Nutzlos mit Nebenwirkungen Abnehmpillen fallen bei "Öko-Test" durch

Einmal "befriedigend", achtmal "mangelhaft", alle anderen "ungenügend": Das ist das ernüchternde Ergebnis eines Schlankheitsmittel-Tests der Zeitschrift "Öko-Test". Kein Mittel hilft zuverlässig.

Tablettenpackung (Symbolbild)
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Tablettenpackung (Symbolbild)


Nach den Feiertagen ganz leicht abspecken, ohne Hunger, ohne Sport? Das verheißen viele Abnehmpräparate. Ein Test der Zeitschrift "Öko-Test" zeigt jedoch: Die Wirkung ist in den meisten Fällen nicht ausreichend bewiesen. Einige Pillen können der Gesundheit sogar schaden.

Die Tester untersuchten 21 Präparate, die Apotheken, Drogerien und Discounter verkaufen. Keines konnte richtig überzeugen. Nur ein Mittel bewerteten die Tester als befriedigend, acht weitere bekamen die Note mangelhaft, alle anderen wurden sogar als ungenügend eingestuft.

Die getesteten Mittel setzen unterschiedlich an: Der Wirkstoff Orlistat etwa hemmt die Spaltung der Fette im Dünndarm. Dadurch soll der Körper weniger Kalorien aufnehmen. Es ist der einzige Wirkstoff, dessen Wirksamkeit ansatzweise belegt ist, schreiben die Tester. Ein dauerhafter Erfolg stellt sich allerdings nur ein, wenn die Einnahme mit einer Änderung des Lebensstils kombiniert wird. Stellt sich die Frage, ob die Änderung des Lebensstils entscheidend ist - nicht die Pille. Das entsprechende Produkt bewerteten die Tester mit "befriedigend".

Zudem kann das rezeptfreie Präparat zur Gefahr werden: So warnen Wissenschaftler vor Nebenwirkungen mit anderen Medikamenten. Krebsmittel drohen beispielsweise ihre Wirkung zu verlieren, wenn die Patienten gleichzeitig Abnehmpillen schlucken, die Orlistat enthalten.

Acht weitere getestete Produkte sollen Nahrungsfette binden, sodass der Körper sie nicht nutzen kann. Andere verbrennen angeblich Fett. Ausreichend bewiesen sei beides nicht, bemängeln die Tester. Die übrigen Diätpillen setzen auf eine sättigende Wirkung. Das könne eine Gewichtsabnahme zwar erstmal begünstigen, so die Tester. Langfristig helfe es aber nicht dabei, schlank zu bleiben.

Kaum Kontrolle, kein Wirksamkeitsnachweis

Doch nicht nur die Wirkung der Diätpillen ist umstritten, immer wieder warnen Mediziner vor gefährlichen und teilweise illegalen Schlankheitsmitteln:

  • 2013 hatte beispielsweise das Gesundheitsministerium in Nordrhein-Westfalen die giftige Substanz DNP in Pillen aus dem Internet entdeckt. DNP kann zu Atemnot und Multiorganversagen führen - im schlimmsten Fall sogar zum Tod.
  • Weitere vermeintliche "Fatburner" sind Pillen mit dem Wirkstoff Synephrin. Sie werden im Internet als wahre Wunder im Kampf gegen Übergewicht angepriesen - doch dabei können sie lebensgefährlich werden: Als Nebenwirkungen sind etwa gefährliche Blutdruckerhöhung, akute Herzerkrankungen und psychische Erkrankungen zu befürchten. 2006 wurde Synephrin in angeblich harmlosen pflanzlichen Abnehmpillen aus China entdeckt - und das in deutlich höheren Mengen, als der Stoff in Deutschland in verschreibungspflichtigen Medikamenten zugelassen ist.
  • In den Neunzigerjahren kam es bei etwa Hundert jungen Frauen aus Belgien zu rätselhaftem Nierenversagen, nachdem sie vermeintlich harmlose pflanzliche Schlankheitspillen aus China eingenommen hatten. Das hochtoxische chinesische Heilkraut war offenbar zu hoch dosiert.
  • In den Siebzigerjahren kam das Diabetesmedikament Mediator auf den Markt, das auch als Appetitzügler verschrieben wurde. Allein in Frankreich sollen mindestens 500 Menschen gestorben sein, weil sie Mediator schluckten. Andere Schätzungen gehen sogar von bis zu 2000 Opfern aus. Insgesamt sollen etwa fünf Millionen Menschen das Mittel eingenommen haben. Mediator ist seit 2009 europaweit verboten.

Generell gelten viele Abspeckpillen nicht als Arzneien, sondern als Nahrungsergänzungsmittel. Deshalb brauchen sie keine Zulassung, um auf den Markt zu kommen und werden auch nicht wie Arzneimittel auf ihre Unbedenklichkeit oder ihre Wirksamkeit und Qualität geprüft. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt deshalb eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und ausreichend Bewegung statt vermeintliche Diät-Wunderpillen.

koe/dpa

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