Waldbaden und Spazierengehen Ab zwei Stunden pro Woche macht die Natur gesund, sagen Forscher

Ein Spaziergang im Park, entspannen im Wald oder am Strand: Mehr als 120 Minuten pro Woche in der Natur zu verbringen, könnte sich einer aktuellen Studie zufolge positiv auf Gesundheit und Wohlbefinden auswirken.

Egal, ob auf einmal oder an mehreren Tagen mal kurz - Zeit in der Natur scheint gesund zu machen.
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Egal, ob auf einmal oder an mehreren Tagen mal kurz - Zeit in der Natur scheint gesund zu machen.


Viel Zeit in der Natur zu verbringen, ist gut für die Gesundheit, allein in grüneren Stadteilen zu leben, wirkt sich Studien zufolge positiv auf die Sterblichkeit aus. Ein Team der Universität Exeter hat nun erforscht, wie lange man sich mindestens im Grünen aufhalten sollte, um einen positiven Effekt auf Gesundheit und Wohlbefinden feststellen zu können. Die Studie wurde am Donnerstag in der Fachzeitschrift "Scientific Reports" veröffentlicht.

Das Ergebnis: Im Vergleich zu Menschen, die während einer Woche gar keine Zeit in der Natur verbrachten, waren Teilnehmer der Studie, die zwei oder mehr Stunden draußen waren, häufig gesünder und glücklicher. Ab 200 bis 300 Minuten pro Woche in der Natur zeigten sich die größten Auswirkungen.

Untersucht wurden Daten von rund 20.000 Menschen in England, die bei der bislang weltweit größten Erhebung rund um Menschen und deren Kontakt zur Natur von 2014 bis 2016 erfasst wurden. In Interviews stuften sich die Teilnehmer selbst in Bezug auf ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden ein.

Bei der Auswertung beobachteten die Forscher bei verschiedensten Gruppen positive Auswirkungen von Auszeiten in der Natur:

  • Bei Frauen und Männern,
  • Menschen unter und über 65 Jahren,
  • Menschen mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen,
  • Menschen verschiedener ethnischer Gruppen,
  • Bewohnern von reichen und armen Vierteln und
  • auch bei Menschen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen.

Eine lange Wanderung oder mehrere Mittagspausen im Park

Dabei war es nicht relevant, ob die Teilnehmer auf einmal zwei Stunden oder länger in der Natur verbrachten oder mehrere kurze Besuche unternahmen. Bei Zeiten unter zwei Stunden zeigte sich kein signifikanter Unterschied des Gesundheitszustands oder des Wohlbefindens gegenüber den Teilnehmern, die gar keine Zeit in der Natur verbracht hatten.

Die meisten Teilnehmer der Studie mussten für ihre Naturerlebnisse nicht weit reisen, in der Regel lagen die Orte nur drei Kilometer von ihrem Zuhause entfernt. "Es scheint also sogar gut zu sein, lokale städtische Grünflächen zu besuchen. Zwei Stunden pro Woche sind hoffentlich ein realistisches Ziel für viele Menschen, zumal man diese über die ganze Woche verteilen kann, um den positiven Effekt zu erreichen," sagte der Forscher.

Diskussion der Ergebnisse

Auch wenn die Ergebnisse statistisch aussagekräftig sind, räumen die Forscher in ihrer Studie ein, dass der Einfluss der Natur im Vergleich relativ klein sei. Demnach wirkt es sich zum Beispiel stärker aufs Wohlbefinden aus, ob ein Mensch Single ist oder in einer Beziehung lebt und welchen sozioökonomischen Status er hat.

Hinzu kommt, dass die Wissenschaftler die positive Wirkung auf die Gesundheit zwar auch bei chronisch Kranken nachweisen konnten. Trotzdem können sie nicht ausschließen, dass die Ergebnisse auch dadurch beeinflusst wurden, dass glückliche und gesunde Menschen mehr Zeit in der Natur verbringen.

In ihrer Untersuchung haben die Forscher übrigens die Zeit im eigenen Garten nicht mit einberechnet.

Waldbaden

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die positiven Effekte der Natur gelten nicht nur für Menschen, die sich draußen sportlich betätigen, sondern auch für andere. Bereits in früheren Studien hatten Forscher Effekte der Natur nachgewiesen, die sich nicht allein durch körperliche Aktivitäten erklären lassen.

In Japan ist "Waldbaden" sogar eine anerkannte Stress-Management-Methode. Das auch in Deutschland immer populärere shirin-yoku sieht vor, sich einfach im Wald aufzuhalten und dessen Duft und Atmosphäre auf sich wirken zu lassen.

hle

insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
albertwilhelm-s 13.06.2019
1.
wir sind immer SAmstag und Sonntag jeweils min 9Km in der NAtur wandern.Kein Problem,die Heide liegt schon quasi vor der Tür. DAs bringt deutlich Energie zurück und besseren Schlaf.Im Winter-man kommt nicht raus-geht es uns deutlich schlechter.Am besten,es sind im November und JAnuar -Februar noch Aufenthalte am Mittelmmer oder KAnaren dabei,dann istdas JAhr perfect,denn März bis Oktober ist es in D wunderbar.Wenn ich diese Dinge nicht mache..geht es mir viel schlechter,gefühlt 10JAhre älter (jetzt 73)
fundador 13.06.2019
2. Wie gut, dass
ich mindestens zwei Stunden pro Woche laufen gehe...
strixaluco 13.06.2019
3. Konsequenzen??
Dass Natur wichtig für die Gesundheit gerade von Städtern ist, ist mit steigender wissenschaftlicher Belegbarkeit mindestens seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts bekannt. Das weiss vermutlich jeder Stadtplaner, aber auf der Prioritätenliste kommt das Thema trotzdem erschreckend weit hinten vor. In Zeiten des Klimawandels wäre es lebenswichtig, sich endlich mehr darum zu kümmern. Stattdessen werden die letzten Freiräume der Steigerung der Wohnfläche zahlungskräftiger Klienten geopfert, oder der Ansiedlung weiterer Gewerbebetriebe, die die schon vorhandenen oft nur ersticken können. Der immer knappere Platz wird immer teurer. Und die Familien mit Kindern oder finanziell Schwächeren, mit denen argumentiert wird, beissen die Hunde.
Tomcat2 13.06.2019
4. Warum kommt dieser Artikel jetzt?
Mir scheint, dass diese Studien schon vor 3 Jahren veröffentlicht wurden. Warum springt der SPIEGEL erst jetzt darauf an? Dann ist das mal wieder so eine epidemologische Studie, deren Wert ja ziemlich umstritten ist. Die alte Geschicht mit Korrelation und Kausalität. Im Grünen sind halt viele Wanderer und Jogger unterwegs. Wenn die ihre sportlichen Aktivitäten auf Stadtstraßen und nicht auf Waldwegen durchführen würden, würde ja wohl genau der gleiche Effekt eintreten. Das ist eben das Problem solcher Studien, dass man fast Beliebiges beweisen kann. Aber Journalisten schreiben offenbar gern über so etwas.
kk_klp 13.06.2019
5. Kann ich nur bestätigen
Für mich als Lehrer stellt es kein Problem dar, mich mehrmals in der Woche im Wald zu bewegen. Krank war ich seit Jahren nicht mehr.
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