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01. Juli 2013, 10:27 Uhr

WHO-Studie

Hohe Tabaksteuern retten Millionen Leben

Was ist das wirksamste Mittel gegen das Rauchen? Höhere Tabaksteuern und striktere Rauchverbote in der Öffentlichkeit. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der WHO. Sie zeigt, dass damit weltweit Millionen Menschenleben gerettet werden.

Hamburg/Genf - In Deutschland wird es nach dem Wunsch der EU-Gesundheitsminister demnächst Schockbilder auf Zigarettenschachteln geben, an vielen öffentlichen Orten ist das Rauchverbot schon selbstverständlich. Jetzt zeigt eine aktuelle Studie: Höhere Tabaksteuern und striktere Rauchverbote in der Öffentlichkeit retten weltweit Millionen Menschen das Leben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt vor allem die Erhöhung der Tabaksteuer.

Durch den staatlichen Kampf gegen das Rauchen könnten nach Berechnungen von US-Forschern bis 2050 voraussichtlich mehr als sieben Millionen Menschen vor einem frühzeitigen Tod bewahrt werden. Eine stärkere finanzielle Belastung der Raucher würde demnach 3,5 Millionen Todesfälle verhindern, mit weiteren Rauchverboten auf öffentlichen Plätzen, in Restaurants und Büros könnten 2,5 Millionen Menschenleben gerettet werden, erklärten die Autoren der am Montag vorgestellten Studie.

Für die Untersuchung nutzte das Team des Medizinischen Zentrums der Georgetown University Daten aus 41 Ländern zur Umsetzung des 2005 in Kraft getretenen WHO-Rahmenübereinkommens zur Eindämmung des Tabakgebrauchs. Die Unterzeichner haben sich zur Anwendung einer Reihe von Maßnahmen zur Eindämmung des Rauchens verpflichtet - darunter gesetzlich vorgeschriebene Warnungen auf Tabakprodukten, Werbeverbote und die Verteuerung von Tabakprodukten durch Steuern.

Zwischen 2007 und 2010 gaben in den untersuchten Ländern - darunter Spanien, Griechenland, Italien sowie Thailand, Ägypten und Iran - so viele Menschen das Rauchen auf, dass dort die Zahl vorzeitiger Todesfälle unter Ex-Rauchern bis 2050 von 14,8 Millionen auf 7,4 Millionen sinken könnte. Allerdings wurde nicht erfasst, wie viele Menschen das Rauchen möglicherweise auch ohne die WHO-Maßnahmen aufgegeben hätten.

"Es ist eine Win-win-Situation für die Gesundheits- und Finanzminister, die Einnahmen zu steigern und zugleich die Gesundheit der Bevölkerung massiv zu verbessern", bewertete Douglas Bettcher, der WHO-Direktor für nicht ansteckende Krankheiten das Ergebnis der Studie. Eine striktere Beschränkung des Tabakkonsums kann der Studie zufolge auch die Kosten für die nationalen Gesundheitssysteme massiv senken. Jährlich sterben nach Angaben der WHO sechs Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens. Bis 2030 wird ein Ansteigen der jährlichen Tabakopfer auf acht Millionen erwartet.

EU-Abgeordneter: Positivliste für Tabak-Zusatzstoffe

Im Juni hatten die EU-Gesundheitsminister beschlossen, dass künftig Schockbilder auf Zigarettenschachteln vor den Folgen des Rauchens warnen sollen. Auch geschmacksverändernde Aromen, wie sie etwa in Mentholzigaretten enthalten sind, sollen verboten werden.

Über die beschlossenen Regelungen muss noch das europäische Parlament beraten. Einzelnen Abgeordneten gehen die von den EU-Gesundheitsministern beschlossenen Verbote jedoch noch nicht weit genug. So begrüßte der CDU-Europaabgeordnete Karl-Heinz Florenz zwar den Beschluss der Minister, forderte aber darüber hinaus eine Positivliste erlaubter Stoffe in Tabakwaren: "Das ist gelebter Verbraucherschutz. Wir müssen wissen, was alles in einer Zigarette steckt." In der nächsten Woche beginnen im Gesundheitsausschuss des Europäischen Parlaments die Verhandlungen über die Tabakproduktrichtlinie.

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dba/dpa/Reuters

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