Ständige Blasenentzündungen Wenn es bei jedem Klogang brennt

Schlampige Diagnosen, unpassende Therapien und eine schlechte Mitarbeit der Patientinnen: Viele Frauen werden von dauerhaften Blasenentzündungen geplagt. Dabei lässt sich dem Leiden mit einer konsequenten Behandlung ein Ende bereiten.
Patientin im Gespräch: Nur die eine gute Diagnose und die richtige Therapie können wiederkehrende Entzündungen vermeiden

Patientin im Gespräch: Nur die eine gute Diagnose und die richtige Therapie können wiederkehrende Entzündungen vermeiden

Foto: Corbis

Irgendwann im Leben hat jede Frau einen Harnwegsinfekt. Bei vielen bleibt es dabei, einmal überstanden, kehrt wieder Ruhe ein. Bei anderen aber kündigt sich bereits Tage oder Wochen später der nächste an. Und dann der nächste. Und der nächste. Kommt die Blasenentzündung innerhalb eines Jahres dreimal oder häufiger, sprechen Mediziner von rezidivierenden Harnwegsinfekten, wiederkehrenden Infekten.

Dann drohen wieder schlafraubende Schmerzen, Brennen beim Wasserlassen, wegen ein paar Urintröpfchen quält alle fünf Minuten das Gefühl, auf die Toilette zu müssen, hinzu kommt die Einnahme eines Antibiotikums. "Besonders oft sind junge, sexuell aktive Frauen und Frauen nach den Wechseljahren betroffen, bei denen die Östrogene als Barriere weggefallen sind", sagt die Urologin Ricarda Bauer vom Klinikum Großhadern, München.

Auch wenn sie weit verbreitet sind, wären die wiederkehrenden Infektionen in vielen Fällen vermeidbar. Das Rezept: eine konsequente Therapie - und eine konsequente Mitarbeit der Patientinnen.

Antibiotika sind das Mittel der Wahl

Um herauszufinden, wie sich die Blasenentzündungen am besten stoppen lassen, trugen Infektiologen vom US-amerikanischen Harbor-UCLA Medical Center vor kurzem den Forschungsstand zusammen. Insgesamt analysierten die Mediziner 20 Studien, die sich mit vorbeugenden Behandlungsmöglichkeiten beschäftigten.

Das Ergebnis: Die tägliche, vorbeugende Einnahme des Antibiotikums Nitrofurantoin vermeidet Harnwegsinfekte am besten, dicht gefolgt von Akupunktur. Täglich geschluckte Cranberrypräparate und die vorbeugende Anwendung einer Östrogensalbe im Intimbereich seien ebenfalls ziemlich gute Mittel, schreiben die Forscher um Samantha Eells im Fachblatt "Clinical Infectious Diseases" . Allerdings fällt das Fazit bisheriger Studien dazu weniger eindeutig aus: Mediziner streiten über die Schutzwirkung der Cranberries.

Keinen Effekt hat dagegen die sogenannte bedarfsgesteuerte Selbstmedikation, bei der Frauen, sobald sie Beschwerden spüren, auf eigene Faust Antibiotika-Restbestände aus ihrem Arzneimittelschrank schlucken. Den Urologen Stefan C. Müller überrascht das nicht: "Damit erreicht man nur, dass die besonders aggressiven Bakterien überleben", sagt der Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie des Universitätsklinikums Bonn. "Wenn schon Antibiotika, dann bitte richtig einnehmen."

Restbakterien lassen Entzündungen wiederkommen

Die Entzündungen kehren häufig zurück, wenn vorausgegangene Infekte nicht richtig oder nicht ausreichend behandelt wurden und sich resistente Bakterien gebildet haben. "Vor Therapiebeginn sollte man unbedingt eine Urinkultur anlegen, um den Erreger genau festzustellen und dann mit einem geeigneten Antibiotikum behandeln", sagt Ricarda Bauer. "Und nach Abschluss der Behandlung, ist es wichtig, den Urin auf mögliche Restbakterien zu untersuchen."

Damit der Urin nicht verunreinigt und die Diagnose verfälscht wird, rät Müller dazu, die Flüssigkeit über einen Katheter direkt aus der Blase zu entnehmen. "Dann wird gezielt mit einem Antibiotikum drei bis fünf Tage behandelt, um anschließend mit der Vorbeugung weiterer Harnwegsinfekte zu beginnen", sagt sie. Nitrofurantoin sei niedrig dosiert sehr wirksam und könne für drei bis vier Wochen oder auch mal zwei bis drei Monate eingenommen werden.

"Das Nitrofurantoin ist eine Bombe im Harntrakt, aber eben nur dort", sagt Müller. Das Antibiotikum schirmt die Blase und die Harnröhrenschleimhaut gegen schädliche Bakterien ab und ermöglicht ihnen so, wieder eigene Schutzschichten aufzubauen. Falls es notwendig ist, kann nach dem Nitrofurantoin noch ein paar Wochen mit einem niedrig dosierten Antibiotikum aus der Gruppe der Sulfonamid-Abkömmlinge weiterbehandelt werden. "Lieber einmal vernünftig und konsequent behandeln, als regelmäßig hochdosierte Antibiotika einnehmen", erklärt der Urologe.

Partner als Keimquelle

Ab und an ist auch der Partner die Keimquelle. "Leidet er an einer chronischen Prostataentzündung, sind Keime vorhanden, die bei der Geschlechtspartnerin immer wieder Harnwegsinfekte verursachen können", warnt Bauer. Der Urogynäkologe Sebastian Schäfer vom Universitätsklinikum Münster kennt aus seinem Klinikalltag noch andere Ursachen: "Harnabflussbehinderungen durch Harnsteine, Tumoren, Vernarbungen, Missbildungen der Harnröhre und Blasenentleerungsstörungen verursachen einen Harnrückstau, der Bakterien als Rückzugsgebiet dient", sagt er. "An diese möglichen Ursachen sollte man bei wiederkehrenden Harnwegsinfektionen auch denken."

Davon, sich vorbeugend impfen zu lassen, ist Müller nicht überzeugt: "Das Problem ist, dass die Bakterien die Moleküle, gegen die sich die Impfung richtet, laufend verändern. Es ist wie ein Kampf gegen Windmühlen." Wichtig sei es dagegen, viel zu trinken und die Blase bei jedem Toilettengang ganz zu entleeren. Die Intimpflege dürfe man zudem nicht übertreiben. "Unterkühlung, Tampons, Pessare und Spermizide, mit denen zum Beispiel auch Kondome beschichtet sind, fördern das Entstehen von Harnwegsinfekten", warnt Bauer.

Weitere Informationen über Blasenentzündungen finden Sie hier .

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