Wir machen uns mal frei Die Angst vor der Mikrowelle

Mikrowellenherde verstrahlen ihre Umgebung und das Essen, das darin zubereitet wird - das denken viele Menschen. Dabei fördert die Technologie die Gesundheit und schont das Klima. Ein Plädoyer von Kolumnist Frederik Jötten.
Eingefärbtes Röntgenbild (künstlerische Darstellung): Wie gefährlich ist die Mikrowelle?

Eingefärbtes Röntgenbild (künstlerische Darstellung): Wie gefährlich ist die Mikrowelle?

Foto: Corbis

Ich kann nicht mehr leben ohne Mikrowelle. Man kann damit schonend und schnell Essen erwärmen - und vor allem Fangopackungen, die ich gegen allerlei Schmerzen im Skelettmuskelsystem immer dabei habe. Wenn ich bei Freunden zu Besuch bin, trage ich also meistens den Mikrowellenherd unterm Arm. Das ist ziemlich beschwerlich, ich habe deshalb schon überlegt, allen Menschen die Freundschaft zu kündigen, die keine Mikrowelle zu Hause haben. Aber andererseits haben meine Eltern und Brüder auch keine und familiäre Bande lassen sich nicht so einfach lösen.

Leider sind Mikrowellen nicht sehr beliebt. Es gibt modische Bedenken. Mein Freund Markus meint: "Mikrowelle? Das ist ja wirklich total achtziger…". Schlimmer noch: Man sagt meiner Mikrowelle nach, sie sei gesundheitsschädlich. Meine Eltern dulden das mitgebrachte Gerät nur missfallend, für sie scheint es etwas Ähnliches wie ein kleines Kernkraftwerk zu sein - eine unberechenbare Strahlenquelle. Genauso meine Mitbewohnerin. Wenn das Gebläse der Mikrowelle in der Küche anspringt, verschwindet sie mit den Worten. "Ich habe Angst um meine Gebärmutter."

Ich bin eigentlich sehr anfällig für jegliche Panikmache, aber es gibt so strenge Auflagen im Strahlenschutz - würde man wirklich Mikrowellen verkaufen, seit Jahrzehnten, wenn von den Geräten eine ernsthafte Gefahr ausginge? Millionen von Familien wären dann verstrahlt worden. Ein Gespräch mit dem Forschungszentrum für Elektro-Magnetische Umweltverträglichkeit der Uniklinik Aachen, wo alle Studien zum Thema ausgewertet werden, gibt mir recht. Die Strahlung eines Mikrowellenofens ist keine Gefahr, wenn das Gerät intakt ist.

Hervorragende Fett- und Energiebilanz

Aber meine Mitbewohnerin gibt immer noch nicht auf. "Das Essen wird durch die Mikrowelle so trocken, dass man innerlich verdorrt", sagt sie. "Man kann das Essen ja abdecken oder etwas mehr trinken dazu", wende ich vorsichtig ein. Aber da ist sie schon wieder aus der Küche geflüchtet vor dem Mikrowellenofen. So komme ich gar nicht dazu, meine weiteren Argumente anzubringen.

Die Kartoffeln, die ich gerade warm mache, hätte ich ohne die Mikrowelle anbraten müssen, um sie zu erhitzen - dazu hätte ich zusätzliches Fett gebraucht, so ist es viel gesünder! Außerdem habe ich etwas für meine Ökobilanz getan. Es verbraucht nämlich viel weniger Energie, ein Essen im Mikrowellenofen zu erwärmen als auf dem Elektroherd. Ganz zu schweigen von der Fangopackung. Würde ich die mit dem E-Herd erhitzen, würde das allein wahrscheinlich für einen Zentimeter Meeresspiegelanstieg sorgen. Es dauert im Wasserbad eine Stunde, bis sie heiß ist - im Gegensatz zu vier Minuten in der Mikrowelle!

Ein paar Monate später komme ich in die Küche, die Mikrowelle brummt. Ich sehe durch die Scheibe, dass sich auf dem Teller ungeschälte Kartoffeln im Wasserbad drehen. Meine Mitbewohnerin will gerade die Küche verlassen. "Du benutzt jetzt die Mikrowelle?" "Experimentelles Kochen - ich habe eine Methode entwickelt, darin Pellkartoffeln zu garen", sagt sie. "Dir war die Strahlung doch zu gefährlich?", frage ich. "Ach, du lebst ja immer noch, da dachte ich mir, so schlimm ist es vielleicht doch nicht." Aber dann verschwindet sie doch verdächtig schnell aus der Küche.

GEFAHR DURCH MIKROWELLEN - FRAGEN AN DEN EXPERTEN

Wie gefährlich sind Mikrowellenherde?Was kann im schlimmsten Fall passieren?Leidet das Essen beim Erwärmen in der Mikrowelle?