Studie zu Übergewicht Schon leichtes Abnehmen fördert die Gesundheit

Abnehmen ist schwer: Ohne große Erfolge verlieren vor allem stark Übergewichtige leicht die Motivation. Eine neue Studie zeigt aber, dass schon kleine Veränderungen viel für die Gesundheit bringen.
Fitnessgerät an einer Bus-Station in Mexiko-Stadt: Schon eine geringe Gewichtsreduktion hat positive Auswirkungen

Fitnessgerät an einer Bus-Station in Mexiko-Stadt: Schon eine geringe Gewichtsreduktion hat positive Auswirkungen

Foto: Andrea Sosa Cabrios/ dpa

Bei Menschen mit hohem Übergewicht können schon leichte Gewichtsreduzierungen viel Gutes bringen: Wer es schaffe, fünf Prozent abzuspecken, erweise seiner Gesundheit einen großen Dienst, berichten Forscher im Fachjournal "Cell Metabolism".

Das Risiko für viele gewichtsbedingte Erkrankungen reduziere sich schon bei einer fünfprozentigen Gewichtsabnahme deutlich, heißt es in der Studie.  Der Körperfettanteil schrumpfe dabei um rund acht Prozent, auch das besonders ungesunde Bauchfett nehme um sieben Prozent ab. "Das ist ein großer Ertrag für einen kleinen Einsatz", bilanziert Seniorautor Samuel Klein von der Washington University in St. Louis.

Zwar ist die Studie mit 40 Teilnehmern relativ klein, sie liefert aber einen weiteren Beleg für die positiven Auswirkungen der Gewichtsreduktion. Der Body-Mass-Index der teilnehmenden Probanden, die keine weiteren Erkrankungen hatten, lag im Durchschnitt bei knapp 38 - ab 30 gelten Menschen als fettleibig. Ein Teil der Testgruppe wahrte sein Gewicht, die übrigen Männer und Frauen nahmen im Zuge einer sechsmonatigen Diät rund fünf, zehn oder 15 Prozent an Körpergewicht ab. Währenddessen wurden ihre Blutwerte und andere gesundheitlich relevante Daten wie Blutdruck und Herzfrequenz überwacht. 19 der Probanden erreichten eine fünfprozentige Gewichtsreduktion.

Gängige Empfehlung in den USA für Übergewichtige sei derzeit eine Gewichtsreduktion um fünf bis zehn Prozent, heißt es in der Studie. Schon bei einer vergleichsweise kleinen Gewichtsreduktion aber würden verschiedene Risikofaktoren für Typ-2-Diabetes und koronare Herzerkrankungen deutlich vermindert, schreibt das Forscherteam von der Washington University. Der Stoffwechsel verbessere sich, ebenso die Insulinempfindlichkeit der Organe, auch der Blutzuckerwert nehme ab.

Positive Effekte steigen mit stärkerer Abnahme

Auch deutsche Experten sehen mit der Studie bisherige Erkenntnisse bestätigt. Schon zuvor hätten Analysen gezeigt, dass eine moderate Gewichtsabnahme von fünf bis zehn Prozent die Stoffwechsellage verbessere, sagt beispielsweise Christina Holzapfel vom Kompetenznetz Adipositas (TU München). "Sie wirkt sich stets auf die Lebensqualität aus, auch auf die Gelenke." Wichtig sei es, sein Körpergewicht dauerhaft zu reduzieren. Der gesamte Lebensstil - Bewegung, Ernährung, Verhalten - müsse sich ändern, Crash-Diäten seien nicht zu empfehlen, "Ein gesundes Körpergewicht ist eine Lebensaufgabe", so Holzapfel.

Abzunehmen ist für fettleibige Menschen weit schwieriger als allgemein oft angenommen. Das gilt für Erwachsene ebenso wie für Kinder und Jugendliche. Umso wichtiger kann es als Motivationsfaktor sein, dass dabei schon sehr kleine Schritte sehr gut für die Gesundheit sind, sagen Experten. "Das Ziel, fünf Prozent Gewicht zu verlieren, motiviert ungemein", sagt Dirk Müller-Wieland von der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG). Sich kleine Ziele zu setzen, könne vielen Betroffenen das Gefühl des Scheiterns ersparen, schreiben auch die Autoren der aktuellen Studie. Fünf Prozent weniger Gewicht seien weit eher zu erreichen als ein Minus von zehn Prozent.

Bei Probanden, die mehr als zehn Prozent Gewicht abspeckten, profitierten verstärkt auch die Muskeln - und allgemein vergrößerten sich die positiven Gesundheitseffekte etwa beim Fettstoffwechsel und den Entzündungswerten, schreiben die Autoren. "Wir hoffen, dass diese Ergebnisse Menschen mit starkem Übergewicht Mut machen, überschaubare Schritte zu unternehmen", sagt Klein.

brt/dpa