Achilles' Verse "Mein Hund tut das nicht"

Hundekot ist ein stetiges Ärgernis für Läufer. Achim Achilles will deshalb nicht alle Hundehalter verteufeln - also teilt er sie in verschiedene Kategorien ein.

Hundebesitzer sehen naturgemäß alles ein wenig anders
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Hundebesitzer sehen naturgemäß alles ein wenig anders


Nein, das warme, weiche Gefühl um den Fuß ist nicht schön. Läufer, die in einer Großstadt wohnen, müssen eine Viertelstunde Kotpuffer in ihrem Terminkalender vermerken.

Alle Hundehalter zu verteufeln wäre ungerecht. Es existieren gewaltige Unterschiede in Stil, Charme und Konfliktkompetenz. Hier sind die fünf wichtigsten Typen, die nur eines gemeinsam haben, nämlich diesen seltsamen Reflex: "Ich war's nicht. Meiner tut das nicht. Aber alle anderen."

Die Expertin

Hat offenbar Hundekunde im Master studiert, sinniert über die Vorzüge von Ginkgo-Beimischung im Trockenfutter. Bringt ihr Tier, meist ein total seltenes Hirtenmodell aus einem inzestuösen Pyrenäental, mit einem barschen Blick zur Ruhe und zum Sitzen. Hat das Tier eisenhart auf Gebüschgeschäfte trainiert.

Der Vorwärtsbeschwichtiger

Ist mit der Führungsaufgabe überfordert und kichert unablässig Entschuldigungen, die aus Floskelklassikern wie "macht er sonst nie", "nur spielen" oder "freut sich total" zusammengefügt sind. Verheddert sich in der Leine während Fiffi, meist ein neurotisches Modell vom Designerzüchter, auf die Kreuzung gesprintet ist, um für eine Karambolage mehrerer Radfahrer zu sorgen.

Der Brüllaffe

Allein ein skeptischer Blick auf den gelben Fluss, der sich quer übers Trottoir ergießt, reicht für eine Hasstirade. Das sei doch nur Urin, 100 Prozent Natur, so ein Schäferhund müsse halt auch mal, diese Tierfeindlichkeit sei Ausdruck für diese eiskalte Ellenbogengesellschaft, den ganzen Kapitalismus, die da oben machen ja doch was sie wollen, und alles geht den Bach runter. Der Psychologe würde Eskapismus infolge von Projektion diagnostizieren oder einfach nur Jähzorn - und feststellen, dass eine Hundetherapie auch nicht jedem hilft.

Die Schweigerin

Guckt weg, stellt sich taub und zerrt das pudelartige Knäuel durch die eigene Hinterlassenschaft. Nestelt an der Tüte, scheitert am Knoten, stellt die Fummelei an der nächsten Kreuzung ohnehin wieder ein. Komplett immun gegen jede Art von Debatte. Rütter, hilf!

Der Naturbursche

Trägt Janker und einen Plastikprügel, an dessen Ende ein zerkauter Weichgummiball eingequetscht ist. Was sagt es über den IQ eines Tieres, das sich begeistert ins Unterholz stürzt, um die mit Waldboden panierte Sabberkugel ein ums andere Mal zurückzubringen. Die letzte Stufe der Verdauung erledigt der Köter aus der Münsterländer-Kollektion natürlich mitten auf dem Waldweg, ist ja Natur.

Doch das Imperium schlägt zurück. Im Frühnebel wurden die ersten Jogger gesehen, wie sie noch vor Sonnenaufgang auf beliebten Hundehaltertreffpunkten hockten. Sollen die Viecher doch auch mal das Gefühl genießen, in was warmes Weiches zu treten. Und dann hopp in den frisch shampoonierten Kofferraum.

Schwitzen ist, wenn Muskeln weinen. Achim Achilles: "Keine Gnade für die Wade - Neues vom Wunderläufer"

