Alkoholkonsum von Kindern Forscher empfehlen klare Trinkverbote

Wenn bei Kindern das Interesse an alkoholischen Getränken wächst, wissen Eltern mitunter nicht, wie sie damit umgehen sollen. Forscher haben nun untersucht, welche Strategie Kinder am besten vorm Trinken schützt.

Europaweit hat laut einer Studie von 2015 fast die Hälfte der unter 13-Jährigen schon mal Alkohol getrunken. Welchen Einfluss haben Eltern auf das Trinkverhalten ihrer Kinder?
Aja Koska/ Getty Images

Europaweit hat laut einer Studie von 2015 fast die Hälfte der unter 13-Jährigen schon mal Alkohol getrunken. Welchen Einfluss haben Eltern auf das Trinkverhalten ihrer Kinder?


Schon mit zwei Jahren sind Kinder in der Lage, alkoholische Getränke von anderen zu unterscheiden. Ab vier entwickeln sich bei ihnen erste positive oder negative Assoziationen zu Alkohol, das ergaben Untersuchungen von 2017. In einer neuen Studie haben Forscher nun die Einstellung der Eltern zum Alkoholkonsum ihrer Kinder mit deren Trinkverhalten verglichen.

"Alkoholkonsum kann problematisch sein, vor allem bei jungen Leuten", sagt die Leitautorin der Studie, Mariliis Tael-Öeren, Forscherin an der Cambridge Universität. Für die Untersuchung hatten sie und Kollegen 23 Studien analysiert. Diese enthielten Daten von insgesamt rund 16.500 Kindern im Alter von 7 bis 18 Jahren und mehr als 15.000 Eltern aus den USA und Europa.

Die Ergebnisse zeigen zum einen, dass Kinder von Eltern mit lockerer Einstellung zum jugendlichen Alkoholkonsum öfter und exzessiver trinken. Sie fangen auch häufiger überhaupt erst an, Alkohol zu sich zu nehmen.

Die Forscher verglichen zum anderen, wie streng die Eltern auf das Trinkverhalten ihrer Kinder blickten und als wie streng die Kinder ihre Eltern wahrnahmen. Dabei stellten sie fest, dass die Kinder ihre Eltern häufig lockerer einschätzten, als die Eltern sich selbst. Das deute darauf hin, dass Kindern kaum bewusst sei, was ihre Eltern über ihren Alkoholkonsum oder den anderer Kinder denken, heißt es in der Studie.

Pubertät, Autonomie und Alkohol

Der Grund dafür sei allerdings nicht, dass die Kinder ihre Eltern grundsätzlich nicht verstünden, berichten die Wissenschaftler. Ausschlaggebend sei stattdessen eine unterschiedliche Wahrnehmung, die durch die Werte und Erwartungen der Kinder entstehe. Auch die "Ignoranz von Kindern" spiele möglicherweise eine Rolle.

"Es ist wichtig, dass Kinder die kurz- und langfristigen Folgen des Trinkens kennen", sagt Forscherin Tael-Öeren. "Wenn Eltern nicht wollen, dass ihre Kinder Alkohol trinken, dann müssen sie dies deutlich sagen."

Ob tatsächlich die Einstellung der Eltern entscheidend für das Trinkverhalten der Kinder ist, kann die Studie nicht abschließend beantworten. Das Problem: Die Einstellung der Eltern und das Trinkverhalten der Kinder beeinflussen sich gegenseitig. So gehen einige Forscher davon aus, dass vielmehr der Alkoholkonsum der Kinder die Einstellung der Eltern beeinflusst - und es nicht wie hier angenommen andersherum abläuft.

Alkoholkonsum in Deutschland und Europa

In Deutschland geht der regelmäßige Alkoholkonsum der Jugendlichen in den letzten Jahren immer weiter zurück - allerdings trinken sie dafür exzessiver. In einer im Frühjahr 2019 veröffentlichten Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gaben fast 40 Prozent der befragten jungen Erwachsenen an, innerhalb des vergangenen Monats mindestens einmal fünf oder mehr Gläser Alkohol hintereinander getrunken zu haben.

