Achilles' Verse Hunde raus!

Wer in der Großstadt wohnt, darf getrost eine Viertelstunde Kotpuffer in seinem Terminkalender vermerken, moniert Wunderläufer Achim Achilles. Hunde mögen treue Begleiter sein - für die Stadt sind sie nicht geschaffen.
Spaziergang mit Hund: Die Stadt ist nicht immer die beste Umgebung für Hunde

Spaziergang mit Hund: Die Stadt ist nicht immer die beste Umgebung für Hunde

Foto: Jan-Philipp Strobel/ picture alliance / dpa

Pflatsch. Jeden Sonntagmorgen das gleiche warme, weiche Gefühl um den Fuß. Leider bin ich spät dran. Leider bin ich im Wald verabredet. Leider brauche ich das Auto. Leider klebt ein Pfund frischer Hundehaufen im komplexen Profil meines Laufschuhs. Leider wird die organische Klebe im Autoteppich haften bleiben oder sich in die Rillen des Bremspedals massieren. Leider muss ich deswegen den Schuh ausziehen und einbeinig in den zweiten Stock hüpfen, um entweder in der Badewanne den frischen Mist abzukärchern oder andere Schuhe anziehen, was bedeutet, dass ich in zwei Stunden den getrockneten Dreck umso schwerer aus der Sohle bekomme.

Ja, wir alle wissen: Hund ist gesund, gibt Wärme, Nähe und ignoriert geduldig die vielen widersprüchlichen Kommandos, die Frauchen in vielen Stunden Hundeschule aufgeschnappt hat  und nun nach dem Zufallsprinzip durch die einsame Straßenschlucht bellt. Ein Hund ist treuer und sanfter als die meisten Ehepartner und redet auch nicht so viel - unbestrittene Pluspunkte.

Sicher helfen Therapiehunde bei der Krisenintervention und im Alltag jenen Zeitgenossen, die gern Kommandos geben und Gehorsam erwarten. Wladimir Putin hat einen Hund, Barak Obama, aber leider auch viel zu viele Berliner. Wäre es für alle nicht ein Experiment wert, das Zusammenleben mit echten Menschen zu versuchen anstatt mit einem vierbeinigen Dummerchen, das weder den Kühlschrank öffnen noch ein WC benutzen kann?

Die Hunde können nichts dafür

Wer in der Großstadt wohnt, Berlin zumal, darf getrost eine Viertelstunde Kotpuffer in seinem Terminkalender vermerken. Gerade unser Hauseingang mit der retrieverhohen Sichtschutzhecke bietet ein ideales Hundeklo. Auch das Tier macht ja lieber in der stille Ecke als aufm Platz. Der Hintermänner wird man allerdings kaum habhaft, weil sie sich im frühen Morgennebel heranschleichen. Sie sind der bösen Blicke satt von Menschen ohne Hundehintergrund, die froh sind, dass sich dieser bitter-muffige Geruch verwester Innereien endlich aus den Atemwegen verzogen hat.

Profis tarnen sich mit einer kleinen grünen Tüte, offensiv an die Leine geknotet. Leider schon seit zwei Jahren. Der Beutel soll dem Laien signalisieren, dass der Leinenhalter die Haufen natürlich aufsammelt. Aber die Tüte ist nur für inflagranti-Situationen gedacht, die selten sind in der Dämmerung. So bleibt die Tüte sauber. Unser Hauseingang leider nicht.

Nein, ich bin kein Tierfeind. Aber man muss kein Evolutionsbiologe sein, um zu ahnen, dass die Gene des Hundes seit einigen tausend Jahren für frische Luft, Wald und Wiesen ausgelegt sind. Asphalt, überheizte Zweirauwohnungen und Supermarktregale voller Konservendosen hatte der Schöpfer nicht voraussehen können, als er dem Menschen ein Tier schenkte, das dumm genug war, fortan ziemlich bester Freund sein zu wollen. Die Katze, wenn es sich nicht gerade um Garfield handelt, ist dagegen ihrer kratzbürstigen Natur treu geblieben; sie streunt bis heute leinenlos umher, kratzt gern mal und jagt ihr Futter selbst.

Ein Hund ist in der Stadt so segensreich wie ein SUV: zu groß, zu laut, zu teuer.

Schwitzen ist, wenn Muskeln weinen. Achim Achilles: "Keine Gnade für die Wade - Neues vom Wunderläufer "