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insgesamt 21 Beiträge
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InesH 13.10.2014
1. Welches Schweinchen hätten Sie denn gern? Wer rennt, hat Recht?
Lieber Herr Achilles, Sie propagieren Bewegung, Bewegung, Bewegung. Völlig in Ordnung. Völlig zu Recht. Blöderweise sind aber nicht alle Ihre Mitmenschen so gerade um die 50 oder so wie Sie, real 50, gefühlt aber Mitte 30. Und ein Spaziergang mit Hund ist besser als gar keine Bewegung. Vor allem für ältere Leute. So wie mich, knapp über Ihrem Alter. Ich persönlich finde es auch nicht prickelnd, wenn ich bei einer Wanderung auf einem schmalen Küstenweg (Breite ein Meter, rechts geht es über Steine senkrecht 3m runter) von einer Rotte Jogger und Nordic-Walker bunt gemischt von hinten über den Haufen gerannt werde und nach einem meiner Hunde noch mit dem Stock geschlagen wird. Weil es ein Hund ist. Nicht etwa, weil er gebellt oder gar geschnappt hätte oder ohne Leine war ... Jogger und Walker brauchen Platz. Und sie beschaffen sich diesen. Notfalls mit Gewalt. Und sie umlaufen munter die umgestoßene Frau. Es waren nur ein böse geprelltes Handgelenk und eine Schürfwunde am Knie bei mir. Und ein verständnisloses Hündchen. Den Ärger mit dem Hundekot in Städten verstehe ich allerdings. Das Problem habe ich auch auf dem Dorf. Machen Sie eine Dehnungspause, nehmen Sie den Kackehaufen des vor Ihren Augen kotenden Köters auf und drücken Sie diesen dem/der Besitzer/in die Hand. Plastiktüte ist gestattet und empfohlen. Ähnliches erledige ich hier auch mit Mitmenschen, welche nur durch den Fakt, dass ich mich erdreiste, mit zwei angeleinten Hündchen spazieren zu gehen, in Hektik verfallen. Da gehen nämlich gelegentlich die Fenster auf und ein geifernder Löwenzahnmörder und Rasen-mit-Nagelschere-Schneider bellen lauter als meine Hunde das je könnten ... Meine freundliche Frage, ob ich meinen eingesammelten Hundekot - ich schwenke da gerne die Tüte, denn ich sammle wirklich ein, das ist meine verdammte Pflicht - vorzeigen soll, hat meist nur ein zugeschlagenes Fenster zur Folge. Nicht immer, manchmal wird auch gelacht und freundlich verneint. Naja, inzwischen weiß man, was auch immer an Häufchen rumliegt, von meinen ist es nicht. Lieber Herr Achilles, rennen Sie nicht nur. Lachen Sie auch mal. Das hilft. Ehrlich! LG InesH
gott777 13.10.2014
2.
Ich bin meiner Stadt dankbar, dass sie in unserem Stadtteil nahezu an jeder dritten Ecke einen Hundetütenspender und Abfalleimer hingestellt hat. Auf den Gehwegen sieht man kaum einen Kothaufen. Irritierend finde ich es allerdings, dass ich praktisch jedes Vierteljahr ein "Dankeschön" von Wildfremden zugerufen bekomme, wenn ich, eigentlich selbstverständlich, den Haufen meines Hundes einpacke. Das zeigt mir, dass es auch in unserem gut ausgestatteten Viertel einige gibt, die zu faul oder sich zu fein zum Aufheben sind.
Kulifumpen 13.10.2014
3.
Zitat von gott777Ich bin meiner Stadt dankbar, dass sie in unserem Stadtteil nahezu an jeder dritten Ecke einen Hundetütenspender und Abfalleimer hingestellt hat. Auf den Gehwegen sieht man kaum einen Kothaufen. Irritierend finde ich es allerdings, dass ich praktisch jedes Vierteljahr ein "Dankeschön" von Wildfremden zugerufen bekomme, wenn ich, eigentlich selbstverständlich, den Haufen meines Hundes einpacke. Das zeigt mir, dass es auch in unserem gut ausgestatteten Viertel einige gibt, die zu faul oder sich zu fein zum Aufheben sind.
Da ist Ihre Stadt wirklich super. Das habe ich mir als Hundebsitzer immer gewünscht aber gut. Wir heben trotzdem alles auf. Im übrigen ist es bei uns (Kleinstadt/Dorf) auch nicht angenehm und ich musste schon des Öfteren die netten Nachbarn darum bitten, die Hinterlassenschaften ihrer Hunde mit aufzuheben. Ich biete dann auch gerne unsere Mülltonne an bzw. einen schwarzen Plastikbeutel. Es ist nur absolut ärgerlich (gerade jetzt im Herbst) wenn man das Laub hakt und dann einsammelt, dies nicht ohne Handschuhe tun zu können bzw. selbst mit Handschuhe in etwas sehr unangenehmes zu greifen. Die Kolumne ist ja durchaus übersptitzt gemeint, jedoch gibt es auch unter den Läufern mehr als genug "nette Menschen". Ich würde mir des Öfteren einfach mehr Rücksicht und Mitdenken von allen Mitmenschen wünschen, dann hätten wir weniger Probleme in der Gesellschaft.
undjetzt?! 13.10.2014
4.
Ich jogge ebenfalls sehr gerne - übrigens oft auch zusammen mit meinem Hund. Das macht nicht nur mehr Spaß, sondern gibt abends auch ein sichereres Gefühlt. Und ja, natürlich immer mit Beustelspender-Box an der Leine, denn das Einsammeln ist für mich Pflicht. Allerdings muss ich teilweise die volle Tüte kilometerweit mitschleppen, weil es so wenige Abfallbehälter gibt! In der Grünanlage rund ums Stadion Wilmersdorf gibt es nicht einen einzigen Mülleimer! Überhaupt ist Wilmersdorf dünnbesiedelt, was die Möglichkeiten zur Müll- und Kotbeseitigung betrifft. Manchmal verstehe ich die Leute fast, die die Tüten mit den eingesammelten Hinterlassenschaften ihrer vierbeinigen Lieblinge dann einfach an den nächsten Busch hängen...
spon-facebook-1638906693 13.10.2014
5. Hundekot
Lieber Achilles, ich bin leidenschaftlicher Hundehalter und ich finde es ebenso unmöglich wie Sie, wenn Hundekot auf der Strasse herumliegt. Allerdings kann ich das ständige Geheule über liegengeblieben Hundekacke nicht mehr hören. Ich denke, es gibt nur eine geringe Anzahl an Hundehaltern die die Hinterlassenschaften Ihres Hundes nicht entsorgen. Maf sein das es auf dem Land anders ist als in der Stadt. Aber wie oft muss ich Fuss- oder Waldwegen verlassen, weil Menschen Ihre Flaschen dort zerbrochen haben und nicht wegräumen. Ich musste schon mehrmals zum Tierarzt weil sich mein Hund eine Scherbe eingetreten hatte. Abgesehen von den vielen Ziagerttenstummeln, leeren Zigarettenschachtel und sonstigen Müll der arglos in die Natur geschmissen wird. Schauen Sie mal in einer lauen Sommernacht in den Parkanlagen nach den zurückgebliebenen Grillutensilien. Ich denke, Hundehalter und Nichthundehalter unterscheiden sich in Sachen Verschmutzung nicht so sehr. Es geht nur um das was auf der Strasse zurück bleibt. Auf eine sauberere Welt hoffend, verbleibe ich mit freundlichen Grüßen Frank Gehrke
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