Achilles' Verse Gute Vorsätze? Lieber nicht

Mehr Sport, weniger essen, nur noch Salbeitee trinken? Sorry, alles Quatsch. Gesunde Pläne für 2015 machen Stress, aber kein bisschen fitter. Achim Achilles hat die schlechtesten guten Vorsätze aufgelistet.

Den Horizont vor Augen: Mehr Sport gehört jährlich zu den beliebtesten Vorsätzen
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Den Horizont vor Augen: Mehr Sport gehört jährlich zu den beliebtesten Vorsätzen


1. "Ich treibe mehr Sport"

Der Klassiker im Vorsatz-Ranking. Deswegen sind Fitnessstudios in den ersten beiden Wochen des neuen Jahres auch brechend voll. Dann wird's aber schnell wieder ruhiger. Denn "mehr Sport" ist ein denkbar schlechter Vorsatz, weil er viel zu beliebig ist. Viel besser sind konkrete Pläne mit klarem Nutzen. Beispiel: "Ich lerne 2015 Boxen, weil es mir Spaß, Fitness und Aggressionsabbau bringt".

2. "Im Frühjahr laufe ich einen Marathon"

Gerade Sportmuffel machen den klassischen Fehler und überschätzen sich bei ihren Vorsätzen - womit fast automatisch eine Überforderung einhergeht. Langsam sollte sich herumgesprochen haben, dass die Versprechen der Fitnessmagazine ("Sixpack im Schlaf") schlichtweg Unsinn sind. Wer länger nicht trainiert hat, darf sich ein ganzes Jahr Vorbereitungszeit für einen Marathon nehmen, gern auch zwei. Denn wer zu schnell zu hart trainiert, kommt nicht ins Ziel - sondern zum Physiotherapeuten auf die Pritsche und danach zum Psychologen wegen des Sport-Burnouts. Gibt es wirklich. Deswegen: "Bis zu den Sommerferien renne ich fünf Kilometer am Stück" - das ist Heldentat genug.

3. "Ich will abnehmen"

Hammer-Vorsatz. Noch nie gehört. Und jetzt die Preisfrage: Warum klappt's wohl so selten? Ganz einfach: Weil die Ziele zu ambitioniert sind, die Gewohnheiten zu stark und die Depression umso stärker, wenn die Waage nach den ersten beiden Gemüsetagen immer noch keine Reaktion zeigt. Auch hier gilt: Wandel braucht Zeit. Und Spaß. Also: Zuerst mal auf den Körper hören. Was tut ihm gut? Ist 24/7 vegan wirklich dauerhaft zu ertragen? Oder sollte man nicht erst mal eine kleine vegetarische Mahlzeit pro Tag versuchen? Ganz wichtig: Mitstreiter suchen. Gemeinsam leidet es sich einfach netter.

4. "Nie wieder Süßigkeiten"

Klar. Und Achilles läuft 2015 Marathon-Weltrekord. Also bitte realistisch bleiben. Beim Plan, das Zuckerzeug zu reduzieren, helfen Facebook, Twitter und alle anderen digitalen Schwatzrunden. Wer bei jeder süßen Sünde ein Foto macht und postet, erntet seinen privaten kleinen Shitstorm. Na gut, manche lassen sich gern als Weichei beschimpfen. Aber der Effekt ist dennoch heilsam: Das kurze Nachdenken über den nächsten Schokoriegel schafft schon mal Bewusstsein. So werden Automatismen durchbrochen. Und aus drei ganzen werden vielleicht zwei halbe Riegel pro Tag.

