Achilles' Verse Waldläufer sucht Dixi

U-Turn ins Unterholz: Es sollte eine lockere Trainingsrunde auf Waldwegen werden, doch dann meldet sich bei Achim Achilles die Verdauung. Zum Glück gibt es Gebüsche. Aber was tun im Großstadtdschungel?

Joggingrunde durch den Wald: Darm wie ein Hooligan
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Joggingrunde durch den Wald: Darm wie ein Hooligan


Google ist böse: Kurz nach meinem letzten Streit mit Mona ... worum ging's eigentlich noch mal: Trainingszeiten? Wettkampfplanung? Aminosäurespuren in der Küche? ... wurden mir Anzeigen für Entzugskliniken zugespielt. Offenbar hatte ich missverständliche Begriffe in meine Klagemails an die Kumpels und das Suchfenster eingegeben. Mona dagegen bekam Reklame für Seitensprungagenturen. Hmm, was könnte sie ihren Freundinnen gemailt oder selbst gegoogelt haben?

Individualisierte Online-Anzeigen sind unbestechliches Indiz, wie einen das Internet kategorisiert. Ich würde gern sportlich, dynamisch und entspannt wahrgenommen werden. Klappt weder bei Mona noch beim Internet. Neulich bekam ich Werbung für Slipeinlagen, nicht das Damenmodell, sondern ergonomisch individuell für den Herrn ab 50, wenn die körpereigenen Dichtungen langsam mürbe werden, wogegen Sägepalmenfrüchte und Brennnesselwurzel helfen soll, wie mir ein weiterer Banner verriet.

Feuchte Kälte von untenrum

Laufen im Wald ist für Männer mit Dichtungsproblemen ein idealer Sport. Schwimmen ginge auch. Beim Tischtennis oder Volleyball allerdings fällt es auf, wenn man das Training immer mal wieder unterbricht. Wahrscheinlich liegen die Dichtungsprobleme am Temperaturwechsel: Im Auto ist es schön warm, beim Aussteigen aber kriecht feuchte Herbstkälte gerade bei Dreiviertelhosen brutal von untenrum an die Organe. Vielleicht ist es auch der abrupte Wechsel des Horizonts, aus der Chill-Position im durchgesessenen Autositz in die koordinativ herausfordernde Aufrechte.

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Achilles' Verse: Die Welt, eine Laufstrecke

Oder es hat mit Bewegung zu tun, gerade frühmorgens. Der permanente Aufprall des Körpers wirkt sich unmittelbar organisch aus. Verschreckt zieht sich die Blase zurück und drückt auf den Darm. Und schon ist die angepeilte Trainingszeit wieder im Eimer. Meine Blase sorgt nicht für Ekstase, sondern für einen hammerharten U-Turn ins Unterholz. Und mein Darm hat den Charme eines Hooligans. Er brüllt einfach los. Jahrelang habe ich an die Ausnahme geglaubt. Passiert halt mal, dann und wann: Was Falsches gegessen, Trainingsangst, Feinstaub. Aber was in neuneinhalb von zehn Fällen geschieht, ist keine Ausnahme.

Zum Glück gibt es Wildschweine. Sie pflügen nicht nur den Wald sehr akribisch um, sondern hinterlassen in exkrementaler Solidarität jene Losung, die im Mittelalter als Wundermittel gegen Verstauchungen und Blasensteine galt, ohne Scheiß. Wo eine Rotte Wildschweine zugange war, muss sich der Mensch nicht schämen. Sind wir nicht alle Teil eines galaktischen Ökosystems? Und die Blätter sind auch noch halbwegs frisch. Und angenehm kühl.

Schloss vorm Dixi

Riskant ist dagegen der City-Lauf, vor allem in Berlin. Die Stadt ist eine Baustelle. Und wo Baustelle, da Dixi, leider oft mit einem Schloss gesichert. Stadtbäume wiederum stehen häufig allein, und der Boden ist auch nicht frisch gepflügt. Es gehört zu den Unergründlichkeiten des Läuferlebens, warum man ausgerechnet an einem Morgen, da Darm und Blase sich totstellen, an einem halben Dutzend blitzsauberer und unverschlossener Dixis vorbeikommt, sogar im Wald. Das macht doch jemand mit Absicht.

Ein Warnhinweis noch: hinterher unbeobachtet duschen. Denn manchmal liegt plötzlich ein Blattrest auf den Fliesen. Oder ein Stöckchen. Oder komische Krümel. Meine Gattin Mona guckt dann skeptisch interessiert. "Ist mir aus der Sohle gefallen", erkläre ich, auch wenn die Laufschuhe Luftlinie etwa zwölf Meter entfernt liegen. Gibt es bessere Ausreden? Unter den Fingernägeln kann soviel Waldrest kaum geklebt haben. Mona fragt, ob ich ein Schäferstündchen gehabt habe. Klar: Im Wald, bei vier Grad und Nieselregen? Das überlassen wir nun wirklich den Wildschweinen. Hoffentlich finden sie ein sauberes Plätzchen.

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insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
_unwissender 21.10.2015
1. Welche Frage ...
In den modernen Zeiten gibt es ganz einfache Regeln: wenn es genügend Profit abwirft, wird ein Klo-Häuschen hingestellt. Die Deutsche Bahn hat es an manchen Bahnhöfen schon vor ca. 20 Jahren gezeigt: Mr. Clean lässt die Kassen klingeln! Vielleicht ist das Ihre Marktlücke, Herr Achill: Jogging-Pisten umfassend mit Dixies ausstatten und pro Besuch ...
moritzmaxx 21.10.2015
2. über ... Dixies im Wald
darf man kommentieren - über Problem-Themen, die das Volk bewegen und betreffen NICHT !!! und jetzt bitte ganz schnell löschen, Sponredaktion, danke.
themistokles 21.10.2015
3. Sinn bzw. Aussage des Artikels?
Sorry, aber irgendwie erschließt sich mir der Sinn des Artikels nicht. Die ersten zwei Abschnitte beschäftigen sich mit dem "bösen Google". Warum und was hat das ganze mit körperlichen Bedürfnissen beim Joggen zu tun? Und der Rest. Anstatt ferkelhaft in der Großstadt irgendwo hinter Bäume oder Büsche zu sch*** oder die ach so ekligen Dixi- Klos zu benutzen, kann man auch einfach bei einem Café, Restaurants oder öffentlichen Einrichtungen höflich nach der Benutzung der Toilette fragen. Klappt wunderbar. Oder mal ein Tipp von Läufer zu Läufer: Einfach vor dem Workout auf´s Klo gehen. Das hilft! Ehrlich! Ich lese ja gerne die Kolumne, aber manchmal ist es einfach besser, nichts zu schreiben.
vincent1958 21.10.2015
4. Danke..
..in unserem Stadtwald gibt es keine wildschweine,aber Hunde mit Koprophagie.Tolles Gefühl,dem Hund zu Hause den Menschenkot aus den Zähnen zu puhlen.Ekelhaft.
hschmitter 21.10.2015
5.
Wer 2 Stunden seine inneren Organe nicht unter Kontrolle hat, ist vielleicht nicht zum Laufen geeignet. Und für einige andere Alltäglichkeiten auch nicht. Mir scheint, dem Autor nach gefühlten 100 Jahren die Themen aus - oder kommt in ein Alter, das von der Apothekenrundschau dominiert wird.
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