Zika-Angst Olympioniken lassen Sperma einfrieren - ist das sinnvoll?

Der US-Volleyballtrainer, ein spanischer Basketballstar - mehrere Sportler planen, vor Olympia in Brasilien ihr Sperma einfrieren zu lassen. Sie haben Angst vor dem Zika-Virus, das ungeborenen Babys schadet.

Tiefgefrorene Sperma-Proben
AFP

Tiefgefrorene Sperma-Proben


Der 44-jährige John Speraw hat sich entschieden. Wenn der Trainer des Indoor-Volleyball-Teams der USA ins Flugzeug nach Brasilien steigt, wird ein Röhrchen mit seinem Sperma tiefgefroren in einer Samenbank liegen. Er wolle sich auf diese Weise auf zukünftige Schwangerschaften seiner Frau vorbereiten, sagte er der "New York Times". Zu groß ist seine Angst vor dem in Brasilien zirkulierenden Zika-Virus.

Speraw ist mit seiner Einstellung nicht allein. Auch der spanische Basketballstar Pau Gasol erklärte öffentlich, darüber nachzudenken, sein Sperma vor einer Reise nach Brasilien einfrieren zu lassen. Der US-Rennradfahrer Tejay van Garderen ging gleich noch einen Schritt weiter. Um seine Frau zu schützen, sagte er seine Teilnahme an den in Brasilien stattfindenden Olympischen Spielen gleich ab.

Die Bedenken der Männer sind nicht komplett unbegründet. Zwar wird das Zika-Virus, das bei ungeborenen Kindern schwere Fehlbildungen verursacht, zum Großteil durch Mücken weitergetragen. In seltenen Fällen aber kommt es auch vor, dass Männer den Erreger beim Sex auf ihren Partner übertragen.

Kondome, Kondome, Kondome

Nun gibt es für alle, die aktuell kein Kind zeugen wollen, eine einfache Lösung des Problems: Die US-Gesundheitsbehörde CDC rät Männern, die bei einer Reise an Zika erkrankt sind, anschließend mindestens sechs Monate lang Kondome zu nutzen. Selbst wer keine Beschwerden hatte, sollte seinen Partner mindestens acht Wochen lang bei Anal-, Oral- und Vaginalsex auf diese Weise schützen.

Zika - typische Beschwerden
    Nur rund 20 Prozent der Menschen, die sich mit Zika infizieren, werden krank. Bei ihnen entwickelt sich meist für für zwei, drei Tage leichtes Fieber, Hautausschlag, Muskel-, Kopf- oder Gelenkschmerzen. 80 Prozent merken nichts von ihrer Infektion.

Was aber ist, wenn die Männer einen akuten Kinderwunsch haben? Das CDC weicht auch in diesem Fall kaum von seinen Ratschlägen ab: Bei Zika-Beschwerden mindestens sechs Monate mit einem Kondom verhüten und warten, ohne Beschwerden acht Wochen, heißt es bei den Empfehlungen. Außerdem, so die schwammige Ansage, sollten die Betroffenen Rücksprache mit einem Arzt halten.

Zwar dürfte das Risiko, das Virus nach dieser Zeit noch weiterzugeben, gen null sinken. Eine hundertprozentige Garantie dafür gibt es jedoch - aller Unwahrscheinlichkeit zum Trotz - nicht. Noch wissen Mediziner nämlich nicht, wie lange das Virus im Sperma überhaupt überdauern kann.

Kern des Problems ist, dass die Hoden wie unter anderem der Innenraum des Auges zu den sogenannten immunprivilegierten Regionen des Körpers zählen. Das Immunsystem arbeitet dort nur begrenzt, um das empfindliche Gewebe nicht zu gefährden. Dadurch bieten die Regionen jedoch auch Krankheitserregern Schutz, die im Rest des Körpers bereits eliminiert wurden. (Lesen Sie hier über einen Ebola-Fall, bei dem das Virus im Auge überdauerte.)

Kanüle statt Sex

Ob es angemessen ist, auf die kleine Rest-Unsicherheit bei einem Kinderwunsch mit Maßnahmen wie eingefrorenem Sperma zu reagieren, muss jeder für sich entscheiden. Allerdings sollte dabei bedacht werden, dass zu den Kosten - in Deutschland liegen sie allein für das Sperma-Einfrieren bei etwa 300 Euro, hinzu kommt die Lagerung - noch der Umstand kommt, dass die Schwangerschaft dann künstlich eingeleitet werden muss.

In der Regel überträgt der Arzt den Samen nach dem Auftauen und Aufbereiten durch einen dünnen Schlauch direkt in die Gebärmutter. Um den richtigen Zeitpunkt zu treffen, werden die Eierstöcke zuvor mithilfe von Medikamenten hormonell stimuliert, beschreibt eine Informationsseite der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung den Ablauf nach einer Samenspende.

Grundsätzlich nutzen Mediziner die Möglichkeit, Sperma einzufrieren, zum Beispiel bei jungen Männern, die aufgrund einer Krebs-Erkrankung unfruchtbar werden könnten. Hinzu kommt das Angebot privater Unternehmen für Männer, die spät Vater werden wollen und sich um die Qualität ihres Samens sorgen.

irb

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