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30. Dezember 2015, 13:58 Uhr

Abgelaufene Lebensmittel

Zu schade für die Tonne

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Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist abgelaufen - aber wegwerfen muss man Lebensmittel deshalb noch lange nicht. Vieles hält sich deutlich länger, und beim Check darf man sich ruhig auf die eigenen Sinne verlassen.

Der Gänsebraten mit Rosenkohl, der Weihnachtskarpfen mit Salzkartoffeln, das Käsefondue mit Gürkchen, Schinken oder Ananas. Zum Nachtisch der Christstollen, die Bratäpfel, das Marzipanbrot. An Weihnachten gibt es in vielen deutschen Haushalten jeden Tag ein anderes, üppiges Menü - viel zu viel davon landet am nächsten Tag im Müll.

Wir alle werfen Lebensmittel weg, jeden Tag. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat 2012 in einer Studie ermitteln lassen, dass jedes achte Lebensmittel, das wir einkaufen, in der Mülltonne landet - die meisten noch in Originalverpackung. Pro Kopf und Jahr sind das etwa zwei volle Einkaufswagen mit Lebensmitteln im Wert von 235 Euro, die wir wegwerfen.

Noch essbar nach Ablauf des Mindeshaltbarkeitsdatums?

Am häufigsten im Müll landen laut Studie Obst und Gemüse (44 Prozent), Backwaren (15 Prozent), Speisereste (12 Prozent) und Milchprodukte (8 Prozent). Dabei verbrauchen einige Lebensmittel viel Energie bei der Herstellung: In die Produktion von einem Kilo Käse beispielsweise fließen 5000 Liter Wasser. Ein Kilo Rindfleisch verbraucht 15.000 Liter.

Häufigster Grund, warum wir Nahrung wegwerfen: Das Lebensmittel war verdorben oder das Haltbarkeitsdatum abgelaufen. Das jedenfalls gaben 84 Prozent von 1003 Befragten in einer Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2011 im Auftrag des Ministeriums an.

Kritiker bemängeln schon seit Langem, dass Verbraucher das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) als Verfallsdatum interpretieren. Mit dem MHD garantiert der Hersteller jedoch lediglich, dass Farbe, Geruch und Geschmack des ungeöffneten Lebensmittels bei richtiger Lagerung bis zu diesem Tag erhalten bleiben. Die meisten Lebensmittel verwandeln sich am darauffolgenden Tag aber nicht in eine ungenießbare Masse, sondern sind oft noch lange danach essbar.

Bei Supermärkten führt dieses Missverständnis dazu, dass oft schon Lebensmittel aussortiert werden, die sich diesem Datum nur nähern - aus Angst, dass der Verbraucher sie verschmäht. Dabei dürfen Geschäfte Lebensmittel nach Überschreiten des MHDs noch verkaufen.

Verkauf noch erlaubt

Nach Untersuchungen der Verbraucherzentrale Hamburg ändert sich diese Praxis in den Supermärkten jedoch langsam. Immer öfter bieten sie Lebensmittel, die sich dem MHD nähern, verbilligt an und - ganz wichtig - weisen den Kunden durch auffällige Kennzeichnung darauf hin.

Vom Mindesthaltbarkeitsdatum strikt zu unterscheiden ist das Verbrauchsdatum. Es ist tatsächlich ein Verfallsdatum und wird auf leicht verderbliche Lebensmittel wie Hackfleisch und Fisch aufgedruckt ("zu verbrauchen bis..."). Lebensmittel, die das Verbrauchsdatum überschritten haben, sollten nicht mehr verzehrt werden, weil Gesundheitsgefahr durch Keime besteht. Supermärkte dürfen solche Lebensmittel auch nicht mehr verkaufen.

In unserer Übersicht erfahren Sie, wie Sie mit Lebensmitteln nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums umgehen und worauf Sie achten sollten.

Grundsätzliches:

Vertrauen Sie Ihren Sinnen. Prüfen Sie ein abgelaufenes Lebensmittel. Riecht es komisch? Hat es sich verfärbt? Ist Schimmel erkennbar? Dann seien Sie besonders vorsichtig und werfen Sie es im Zweifel lieber weg.

Planen Sie Ihren Einkauf sorgfältig, kaufen Sie nur so viel ein, wie Sie auch wirklich verbrauchen können. Geben Sie übrig gebliebene Lebensmittel an Foodsharing.de ab.

