WHO-Studie Russen trinken weniger als Deutsche

Seit Jahren arbeitet Russland daran, den Alkoholkonsum im Land zu senken - mit Erfolg. Vor allem bei den Männern ist dadurch die Lebenserwartung deutlich gestiegen.
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Russland macht laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) massive Fortschritte im Kampf gegen den Alkohol. Der Konsum sei von 2003 bis 2016 um 43 Prozent zurückgegangen, teilte die WHO am Dienstag mit. Zugleich habe sich die Lebenserwartung dramatisch erhöht.

"Wir zerstören hier ein Klischee von Russland", sagt die WHO-Expertin Carina Ferreira-Borges mit Blick auf die Nation, in der im weltweiten Vergleich besonders viel Alkohol konsumiert wurde.

Im Jahr 2003 etwa konsumierte jeder Russe im Schnitt 20,4 Liter reinen Alkohol. Im Jahr 2016 waren es 11,7 Liter. Damit trinken die Menschen in Russland inzwischen weniger Alkohol als die in Deutschland: Hierzulande lag der Konsum bei 13,4 Litern reinem Alkohol im Jahr 2016. Allerdings sinkt der Alkoholkonsum in Russland seit einigen Jahren nicht weiter.

Wie die WHO berichtet, trinken Männer in Russland im Schnitt deutlich mehr Alkohol als Frauen. Im Jahr 2016 waren es 18,7 Liter reiner Alkohol bei den Männern und 5,8 Liter bei den Frauen.

"Die Zahlen sind sehr klar und eine Folge verschiedener politischer Initiativen", sagt Ferreira-Borges. Russland habe etwa erfolgreich Mindestpreise für Alkohol, höhere Steuern und ein nächtliches Verkaufsverbot eingeführt. Zwar bleibe der Konsum immer noch einer der höchsten weltweit. Trotzdem könne Russland mit seiner Politik im Kampf gegen die hohe Sterblichkeit durch Alkoholkonsum inzwischen Vorbild für andere Staaten sein.

Lebenserwartung deutlich gestiegen

Der Zusammenhang zwischen einer erfolgreichen Anti-Alkohol-Politik und einer steigenden Lebenserwartung sei am Beispiel Russlands klar belegt, sagte die Wissenschaftlerin. Die Lebenserwartung habe mit 68 Jahren bei Männern und 78 Jahren bei Frauen einen historischen Höchststand erreicht, heißt es in der WHO-Studie . Im Vergleich zum Jahr 2003 ist damit die Lebenserwartung für Männer um neun Jahre gestiegen, für Frauen um sechs. Das liegt laut WHO natürlich nicht nur am Alkoholkonsum, aber es ist aus Sicht der Agentur ein entscheidender Faktor.

Die ausgewerteten Datensätze zeigten einmal mehr aber auch die tödlichen Folgen von Alkoholkonsum, sagte Ferreira-Borges. Die WHO weist seit Langem darauf hin, dass Alkohol als Verursacher von Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen gilt. Auch Unfälle und Tötungsverbrechen unter Alkoholeinfluss listen die Experten als gefährliche Folgen des Konsums auf.

wbr/dpa