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22. November 2018, 10:08 Uhr

Vorsätze

Was ein Monat ohne Alkohol bringt

Im neuen Jahr ist erst mal Schluss mit Alkohol: Mit diesem Vorsatz schmeckt der Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt gleich viel besser. Doch wie sinnvoll ist der Verzicht?

In dieser Woche eröffnen die ersten Weihnachtsmärkte und damit beginnt auch die Zeit von Eierpunsch, Glühwein und Feuerzangenbowle. Wer einen Monat durchzecht, sehnt sich im Januar häufig nach einer Pause. Einen Monat ohne Alkohol - das ist doch zu schaffen. In einer Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK gaben zwölf Prozent der Befragten an, im neuen Jahr weniger Alkohol trinken zu wollen. Aber hat der kurzfristige Verzicht überhaupt positive Effekte?

Seinen Alkoholkonsum überhaupt erst mal kritisch zu reflektieren, sei eine gute Idee, meint Christina Rummel von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Der Verzicht ist auch eine psychologische Probe. "Wenn man in diesem Dry January merkt, dass man es nicht schafft, seinen Alkoholkonsum zu reduzieren, kann dies ein Anstoß sein, sich Hilfe zu holen." In diesem Fall hätte der Vorsatz auf jeden Fall einen Effekt. Laut dem aktuellen Drogen- und Suchtbericht trinkt jeder sechste Mensch in Deutschland zu viel Alkohol.

Ob zeitweiser Alkoholverzicht aber tatsächlich langfristig positiv - zum Beispiel entgiftend - auf den Körper wirkt, ist nur schwer nachweisbar. "Die Evidenz ist gering, es gibt kaum Studien", sagt Christian Sina, Direktor des Instituts für Ernährungsmedizin am Universitätsklinikum Lübeck.

Trotzdem befürworten die Experten einen Verzicht. Denn es gilt der Grundsatz: Je weniger Alkohol, desto besser. Das Krankheitsrisiko für Erwachsene ist laut DHS für Frauen ab zwölf Gramm reinem Alkohol pro Tag nachweislich erhöht. Das entspricht etwa 0,3 Litern Bier. Bei Männern ist der Schwellwert doppelt so hoch. Welche Form des Alkohols man trinkt, spielt keine Rolle.

"Auch wenn man weniger trinkt, ist das Risiko für gesundheitliche Folgen nicht gleich null", sagt Volker Ellenrieder, Direktor der Klinik für Gastroenterologie der Universitätsmedizin Göttingen. Wer aber mehr Alkohol trinkt, kann damit seinem Körper schaden - vor allem der Leber.

"Müdigkeit ist der Schmerz der Leber"

"Je mehr man vorher getrunken und die Leber geschädigt hat, desto mehr Zeit braucht das Organ, um sich zu erholen", erklärt Ellenrieder. Ein Verzicht auf Alkohol kann deshalb zumindest einigen Menschen helfen - vier oder acht Wochen Verzicht seien gut.

Das gefährliche an Lebererkrankungen: Sie fallen oft kaum auf. "Die Leber tut nicht weh. Müdigkeit ist der Schmerz der Leber", sagt Volker Ellenrieder. Denn fehlende Entgiftung kann für Ablagerungen im Gehirn und damit für Müdigkeit sorgen. Allerdings verträgt die Leber viel und hat ein hohes Regenerationspotenzial. Das kann man nutzen, indem man ihr eine Weile Ruhe gönnt.

Zu viel Alkohol ist aber auch für andere Organe gefährlich. "Chronischer Alkoholkonsum kann auch zu Entzündungen der Bauchspeicheldrüse führen", sagt Ellenrieder. Akut kann Alkohol bekanntlich die Konzentration, Koordination und Emotionen beeinflussen. Und egal, ob chronisch oder akut - exzessiver Alkoholkonsum kann auch zu Lebensgefahr führen.

"Alkohol ist immer riskant für die Gesundheit", betont auch Christina Rummel. Er kann Krebs auslösen und das Risiko für verschiedene Krankheiten, darunter Diabetes und Tuberkulose erhöhen. Experten schätzen, dass weltweit etwa 700.000 Menschen aufgrund ihres Alkoholkonsums an Krebs erkranken. Vor allem das Risiko für Brust- und Darmkrebs steigt durch übermäßigen Alkoholkonsum.

Zeitweise zu verzichten, tut den Organen also erstmal gut. Zudem hat die Abstinenz kurzfristige Effekte: Alkohol ist kalorienreich. Wer eine Zeit lang nicht trinkt, kann Übergewicht abbauen. Die Schlafqualität verbessert sich, und der Blutdruck sinkt. Ob das funktioniert, ist aber abhängig von Begleiterkrankungen und der sonstigen Ernährung, betont Sina. Wer auf Alkohol verzichtet, sich aber trotzdem weiter mit Ungesundem den Bauch vollschlägt, wird kaum positive Effekte spüren - oder dem Körper sogar weiter schaden.

Wenig sinnvoll ist es auch, einen Monat lang auf Alkohol zu verzichten, um dann umso mehr zu trinken. Wer also glaubt, sich durch den zeitweisen Alkoholverzicht einen Freifahrtschein für den Rest des Jahres zu erarbeiten, irrt. "Es macht keinen Unterschied, ob man jeden Tag ein bisschen oder die ganze Menge an einem Tag trinkt", erklärt Volker Ellenrieder. Die Experten empfehlen eher, die vorgegebenen täglichen Höchstmengen an Alkohol einzuhalten. Und mindestens an zwei Tagen in der Woche komplett auf Alkohol zu verzichten.

Im Video: Meine Mutter, die Alkoholikerin

von Julian Hilgers/dpa/koe

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