Haltung bei älteren Menschen zu einem Rundrücken führen, einer buckelartigen Verformung der Brustwirbelsäule.

Der Rundrücken wiederum erhöhe das Risiko für potenziell tödliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen, warnten die Alternativmediziner in einer Pressemitteilung . In der Haltung mit gesenktem Kopf und runden Schultern sei es nämlich unmöglich, tief genug zu atmen. So könnten Herz und Lunge nicht richtig arbeiten. Selbst ein schwach ausgeprägter Rundrücken erhöhe demnach die Sterblichkeit im gleichen Maße wie Fettleibigkeit.

Nun verbringen ja eher wenige alte Menschen ihre Tage damit, bei WhatsApp zu chatten oder bei Instagram Selfies zu posten. Doch die Chiropraktiker befürchten, dass schon junge Menschen ihr Leben durch die Dauernutzung der mobilen Geräte verkürzen.

Betriebsarzt Panter hält das "für eindeutig übertrieben". Einen frühen Tod hätten selbst exzessive Laptop- und Handynutzer dann doch nicht zu fürchten.