Eine europaweite Untersuchung an Schulen hatte 2015 ergeben, dass fast 50 Prozent der Befragten unter 13 schon mal Alkohol getrunken haben. Jeder zwölfte war mit 13 oder jünger schon mal betrunken.

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PRAN1974 28.06.2019
1. Vorbildfunktion der Eltern
Was mir in diesem Artikel deutlich zu kurz kommt, ist die Vorbildfunktion der Eltern. Wer sich jede Woche abschießt oder jeden Abend ein Feierabendbier braucht, muss sich nicht wundern, wenn die Kinder entsprechende Verbote nicht ernst nehmen. Die Eltern müssen mit gutem Beispiel vorangehen. Am sinnvollsten ist meiner Meinung nach ein maßvolles und seltenes Trinken vor allem zu gesellschaftlichen Anlässen. Wer selbst ein solches gutes Verhältnis zum Alkohol hat, muss sich keine Sorgen machen, wenn die Kinder einen Schluck probieren wollen. Weder Abstinenzler noch Trinker halte ich für gute Vorbilder, da sie den Reiz des Verbotenen wecken können.
andreasclevert 28.06.2019
2. Keine Banalisierung
Ich möchte das Thema nun nicht klein reden, aber es wäre ja auch schön, wenn an dieser Stelle der Verweis darauf gemacht werden könnte, dass es auch alkoholfreies Bier und im Übrigen auch alkoholfreien Sekt gibt... Wäre ja für die Eltern- und die Kindergeneration eine Variante ohne Genußverlust. Und hat bei uns schon vor Jahren funktioniert, nicht immer zur Freude der Umstehenden...
zytozid 28.06.2019
3. Abstinenz
Ich verstehe nicht, wieso ein alkoholabstinenter Elternteil ein schlechtes Vorbild sein soll. Wir als Eltern trinken beide (aus Überzeugung, dass Alkohol einfach ungesund ist) nicht und leben unserem Kind das mit entsprechender Begründung vor. Nach der Argumentation des "Reiz des Verbotenen" müssten auch viel mehr Kinder Drogen probieren etc. Ich halte es für das einzig Richtige, über die Kurz- und Langzeitfolgen des Alkoholkonsums aufzuklären. Klar ist Alkohol- (und auch Tabak-)konsum gesellig. Aber was bringt einem das, wenn man mit den gesundheitlichen Spätfolgen letztendlich allein klarkommen muss. Mit der richtigen Aufklärung können wir nur hoffen, dass unser Kind dann selbst abwiegt, was es für Risiken eingehen möchte und welche nicht.
ford_mustang 01.07.2019
4. Werbung ...
zeigt uns doch täglich, was für tolle, sportliche, schöne Menschen Alkohol trinken. Alkoholfrei und Mixgetränke wegen des Genusses? Gewöhnt die Kids nur an den Geschmack. Jeder erinnert sich an den ersten Schluck Bier oder Wein. Geschmeckt hat er uns doch nicht wirklich. Früher war jemand der in der Öffentlichkeit ein Bier getrunken hat als Proll. Heute ist es hipp. Alkohol ist ständig und billig verfügbar und muss bei jeder Geselligkeit sein. Wenn ich auf die Raucherhatz schaue, ist das Alles so verlogen.
holzghetto 01.07.2019
5. schade das hier nicht tiefer ins Detail gegangen wird..
die Alkoholsucht kann auch bei Enkeln/innen entstehen wenn der Opa zu sehr über den Durst getrunken hat und diese "Gene" halt über Vater/Mutter weitergegeben hat. Da hilft blosses Einreden der Eltern nicht das zu viel Alkohol, vorallem im jugendlichen Alter nicht vorteilhaft ist. Wir kennen uns ja selbst in dem Alter ;) "alkoholfreies" Bier ist nicht alkoholfrei denn es hat bis zu 0,5 % Alkohol intus.
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