Transplantationen 2013 Zahl der Organspender sinkt drastisch

Immer weniger Menschen wollen nach ihrem Tod Organe spenden: Während es im ersten Quartal 2013 nur 230 Organspender gab, waren es 2012 noch 281, berichtet die Deutsche Stiftung Organtransplantation. Nach den Skandalen soll es überall mehr Transparenz geben - und bessere Kontrollen.
Organspendeausweis: Das Vertrauen mit Transparenz zurückgewinnen

Organspendeausweis: Das Vertrauen mit Transparenz zurückgewinnen

Foto: Frank May/ picture alliance / dpa

Berlin - Die Zahl der Menschen, die nach ihrem Tod Organe spenden, nimmt 2013 weiter ab: Wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Berlin berichtet, gab es zwischen Januar und März 2013 18 Prozent weniger Organspender als im Vorjahreszeitraum. Während im ersten Quartal 2012 noch 281 Menschen Herz, Lungen, Leber oder Nieren nach ihrem Tod zur Verfügung stellten, waren es in diesem Jahr bisher nur 230.

Derzeit warten noch 12.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Alle acht Stunden stirbt ein Mensch, den ein fremdes Organ hätte retten können.

Bereits 2012 hatte die Spendebereitschaft im Vergleich zum Vorjahr deutlich abgenommen und den Tiefststand seit 2002 erreicht: Im vergangenen Jahr hatten nur 1046 Menschen Organe gespendet, 2011 waren es noch 1200 und 2010 sogar 1296 gewesen. Der Grund für den drastischen Rückgang sind der DSO zufolge die Transplantationsskandale, die an vier Kliniken in Göttingen, Regensburg, München und Leipzig bekannt geworden waren. Manipulationen von Patientendaten hatten dazu geführt, dass bestimmte Patienten kranker gemacht worden waren, als sie es tatsächlich waren. Dadurch hatten sie früher ein Spenderorgan bekommen.

Seither ermittelt nicht nur die Staatsanwaltschaft in den Fällen: Ein Chirurg, der sowohl in Regensburg als auch in Göttingen verantwortlich war, sitzt seit Januar in Untersuchungshaft. Auch die verschiedenen Gremien des deutschen Organspendesystems versuchen, Manipulationen vorzubeugen und Transparenz zu schaffen. Die Prüf- und Überwachungskommission bei der Bundesärztekammer etwa stattet den Transplantationszentren inzwischen häufiger unangemeldete Besuche ab und prüft vergangene Transplantationen auf Verstöße.

Voraussichtlich im Juni sollen die Ergebnisse der Kommission veröffentlicht werden. Gleichzeitig hat das neue Transplantationsgesetz die rechtliche Grundlage für Transplantationsbeauftragte geschaffen, die es seit Beginn des Jahres in allen Entnahmekrankenhäusern geben muss.

Transplantationsregister für mehr Qualität

Auch die DSO, die im vergangenen Jahr nach anonymen Vorwürfen ebenfalls in der Kritik stand, will ihre Struktur verändern: "Bund und Länder erhalten mit je zwei Sitzen im Stiftungsrat zukünftig maßgeblichen Einfluss in der DSO", sagte der Jurist Rainer Hess, der als Interimsvorstand für ein Jahr die DSO neu strukturieren soll. "Wir wollen mehr Transparenz schaffen und so das Vertrauen in die Organspende wieder aufbauen."

Außerdem werde der medizinische Fachbeirat auf 12 Experten verkleinert, gleichzeitig aber inhaltlich durch Transplantations- und Intensivmediziner gestärkt. Er solle die Richtlinien, die die Ständige Kommission Organtransplantation bei der Bundesärztekammer (BÄK) für die Organentnahme erstellt haben, konkretisieren, so Hess. Die Richtlinien seien nicht in jedem Bundesland und in jedem Krankenhaus ohne weitere Erklärungen umsetzbar.

An diesem Punkt gibt es aber offenbar Verbesserungsbedarf: Auch die Deutschen Gesellschaften für Innere Medizin und für Chirurgie haben kürzlich eine Arbeitsgruppe gegründet, die Richtlinien unter anderem für den Umgang mit Spenderorganen erstellen wollen.

Doch stiften die verschiedenen Richtlinien im Fall einer anstehenden Organspende nicht Verwirrung bei den Transplantationsbeauftragten? Rainer Hess meint: "Die Initiative der Gesellschaften ist zwar inhaltlich interessant, rechtlich aber unbeachtet."

Um die Qualität von Organtransplantationen in Deutschland zukünftig besser überprüfen zu können - und damit auch die Vergabekriterien, die sich derzeit nach den sich widersprechenden Faktoren Dringlichkeit und Erfolgschancen richten - fordern viele Beteiligte seit langem ein Transplantationsregister. "Die Daten sind da", sagte Rainer Hess. Es müsse nur die rechtliche und praktische Grundlange für die Zusammenführung der Daten von DSO, Eurotransplant und der Transplantationszentren geschaffen werden. "Das sollte 2014 gelingen."

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