Hitzewellen Wie die Erderwärmung unsere Gesundheit gefährdet

Schon heute leiden Millionen Menschen unter den Folgen des Klimawandels, warnt ein Zusammenschluss aus führenden Forschungseinrichtungen. Die Bevölkerung in Europa ist besonders betroffen.
Ältere Menschen sind von Hitzewellen besonders bedroht

Ältere Menschen sind von Hitzewellen besonders bedroht

Foto: Dean Mitchell/ Getty Images

Der Klimawandel bedroht einer Studie zufolge die Gesundheit von immer mehr Menschen. Demnach stieg die Zahl der Personen, die Hitze schlecht vertragen und einer Hitzewelle ausgesetzt waren, allein zwischen 2016 und 2017 um 18 Millionen. Im Vergleich zum Jahr 2000 waren sogar gut 157 Millionen mehr Menschen betroffen. Das berichtet ein Zusammenschluss aus etlichen wissenschaftlichen Institutionen im Fachmagazin "The Lancet" .

Als hitzegefährdet galten bei den Berechnungen Menschen, die an Diabetes, einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder chronischen Atemwegsproblemen leiden oder über 65 Jahre alt sind, vor allem wenn sie in Städten leben. Demnach ist das Risiko für die Bevölkerung in Europa und dem östlichen Mittelmeerraum besonders hoch, weil dort viele Senioren in Städten wohnen. Zum Vergleich: In Europa stuften die Forscher 42 Prozent der älteren Menschen als durch Hitzewellen gefährdet ein, in Südostasien sind es demnach nur 34 Prozent.

"Es ist bereits Realität"

Der Klimawandel betrifft den Autoren zufolge auch deshalb besonders viele Menschen, weil die Temperaturen in dichter besiedelten Regionen verhältnismäßig stark steigen: Allein zwischen 1986 und 2017 betrug der Unterschied in den Gebieten 0,8 Grad Celsius. Im gleichen Zeitraum nahm die weltweite Durchschnittstemperatur lediglich um 0,3 Grad Celsius zu. Die Forscher erwarten auch eine Ausbreitung tropischer Krankheiten wie Cholera und Dengue-Fieber. Außerdem verstärkt Hitze die Luftverschmutzung in den Städten.

Als hitzegefährdet gelten Menschen, die über 65 Jahre alt sind.

Als hitzegefährdet gelten Menschen, die über 65 Jahre alt sind.

Foto: Dean Mitchell/ Getty Images

"Eine erhöhte Sterblichkeit durch extreme Hitzewellen ist nicht etwas, was vielleicht irgendwann eintritt - es ist bereits Realität und wird anhalten, wenn die weltweiten Temperaturen weiter steigen", sagt Kris Ebi, einer der Studienautoren und Professor an der University of Washington. Es weise viel darauf hin, dass die Gesellschaft nicht ausreichend auf die Zunahme von Hitzewellen vorbereitet sei. Wichtig sei unter anderem, gefährdete Bevölkerungsgruppen zu erkennen und zu überlegen, wie man sie bei den extremen Ereignissen schützen könne.

Positive Trends

Doch es gebe auch Hoffnung, schreiben die Autoren, die zu Maßnahmen gegen den Klimawandel aufrufen. So sei der weltweite Kohleverbrauch seit 2013 gesunken, das werde sich - vorausgesetzt der Trend beleibt bestehen - auch auf die Luftqualität auswirken. "Trends in Schlüsselbereichen für die Gesundheit, darunter der Ausstieg aus Kohle, der Einsatz gesünderer, sauberer Verkehrsträger und die Anpassung des Gesundheitssystems, rechtfertigen einen vorsichtigen Optimismus", schreiben die Forscher.

Für das Projekt "The Lancet Countdown: Tracking Progress on Health and Climate Change" haben sich unter anderem die Vereinten Nationen und 27 führende Forschungseinrichtungen zusammengetan. Das Projekt beruht auf dem Fachwissen von Klimawissenschaftlern, Medizinern, Ökologen, Mathematikern, Geografen, Ingenieuren, Energie-, Lebensmittel-, Landwirtschafts- und Verkehrsexperten, Ökonomen, Sozial- und Politikwissenschaftlern sowie Angehörigen von Gesundheitsbehörden.

Video: Klimawandel - Ist die Welt noch zu retten?

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irb/dpa