Waage, Fitnesstracker, App Was hilft wirklich beim Abnehmen?

Ex-160-Kilo-Mann Micha Klotzbier hat viele Abnehm-Helfer ausprobiert. Welche ihn beim Abnehmen unterstützt haben und welche nicht.
Unterwegs: "Statt irgendwo hinzufahren, um Sport zu treiben, bin ich einfach vor die Tür gegangen"

Unterwegs: "Statt irgendwo hinzufahren, um Sport zu treiben, bin ich einfach vor die Tür gegangen"

Foto: Micha Klotzbier

Waagen

Anfang Januar 2015 habe ich 160 Kilo gewogen. Die Waage zeigte etwas anderes an: OL - Overload. "Überlastung". Viele Geräte haben Obergrenzen. Es ist ein beschämendes Gefühl, selbst für die Waage zu schwer zu sein.

Zum Glück habe ich anfangs schnell abgenommen und wusste dann genau, wie viel ich auf die Waage brachte. Und nicht nur das. Die Waagen heute sind kleine Computer. Sie messen den Puls, den Körperwasseranteil oder die Raumluft. Selbst die Entwicklung meines "viszeralen Bauchfetts" konnte ich verfolgen - online oder per App. (Das ist leider weniger spannend, als es sich anhört.)

Anfangs habe ich mich so oft wie möglich gewogen: morgens, abends, zwischendrin. Vor dem Sport, nach dem Sport. Zu dem Datenwust kommt, dass ich zu einem Zeitpunkt fünf verschiedene Waagen hatte, die alle etwas anderes angezeigt haben. Bis zu 1,5 Kilo Unterschied! Die liebste war mir die mit dem niedrigsten Wert.

Mittlerweile habe ich beim Wiegen abgespeckt. Einmal pro Woche auf einer einzigen Waage ist genug. Sie soll mein Gewicht feststellen und den Fettanteil anzeigen. Das reicht mir. Es geht ja um Reduktion.

Micha Klotzbier auf der Waage: Zum Anfang zeigte sie nur "Overload" an

Micha Klotzbier auf der Waage: Zum Anfang zeigte sie nur "Overload" an

Foto: Micha Klotzbier

Fitnesstracker

Früher konnte ich meine täglichen Schritte fast an zwei Händen abzählen: vom Bett ins Auto zur Arbeit, zur Mittagspause ins Auto, auf die Couch, wieder ins Bett.

Trotzdem hat mir anfangs ein Schrittzähler sehr geholfen, weil ich mir das erste Mal bewusst gemacht habe, wie passiv ich war. Von den 10.000 Schritten, die man so pro Tag machen sollte, war ich weit entfernt.

Mit steigendem Fitnessstand wollte ich mehr über meine Aktivität wissen. Es gibt tolle "Wearables" - Geräte wie Fitness- oder Aktivitätstracker -, die neben Herzfrequenz und Tempo auch messen, ob die Sporteinheiten im optimalen Fettverbrennungspuls liegen und somit effektiv sind.

Aber auch hier gilt: Manchmal ist weniger mehr. Nicht mit allen Daten kann man etwas anfangen. Manches überfordert einfach nur. Ich habe viele Fitnesstracker ausprobiert, bis ich den gefunden habe, der für mich die essenziellen Dinge anzeigt. Meine Empfehlung: klein anfangen und die Geräte je nach Bedarf mit Umfang der Funktionen langsam steigern.

Apps

Um sich nicht gleich teure Fitnesstracker oder GPS-Uhren kaufen zu müssen, bieten Apps erst einmal eine gute Alternative, um seinen Leistungsstand und die Entwicklung zu dokumentieren. Anfangs habe ich meine Radfahrten ins Büro und meine Nordic-Walking-Einheiten mit einer Tracking-App aufgezeichnet. Das war hilfreich.

Derzeit bin ich auf der Suche nach einer geeigneten Ernährungstagebuch-App. Ich habe einige ausprobiert, es aber nie länger als eine Woche damit durchgezogen. Die Auswahl ist endlos. Es dauert, das ideale System zu finden. Manchmal ist es vielleicht einfacher, alles ganz banal mit einem Stift in ein Buch zu schreiben.

Literatur

Als ich motiviert war, mich zu bewegen, wollte ich auch viel lesen. Ich war auf der Suche nach Ratgebern, die mir Hilfestellung bei Training und Ernährung geben: Motivationsbibeln, Erfahrungsberichte von Sportlern, Promis und Lebenskünstlern. Das Angebot ist riesig.

Mehr als zehn Bücher habe ich zu Hause strategisch verteilt. Im Wohnzimmer, am Esstisch, am Bett, an der Badewanne und sogar auf der Toilette habe ich Lesestoff platziert. Wirklich lesen tue ich zwar nicht viel, aber immerhin blättere ich hin und wieder drin rum. Ich muss einige entsorgen, sonst verliere ich mich im Bücherdschungel.

Selbst meine eigenen Aufzeichnungen  habe ich mir jetzt, wo es nicht so gut läuft, durchgelesen. Es hilft, um zu erkennen, wie es vergangenes Jahr um diese Zeit um mich stand. Dadurch konnte ich mir bewusst machen, welche Fortschritte ich gemacht habe, obwohl es sich gerade nicht so anfühlt. Gedanken und Gefühle über Fortschritte und Rückschläge aufzuschreiben, ist hilfreich. Man vergisst so leicht, was man schon erreicht hat.

Fitnessgeräte

Ich bin in der Vergangenheit ein typisches Fitnessstudio-Mitglied gewesen: Ich habe monatlich bezahlt - und bin nie hingegangen.

Statt irgendwo hinzufahren, um Sport zu treiben, bin ich einfach vor die Tür gegangen. Mein Fahrrad und meine Nordic-Walking-Stöcke waren meine Lieblingsfitnessgeräte. Mit ihnen habe ich mich zurück in ein sportlicheres Leben gekämpft. Die Schwimmnudel ist auch unterschätzt als Fitnesstool. Sie hat mir gute Dienste geleistet.

Ein echtes Fitnessgerät habe ich mir aber nach Hause geholt. Auf meinem Crosstrainer  trainiere ich zwei bis vier Mal pro Woche. Der Stepper allerdings verstaubt unterm Bett. Da liegt auch die Matte für die Stabilisationsübung. Ich muss einen anderen - sichtbaren - Platz dafür finden. Vielleicht motiviert mich das mehr.

Da die Anschaffung solcher Geräte finanziell nicht ganz unerheblich ist, sollte man sich genau überlegen, was man braucht, damit sie nicht zu teuren Kleiderständern verkommen.

Wie es mit Michael Klotzbiers Marathon-Vorhaben weitergeht, lesen Sie in regelmäßigen Abständen auf SPIEGEL ONLINE und auf Michas Abnehm-Blog  bei achim-achilles.de.

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