Ex-160-Kilo-Mann Das Wichtigste beim Abnehmen ist das Bauchgefühl

Micha Klotzbier hat schon viel erreicht beim Abnehmen. Aber er kommt einfach nicht unter die 100-Kilo-Grenze. Nun stellt er sich die Frage: Warum verzichten wir auf Dinge, die uns guttun?

Klotzbier beim Wiegen
Michael Klotzbier

Klotzbier beim Wiegen


Alle Jahre wieder - kommt die Überraschung im Januar. Nämlich die Erfahrung, dass der Winter immer noch da ist und wohl auch noch eine Weile bleibt.

Jedes Jahr denke ich: Die Weihnachtszeit ist die ernährungstechnisch schlimmste: Wenn Plätzchen, Dominosteine und Gänsebraten gefühlt an jeder Ecke lauern. Dann realisiere ich jedes Mal, dass Januar und Februar die Monate sind, die auf der Waage weh tun. 112 Kilo zeigt sie derzeit an. Die U100 sind ein Traum - aber weit entfernt.

Wenn ich ehrlich bin, warte ich in diesen Monaten eigentlich darauf, dass der Frühling kommt - um dann festzustellen, dass ich was für die Figur und Fitness hätte tun sollen. Erst wenn die fette Daunenjacke ausgezogen ist, merkt man, dass es nicht nur die Winterkleidung war, die die Bewegung eingeschränkt hat. So war es die vergangenen Jahre immer.

Aber 2017 soll es anders laufen. Abnehmen ist ein Ganzjahr-Vorhaben.

Früher dachte ich immer, dass ich abnehmen muss, um den Marathon zu schaffen. Aber eigentlich ist das Abnehmen an sich der Marathon. Ich bin Ende des vergangenen Jahres selbst im November und Dezember "durchgelaufen". Doch trotz des Sports komme ich seit mehr als einem Jahr nicht in die Nähe der 100-Kilo-Grenze. Irgendwas hält mich ab - ich habe noch nicht herausbekommen, was es ist. Dabei habe ich schon viel probiert:

  • Ernährungstagebuch: Ist nichts für mich, war einfach zu aufwendig.
  • Vegane Ernährung: Sechs Kilo weniger in sechs Wochen - was super war, aber auf Fleisch und Milch möchte ich langfristig nicht verzichten.
  • Mentales Training: War eine spannende Erfahrung, aber hatte keinen direkten Effekt auf die Speckröllchen. Vielleicht aber langfristig interessant.
  • Low Carb: Abends vor dem Fernseher habe ich auf Chips, Süßigkeiten und Limo verzichtet. Das Abendbrot habe ich kohlenhydratarm zubereitet. Das war gut, erfordert aber Disziplin. Muss ich wieder einführen.

Mein erster Vorsatz: Öfter rausgehen

Wenn ich mich selbst analysiere, dann merke ich: Das Wichtigste beim Abnehmen ist das Bauchgefühl. Es bringt nichts, sich zu Dingen zu zwingen, die man partout nicht tun will. Das geht vielleicht für eine Weile gut, als Mittel zum Zweck. Aber irgendwann melden sich das Unterbewusstsein, der Unwillen und die Lebensfreude. Und damit der Jo-Jo-Effekt.

Derzeit bin ich dabei, für mich das Jahr durchzuplanen. Zwar fehlt mir momentan der Drive, irgendein großes Ziel auszurufen. Aber ich fühle, dass ich einen Rahmen brauche. Ich brauche eine Herausforderung, einen Wegweiser. Ich habe ihn bloß noch nicht gefunden.

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Mission Marathon: Micha Klotzbiers Training

Wenn es mir schlecht geht, gebe ich mich auch meinen Lastern mehr hin. Um die eingefahrenen Muster zu durchbrechen, muss ich mich auf das besinnen, was meine Stärken sind. Auf das, was mir Freude macht und wozu ich mich nicht drängen muss.

Ich habe das Gefühl, im Januar und Februar ziehen sich alle in ihr Schneckenhaus zurück und warten im stillen Kämmerlein auf Sonne und milde Temperaturen. Viele halten Winterschlaf. Ich bin auch so. Immerhin bin ich mir dessen jetzt bewusster als früher. Mein erster Vorsatz: öfter rausgehen, egal bei welchem Wetter.

Menschen treffen, sich verabreden zum Laufen, Walken und Schwimmen. Einfach machen.

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Abnehmen mit Spaß und ohne Diät-Plan

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Neulich war ich wieder mal beim gotorun-Mannschafts-Lauftraining. Es tat gut, die müden Knochen mal wieder ein wenig in Wallung zu bringen. So gerne ich meine regelmäßigen Walking-Einheiten alleine auch habe, ich merke immer wieder, dass ich ein Teamplayer bin. Ich mag es einfach, mit anderen Menschen zu schnacken und Sport zu treiben. Das werde ich wieder öfter forcieren.

Ich habe mich daran erinnert, mit welchem Motto ich Anfang 2015 meine U-100-Mission begonnen habe: Abnehmen mit Spaß. Ich wollte kein verbissenes Kalorienzählen, keinen asketischen Lebensstil und freudlose Hungerei. Ich wollte Bewegung, Dynamik, Freude -und nebenbei abnehmen. Hat auch super geklappt die ersten neun Monate. Satte 50 Kilo habe ich so verloren.

