Achilles' Verse Abnehmen trotz Versuchungen

Wer Großes vorhat, muss kleine Schritte machen - gerade beim Abnehmen. Das kennt der ehemalige 160-Kilo-Mann Micha Klotzbier nur zu gut: Wie er es schafft, den typischen Versuchungen zu widerstehen.
Mann sucht nach Mitternachtsimbiss

Mann sucht nach Mitternachtsimbiss

Foto: Corbis

Kann man mit weit mehr als hundert Kilo Marathon laufen? Eher nicht. Deswegen möchte Michael Klotzbier abspecken. Anfang 2015 wog der 35-Jährige noch 160 Kilo, mittlerweile hat er bei seinem Projekt "Unter 100" 50 Kilo verloren. Das Abnehmen wird allerdings immer schwerer.

Der schnelle Snack zwischendurch

Früher habe ich bei langen Autofahrten an der Tankstelle ordentlich zugeschlagen. Süßigkeiten, ein belegtes Brötchen und ein Kaffee waren das fatale Standardprogramm, denn durch das stundenlange Rumsitzen hatten die Kalorien freie Fahrt zu meinen Fettpolstern.

Es war nicht einfach, mir dieses lieb gewonnene Ritual abzugewöhnen. Aber es hat geklappt und darauf bin ich ziemlich stolz. Den Kaffee gibt es immer noch, aber im Auto greife ich dann zu Obst, das ich mir vorher einstecke.

Ich habe gemerkt, dass Regeln mir helfen, besser durchzuhalten. Da ich mich in der Fastenzeit vegan ernähre, finde ich zum Beispiel oft keinen schnellen Snack. Dann esse ich einfach nichts - die wohl kalorienärmste Alternative.

Der Mitternachtsimbiss

Nach Bier und Cocktails gibt es für mich - jenseits der Fastenzeit - kaum etwas Schöneres, als mit den Jungs in der Dönerbude den drohenden Kater abzuwenden. Fettig und salzig - so schmeckt es dann am besten. Klar ist das eine bescheuerte Idee, auf die Kalorien der Drinks auch noch den Mitternachtsimbiss zu laden. Reine Selbstsabotage! Aber es ist halt lecker und wenn man einen im Tee hat, ist oft alles egal.

Mir hat es geholfen, meine Freunde in mein Abnehmvorhaben einzuweihen. Mittlerweile nehmen sie es auch ernst. Statt blöder Sprüche bekomme ich jetzt Unterstützung, nicht schwach zu werden. Sicher wäre es noch effektiver, auch den Alkohol wegzulassen, aber ich finde, man muss sich nicht immer Sündiges verbieten. Schließlich will ich nicht schlank und frustriert, sondern fit und glücklich sein.

Schlemmereien am Wochenende

Sonntagsbrunch mit der Familie, üppige Kuchenbüfets bei Geburtstagsfeiern, die verlockende Speisekarte beim Essengehen - alles klassische Wochenend-Kalorienfallen. Früher bin ich in jede getreten und habe gefuttert, als gäbe es kein Morgen.

Morgen gibt es aber, und gerade am Wochenende habe ich das massiv im Kopf, denn montags geht es immer auf die Waage. Dass ich jede Woche meine Entwicklung im Abnehm-Tagebuch dokumentiere , hat mir geholfen, so mancher Schlemmerei zu widerstehen.

Die Bratwurst beim Sport

Seit Beginn meines Projekts ist jedes Live-Sportevent eine Herausforderung. Ich liebe Sportveranstaltungen! So oft wie möglich bin ich im Stadion oder in der Sporthalle und freue mich über die Spannung, die jubelnden Fans - und auf die Bratwurst mit Bier. Leider ist diese Kombi alles andere als sportlich.

Der Duft vom Grill hätte mich oft fast einknicken lassen. Aber bisher habe ich bei Fußball, Handball und Basketball immer durchgehalten. Könnte auch geholfen haben, dass Freunde dabei waren und mir - Bratwurst essend - den Imbiss ausgeredet haben.

Die Chipstüte auf dem Sofa

Bei Regen, Kälte und Wind habe ich oft keine Lust zum Walken oder Bouncen . Auch nach einem langen Arbeitstag kann meine Motivation im Keller sein. Wie schön wäre es dann, sich einfach aufs Sofa fallen zu lassen und die Chipstüte oder die Schokoladenvorräte zu plündern.

Ich habe für mich eine kleine Regel aufgestellt: Das gemütliche Entspannen muss ich mir durch Bewegung verdienen. Also geht es meist doch raus ins Mistwetter. Für die düstersten Tage habe ich mir einen Crosstrainer für die Wohnung geholt , sodass ich damit mein Tagespensum erreiche. Schöner Nebeneffekt: Nach dem Sport ist das Sofa sogar noch bequemer.

Aber Chips und Schoki gibt's trotzdem nicht. Einfachstes Mittel: gar keine Vorräte im Haus haben. Und wenn der Naschhunger dennoch zu groß wird, gibt es etwas Obst, einen Joghurt oder ein paar Nüsse.

Die Ess-Belohnungen

Zu Anfang meines Abnehmprojekts habe ich zuckerreiche Getränke, Süßigkeiten, Pommes, Pizza und Burger weggelassen. Eine Sünde pro Woche habe ich mir dennoch gegönnt. Bis September habe ich diese Ernährungsrichtlinien strikt durchgezogen.

Aber als dann 45 Kilo runter waren, hatte ich das Gefühl mir öfter etwas "gönnen" zu können. Aus "öfter" wurde schließlich "dauernd", und ich war wieder in meinen Trott des Frustessens geraten.

Die Folge war eine Abnehmstagnation von fast einem halben Jahr, in dem ich sogar etwas zunahm - und das trotz straffen Sportprogramms. Es wäre besser gewesen, wenn ich meinem Körper zum Beispiel ein heißes Bad oder eine Wellnessbehandlung für meine fleißigen Füße gegönnt hätte statt Süßigkeiten.

Dank meines veganen Selbstversuchs in der Fastenzeit bin ich beim Essen wieder disziplinierter geworden und suche meine Belohnungen nicht mehr nur beim Essen. Und schon klappt es auch wieder mit dem Abnehmen.

SPIEGEL TV Magazin: Klotzbier auf dem Weg zum Marathon

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