Zucker, Salz, Tee

Sie sind nahezu unbegrenzt lange haltbar. Die Bundesregierung erwägt, das MHD für diese und andere Produktgruppen aufzuheben.

Reis, Nudeln, Mehl, Getreide, Kaffee, Fertiglebensmittel

Sie sind nach Ablauf des MHD noch viele Monate haltbar.

Trockengewürze

Mehrere Monate haltbar, Geschmackseinbußen sind jedoch möglich. Wenn die Trockengewürze neben dem heißen Herd oder in der Nähe von Wasserdampf stehen, sollten Sie sie entsorgen, weil sie dann perfekter Nährboden für Keime sind.

Saft, Bier, Wein

Ungeöffnet sind sie noch mehrere Monate nach Ablauf des MHD haltbar.

Marmelade, Konfitüre

Noch einige Monate haltbar.

Milchprodukte und Wurst

Ungeöffnet sind sie im Kühlschrank noch mehrere Tage nach MHD-Ablauf haltbar.

Eier

Kühl gelagerte Eier können noch bis zu zwei Wochen nach Ablauf der Mindesthaltbarkeit gegessen werden, man sollte sie aber ganz durchkochen oder -braten. Ein einfacher Test verrät, ob das Ei noch gut ist: Legen Sie es in ein Glas Wasser - ein frisches Ei bleibt auf dem Boden liegen. Schwimmt es, sollte es entsorgt werden. Richtet sich das Ei nur auf, ist es womöglich noch genießbar. Dann sollten Sie es aufschlagen und den Geruch prüfen.

Milch

Frischmilch ist geöffnet nach MHD-Ablauf in der Regel drei Tage im Kühlschrank haltbar, H-Milch sogar sieben.

Konservendosen

Normalerweise viele Monate über das MHD hinweg haltbar, das gilt auch für Fisch- und Fleischkonserven. Achten Sie aber auf ausgewölbte Böden oder Deckel. In diesem Fall dürfen Sie die Konserven nicht mehr verzehren.

Vorsicht: Angebrochene Konserven können Zinn abgeben. Am besten füllen Sie den Inhalt in einen anderen Behälter um.

Tiefkühlkost

Achten Sie beim Kauf von Tiefkühlkost darauf, dass sie nicht auftaut. Wenn die Kühlkette eingehalten wurde, sind tiefgefrorene Lebensmittel einige Monate über das MHD hinweg haltbar.

Einfrieren - einmal oder mehrmals?

Einmal Aufgetautes kann man - entgegen landläufiger Meinung - wieder einfrieren. Wichtig: Die Sachen langsam im Kühlschrank auftauen, die Reste schnell zurück ins Gefrierfach und nach dem erneuten Auftauen gründlich erhitzen. Auch hier auf Geruch und Farbe achten.

Schimmelbefall - muss man immer gleich alles wegwerfen?

Schimmelpilze können giftige und krebserregende Stoffe produzieren, die man durch Kochen und Braten nicht entschärfen kann. Unbedingt wegwerfen sollte man folgende Lebensmittel, wenn sie Schimmelspuren zeigen:

Obst und Gemüse, Konfitüre, Säfte, Joghurt, Quark, Frischkäse, Weichkäse (beispielsweise Gorgonzola), Schnittkäse (also Käse, der sich leicht in Scheiben schneiden lässt wie Gouda oder Emmentaler), Wurst, Brot, Nüsse (!), Getreide.

Auch Schimmelkäse wie Camembert, Brie oder Edelpilzkäse kann verderben. Auf den Geruch achten (muffig)! Rot, grün oder schwarz verfärbter Käse ist nicht mehr genießbar.

Ausnahmen:

Obst in Tüten oder Behältern (beispielsweise Weintrauben, Himbeeren o.ä.): Einzelne schimmlige und faule Früchte können Sie entfernen. Die weiter entfernt liegenden können Sie säubern und noch essen.

Marmelade und Konfitüre: Wenn der Zuckergehalt über 50 Prozent beträgt, kann der Schimmel großzügig entfernt und der Rest noch gegessen werden.

Hartkäse (Parmesan, nur am Stück) und luftgetrocknete Salami: Bei beiden kann man den Schimmel großzügig wegschneiden. Jedoch nur, wenn er oberflächlich ist und ein einziges Stück betrifft. Von Edelpilzkäse übertragenen Schimmel auf Hartkäse kann man großzügig abschneiden. Weiße Flecken auf Hartkäse sind übrigens oft nur auskristallisiertes Salz oder Eiweiß.

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