Betroffene immer jünger Patientenschützer sieht Einsamkeit als Deutschlands »größte Volkskrankheit«

Nach Meinung der Stiftung Patientenschutz wird das Leiden an Einsamkeit in der Gesellschaft oft unterschätzt. Vorstand Eugen Brysch ermutigt dazu, Mitmenschen und Nachbarn anzusprechen: »Drücken wir den Klingelknopf!«
Allein in der Düsseldorfer Innenstadt: Nicht mehr nur Hochbetagte sind von Einsamkeit betroffen

Allein in der Düsseldorfer Innenstadt: Nicht mehr nur Hochbetagte sind von Einsamkeit betroffen

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Rolf Vennenbernd / dpa

Einsamkeit ist nach Einschätzung der Stiftung Patientenschutz »die größte Volkskrankheit in Deutschland«. Nicht mehr nur hochbetagte Menschen seien davon betroffen, sagte Stiftungsvorsitzender Eugen Brysch am Samstag der Nachrichtenagentur dpa. »Im Gegensatz zu den letzten Jahren berichten auch immer mehr 60- bis 70-Jährige, dass sie sich einsam fühlen.«

Es greife daher zu kurz, so Brysch, wenn Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) an Betroffene appelliere, sich aus eigenem Antrieb Hilfe zu suchen und Angebote wie die Telefonseelsorge zu nutzen. Die Ministerin hat die gerade in der Coronazeit in allen Bevölkerungsteilen gewachsene Einsamkeit zu einem ihrer Kernthemen erklärt und im Sommer angekündigt, bis zum Ende der Legislaturperiode zusammen mit Experten und Fachkräften eine Strategie zu entwickeln, wie Einsamkeit bekämpft werden kann oder die Institutionen dafür sensibilisiert werden könnten.

Etwas gegen die wachsende Einsamkeit in der Gesellschaft zu tun, könne aber nicht nur institutionellen Anbietern überlassen bleiben, sagte Brysch. »Viel wichtiger ist es, dass sich jeder von uns für dieses Volksleiden sensibilisiert.« Es komme darauf an, persönlich Verantwortung zu übernehmen und »Mut zur Ansprache« zu fassen. Gerade Weihnachten biete eine besonders gute Möglichkeit, »den alleinstehenden Menschen von nebenan eine Geste des Miteinanders zu schenken«.

Schon ein kurzer Gruß, ein kurzes Gespräch im Treppenhaus oder auf dem Gehweg könne hilfreich sein, so Brysch, der dazu ermutigen will, an den Festtagen einfach mal beim Nachbarn zu klopfen oder vorbeizuschauen. »Drücken wir den Klingelknopf. Das kann der Schlüssel zu einer Verbindung von Mensch zu Mensch sein.«

bor/dpa
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