5. "Ich kaufe weniger Schrott"

Auch wenn die Wirtschaftsweisen aufheulen, weil der Binnenkonsum ja angeblich den Standort Deutschland dauerhaft vor dem Untergang rettet - die ganze Geschenke-Orgie zu Weihnachten hat uns wieder mal verdeutlicht: Wir haben genug. Von allem. Die Schränke sind voll. Der Kopf auch. Entmüllen ist der cleverste Schritt zu mehr Gesundheit im neuen Jahr. Wer weniger hat, muss sich auch um weniger kümmern. So bleibt Zeit zum Trainieren, vor allem aber zum Regenerieren, den beiden wichtigsten Faktoren für ein glücklicheres Leben. Das Problem: Der geplante Konsumverzicht fällt in der ersten Woche des neuen Jahres noch ganz leicht, man zehrt halt noch vom Fest. Aber dann kommen die alten Gewohnheiten wieder durch. Und die One-Click-Bestellung ist ja so verlockend. Deswegen könnte der schlauere Vorsatz lauten: Nur noch im echten Geschäft kaufen. Und mit Bargeld bezahlen, also diesen bunten Papierstücken, von denen sich der Mensch ungern trennt.

6. "Ich will mehr Zeit für mich haben"

Na klar, wollen wir alle. Und warum klappt es nicht? Weil wir irre viel Zeit vertrödeln - zum Beispiel mit dem Smartphone. Ist es unhöflich, eine Mail oder SMS nicht sofort zu beantworten? Nein, aber lebensverlängernd, weil man sich nicht jeden sinnlosen Stress zumutet. "Digital detox" heißt das Zauberwort und hat mit behutsamer Suchttherapie zu tun. Natürlich kann man das Handy nicht gleich wegwerfen. Aber die Öffnungszeiten lassen sich optimieren. Müssen wir wirklich direkt nach dem Aufstehen den ganzen überflüssigen Kram im Netz checken? Natürlich nicht. Also lautet der gute Vorsatz: Morgens 15 Minuten eigene Zeit, egal ob zum Dösen, Musik hören oder Gymnastik machen. Und erst beim Schließen der Haustür die kleine digitale Terrormaschine anschalten. Zweite Stufe: Dem Router fürs heimische W-Lan per Zeitschaltuhr spätestens um 21 Uhr den Saft abdrehen. Und den Fernseher gleich mit. Und dann rasch noch mal stramm um den Block marschiert. Irre, wie viel Zeit auf einmal ist. So wird das Heim zur Wellness-Farm.

insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
helianthe 31.12.2014
1. Was tun?
ausser den mit dem Marathon könnte ich alle nehmen. Allerdings ist wären der Rest die Grundvoraussetzung für den Marathon.Also mach ich es wie jedes Jahr, ich nehme mir gar nichts vor.Das zieh ich dann aber konsequent durch.Frohes Neues!
opa klaus 31.12.2014
2. Alle Jahre wieder
Sylvester nehme ich mir immer vor, das nächste Sylvester zu feiern. So werde ich ein Jahr älter!
norman.schnalzger 31.12.2014
3. Passt alles
bis auf 5. Brauch nämlich garantiert noch unzählige Compressionsklamotten, die meinen eh schon überquellenden Schrank füllen und ich eh immer dieselben anhab. Ok, greif mr's an! Danke für eine schöne Kolumne mit viel Selbstironie, die ich sehr schätze.
georg1of9 01.01.2015
4. Vielen Dank, Achim. Darf ich eine kurze Zusammenfassung hier bezüglich Ihrer Empfehlungen für das Jahr 2015 hier postulieren?
Bewegen wir uns im Mittelmass, dann wird alles besser. Dem ist leider nicht so. Absolution von Lastern wird im Katholizismus gepredigt. Aber bitte nicht auf spiegel.de. Die Leser hier haben die Wahl zwischen einem gesundem Jahr 2015 oder sagen wir mal etwas anderem. Und btw: dieser Artikel war nicht von Achim Achilles. Ich erkenne Copycats. Dies war kein Artikel von Achim. Und dies war keine gute Empfehlung für eine gesunde Ernährung und Lebensweise im Jahr 2015.
georg1of9 01.01.2015
5. Was sind Ihre Vorsätze für 2015?
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