Umstellung auf Winterzeit Was macht der Mini-Jetlag mit dem Körper?

In der Nacht von Samstag auf Sonntag bekommen wir eine Stunde geschenkt. Trotzdem sind viele nicht glücklich - vor allem Kinder und Menschen mit Schlafstörung leiden unter dem Mini-Jetlag.
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Wenn schon Zeitumstellung, dann die Version vom Sonntag. Das denken sich zumindest Langschläfer: In der Nacht werden die Uhren von drei auf zwei zurückgestellt, der Tag gewinnt eine Stunde dazu. Trotzdem haben viele Menschen das Gefühl, unter der Zeitumstellung zu leiden - schließlich wird es auch abends früher dunkel.

Aus welchem Grund wurde die Zeitumstellung überhaupt eingeführt?

Das Konzept von Sommerzeit und Winterzeit gab es in Deutschland erstmals 1916. Die Umstellung wurde nach dem 1. Weltkrieg jedoch schnell wieder abgeschafft. 1980 führten die beiden deutschen Staaten Sommer- und Winterzeit wieder ein. Die Idee war eine ökonomische: Eigentlich sollte das Vorstellen der Uhr im Frühjahr zum Energiesparen in der hellen Jahreszeit beitragen. Diese Hoffnung hat sich allerdings nie erfüllt. Das, was wir während der Sommerzeit abends mit der Beleuchtung einsparen, verbrauchen wir morgens mehr zum Heizen.

Wie vielen Menschen bereitet die Zeitumstellung Probleme?

In einer Umfrage der Krankenkasse DAK gab mehr als jeder Fünfte (22 Prozent) an, wegen der Zeitumstellung schon mal unter körperlichen oder psychischen Problemen gelitten zu haben. Besonders häufig sind demnach Frauen betroffen: Bei ihnen berichteten 28 Prozent von Beschwerden. Bei den Männern waren es nur 16 Prozent.

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Zeitumstellung: Niemand hat die Absicht, eine Sommerzeit einzuführen

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Für Nachteulen - also Menschen, die spät ins Bett gehen und morgens länger schlafen - kann die Umstellung am Sonntag aber auch Gutes bringen. Laut einer Studie mit 55.000 Menschen  bleibt ihre innere Uhr dauerhaft in der Winterzeit hängen. Für sie kehrt am Sonntag mit der Normalzeit demnach auch wieder ein bisschen innere Normalität zurück.

Was sind mögliche gesundheitliche Folgen der Zeitumstellung?

Wirklich um seine Gesundheit fürchten muss niemand. Einzelne Studien berichten zwar von einem etwas höheren Herzinfarktrisiko in den Tagen nach der Zeitumstellung, die Ergebnisse sind aber umstritten. Außerdem beziehen sich die Warnungen auf die Umstellung im Frühjahr, wenn die Sommerzeit beginnt und die Nacht eine Stunde verkürzt.

Die meisten leiden rund um die Zeitumstellung einfach unter Schlafproblemen. Der Umfrage der DAK zufolge fühlen sich drei Viertel derjenigen, die unter der Zeitumstellung leiden, müde und schlapp. 60 Prozent haben Schwierigkeiten beim Einschlafen, und mehr als ein Drittel kann sich schlechter konzentrieren.

Eine Erklärung dafür sind die veränderten Lichtverhältnisse. Wird es abends früher dunkel, steigt auch früher der Spiegel des Schlafhormons Melatonin und wir wollen ins Bett. Ein kleiner Trost: Dafür ist es morgens auch eher hell, sodass wir hoffentlich etwas schneller in die Gänge kommen.

Wie schnell gewöhnt sich der Körper an die verschobene Uhrzeit?

Die meisten Menschen haben sich nach nur ein bis zwei Tagen auf die neue Zeit eingestellt. Bei älteren Menschen, Kindern oder Menschen mit Schlafstörungen kann sich der Prozess aber auch bis zu eine Woche lang hinziehen. Vor allem bei Schlafstörungen ist ein regelmäßiger Schlafrhythmus extrem wichtig, Betroffene sollten möglichst immer zur gleichen Zeit ins Bett gehen und wieder aufstehen. Die Zeitumstellung macht diese Bemühungen kurzfristig unmöglich.

Wie kann man dem Körper helfen, sich an die Winterzeit anzupassen?

In den Tagen nach der Zeitumstellung hilft, was auch den Rest des Winters wach hält. Schlafmediziner Alfred Wiater empfiehlt, sich in der dunklen Jahreszeit tagsüber möglichst viel draußen aufzuhalten. "Da ist die Lichtintensität höher, man kann besser wach bleiben", sagt der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin. Körperliche Aktivitäten regten den Kreislauf und Stoffwechsel zusätzlich an.

irb/AFP
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