Eichenprozessionsspinner Raupen verhindern Marathon in Wolfsburg

Sie können Juckreiz, Atemprobleme und im Extremfall einen allergischen Schock hervorrufen: In Deutschland breiten sich aktuell Eichenprozessionsspinner aus, in Wolfsburg wurde ein Marathon abgesagt.

Eichenprozessionsspinner (Symbolbild)
Sascha Ditscher/ imago images

Eichenprozessionsspinner (Symbolbild)


Die Stadt Wolfsburg hat wegen Eichenprozessionsspinnern einen ursprünglich für Sonntag geplanten Marathonlauf abgesagt. Im Stadtwald rund um den Start- und Zielort sei ein vermehrtes Auftreten der Raupen gemeldet worden, teilte eine Sprecherin am Freitag mit.

Der Kontakt mit den Tieren oder vereinzelten Härchen kann zu Juckreiz und Ausschlägen führen. Auch Reizungen der Atemwege sind möglich, wenn die Brennhärchen der Tiere eingeatmet werden. "Gerade beim schnellen Durchlaufen eines betroffenen Bereiches lassen sich gesundheitliche Gefährdungen nicht ausschließen", sagte die Sprecherin. "Vor allem für Kinder oder ältere Läufer sind die möglichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu groß."

Ähnlich wie Brennnesseln - aber viel stärker

Die Härchen der Raupen enthalten Thaumetopoein, ein Nesselgift, auf das Menschen ähnlich reagieren wie auf Brennnesseln - allerdings wirkt das Gift deutlich stärker. Es kann Schwindel und Fieber verursachen, in sehr seltenen Fällen droht ein lebensgefährlicher allergischer Schock.

Eichenprozessionsspinner breiten sich seit Jahren in ganz Deutschland aus. Sie bevorzugen warme und trockene Regionen. Besonders verbreitet sind die Tiere in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Berlin und Nordrhein-Westfalen. Der Fall in Wolfsburg zeigt jedoch, dass sie grundsätzlich überall vorkommen können.

Die Haare der Raupen brechen leicht ab und können bis zu mehreren Hundert Metern durch die Luft fliegen. Aus diesem Grund können Menschen unter den Tieren leiden, ohne direkt mit ihnen in Kontakt gekommen zu sein. Anfang der Woche hatten Eichenprozessionsspinner einen Großeinsatz in Mülheim ausgelöst, nachdem sich mehrere Kinder bei einem Sportfest verletzt hatten. Die Betroffenen litten unter Kreislaufbeschwerden, Luftnot und Hautreizungen.

Kritischste Zeit: Ende Mai bis Ende Juni

Die weißen Gespinste der Raupen ähneln einem Nest, meist hängen sie an Eichen. In Jahren, in denen sich die Tiere besonders stark vermehren, können sie jedoch auch auf andere Bäume wie Buchen ausweichen.

Die meisten Raupen bilden Ende April oder Anfang Mai die ersten Brennhaare, die Zeit von Ende Mai bis Ende Juni ist am kritischsten. In dieser Phase verlieren die Tiere besonders viele Härchen. Ab Ende Juni beginnen die Raupen damit, sich zu verpuppen. Allerdings bleiben auch die verlassenen Nester gefährlich, da Reste von Brennhaaren und Häuten an den Gespinsten haften bleiben. Wer Nester oder die Tiere sieht, sollte sie auf keinen Fall berühren.

irb/dpa



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