SPIEGEL TV Magazin (25.09.2016)

Mein zweiter Vorsatz ist: Besinne dich auf deine Stärken

Das Beste beim Dünnerwerden ist die neu gewonnene Bewegungsfreiheit. Abnehmen macht dann Spaß, wenn es klappt. Wenn man auf seinem Übergewicht hängen bleibt, macht man sich Vorwürfe, fühlt sich wertlos - das schlägt aufs Gemüt und aufs Gewicht.

Mein zweiter Vorsatz ist: Besinne dich auf deine Stärken und wirklichen Vorlieben.

Ich weiß, dass mir Fast Food schlechter bekommt als selbst zu kochen. Ich weiß, dass zwei Stunden Fernsehen am Abend plus eine Tüte Erdnussflips mir nicht guttut. Ich weiß, dass ich Stunden brauche, um Cola und zuckerhaltige Limonade wieder abzutrainieren. Ich weiß das alles. Dafür brauche ich keine Ratgeberbücher und Gesundheitsgurus. Die Frage ist nur: Wie oft handele ich gegen mein eigentliches Wissen und Gewissen?

Wir betonen immer, wie schwer es sei, auf leckere Dinge wie Schokolade und Kuchen zu verzichten. Wieso verzichten wir dann so oft auf Bewegung, Sport und gutes, bekömmliches Essen, obwohl jeder von uns weiß, dass wir uns danach immer besser fühlen und dass es uns gut tut?

Die Antwort ist vielleicht: Weil wir Anstrengendes vermeiden wollen. Abnehmen ist aber anstrengend. Doch entscheidend ist, das zu tun, was uns wirklich Spaß macht. Dann läuft auch das Abnehmen von alleine. Oder?

Soweit die Theorie. Jetzt kommt die Praxis.

Wie es mit Michael Klotzbier weitergeht, lesen Sie in regelmäßigen Abständen auf SPIEGEL ONLINE und auf Michas Abnehmblog.

insgesamt 66 Beiträge
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Seite 1
bigsam 20.01.2017
1. Mehr Muskeln zulegen
Mein Tipp: Jetzt mit Krafttraining beginnen (oder forcieren) so dass die Muskeln wachsen. Denn mit mehr Muskeln steigt der Grundumsatz, und nur dadurch nimmt man langfristig ab. Auch wenn durch Muskelaufbau das Gewicht ein bisschen steigt, langfristig das einzig Gescheite. Und ich weiss wovon ich spreche, ich bin jetzt in einem Jahr von 150 Kg auf 125 Kg runter. Für die nächsten 25 Kg lass ich mir aber 2 Jahre Zeit. So kann sich der Körper auch an das fehlende Gewicht anpassen.
B!ld 20.01.2017
2. Zu #1
Zitat von bigsamMein Tipp: Jetzt mit Krafttraining beginnen (oder forcieren) so dass die Muskeln wachsen. Denn mit mehr Muskeln steigt der Grundumsatz, und nur dadurch nimmt man langfristig ab. Auch wenn durch Muskelaufbau das Gewicht ein bisschen steigt, langfristig das einzig Gescheite. Und ich weiss wovon ich spreche, ich bin jetzt in einem Jahr von 150 Kg auf 125 Kg runter. Für die nächsten 25 Kg lass ich mir aber 2 Jahre Zeit. So kann sich der Körper auch an das fehlende Gewicht anpassen.
Sehr gute Idee, wäre auch mein Tipp: stärkt auch das Bauchgefühl - und man sieht nicht mehr wie ein Mehlsack aus.
langenscheidt 20.01.2017
3. Wieder einer...
... der sich depressive Ziele steckt. Statt auf sich zu achten, viel Sport bis zum Erbrechen. Statt das Erreichte als Sieg und Freude ins Gehirn zu meisseln wird sich gegeisselt, keine Erdnussflips essen, nicht Fernsehen, kein Eis zu schlemmen, zu wenig sich zu bewegen. In welcher Bibel steht geschrieben, dass man so schnell wie möglich sein depressiv machendes Zielgewicht erreichen muss?
jens.andresen667 20.01.2017
4. Mein Tipp….
Wie der erste User schon schrieb. Muskelhypertrophie anregen durch gezieltes Muskelaufbautraining. Jede Zelle hat kleine Kraftwerke, die fleißig verbrennen. Eine vergrößerte Muskulatur bedeutet platt gesagt mehr Umsatz. Und…. rigoroser Verzicht auf Süßes und Knabberzeug. Dafür mal einen Smoothie mit Proteinsupplement (hier auf Hersteller und Dosierung achten, dh. Überdosierung unbedingt vermeiden). Konzentriertes Eiweiß sättigt.
Newspeak 20.01.2017
5. ...
Wer sagt denn, daß es U100 sein muß. Sollte das erste Ziel nach einem so starken Abnehmen nicht sein, daß Gewicht, auch wenn es Ü100 ist, zu halten und gut ist? Und wieso, nicht als Ausrede, denkt man nicht daran, daß man evtl. seinen eigenen Stoffwechsel, Darmflora, Genetik einfach nicht verändern kann? War denn U100 früher das Normalgewicht? Hat man altersbedingtes Zunehmen um ein paar Kilo einberechnet?
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