Topmodel Barbara Meier "Mit verrückten Crash-Diäten aufgehört"

Supermodel Barbara Meier wurde vor neun Jahren "Germanys next Topmodel". Inzwischen läuft sie Marathon und stellt sich den 42 knallharten Fragen von Laufguru Achim Achilles.

New-York-Marathon (Archivbild 2014): "Ein unglaublich tolles Erlebnis"
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New-York-Marathon (Archivbild 2014): "Ein unglaublich tolles Erlebnis"


Zur Person
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    Barbara Meier, 29, geboren in Amberg, hat 2007 gegen mehr als 16.000 Bewerberinnen bei Germanys next Topmodel gewonnen. Seitdem arbeitet sie national und international erfolgreich als Model. Nach ihrem Sieg folgten Kampagnen unter anderem für McDonalds, Pantene, Maybelline und Disneyland Paris. Außerdem war sie auf Laufstegen in Berlin, Paris, New York, L.A. und Rom zu sehen und zierte zahlreiche Titelseiten, darunter "Cosmopolitan", "Marie Claire", "Grazia" und "Vogue". Im Jahr 2011 gab Barbara Meier in "Schreie der Vergessenen" ihr Schauspiel-Debüt und spielte seitdem in mehr als 20 Filmen. Aktuell ist sie in "Der Alte", "Soko5113" und in der ZDF-Komödie "Lotto ist leichter" zu sehen.
1. Frage: Heute schon gelaufen?

Meier: Klar.

2. Frage: Wie weit, wie schnell, welche App?

Meier: Start um 8:10 Uhr, 6 Kilometer, Schnitt 5:38 min/km, Runtastic.

3. Frage: Klingt nach Notprogramm. Terminprobleme?

Meier: Wenn ich verreise, schaffe ich nur zweimal pro Woche, sonst vier- bis fünfmal. Für einen Wettkampf trainiere ich natürlich systematisch, aber zwischendrin finde ich es toll, einfach loszulaufen, ganz ohne Ziel und Ambitionen.

4. Frage: Liebste Strecke?

Meier: Nymphenburger Schlosspark. Der Park hat eine Mauer drum herum, da besteht keine Gefahr, dass ich mich verlaufe. Ich wurde leider nicht mit Orientierungssinn ausgestattet.

5. Frage: Dafür mit mathematischem Talent. Rechnet man jeden Kilometer mit?

Meier: Ja, tatsächlich. Vor allem an den Tagen, wenn meine Motivation etwas hinkt. Da berechne ich die absolvierte Strecke, so: Jetzt habe ich ein Drittel geschafft oder sieben Achtel.

6. Frage: Werten Sie Ihre Laufergebnisse systematisch aus?

Meier: Ja. Ich setze mich super gern nach einem Lauf an den Rechner und schaue, wann ich wo wie schnell war und vergleiche es mit den Läufen der Vortage. So ein Mathematikstudium führt zu eigenartigem Verhalten.

7. Frage: Was passiert sonst im Kopf während eines Laufs?

Meier: In der ersten Stunde denke ich viel über Dinge und Probleme nach, die mich gerade beschäftigen. In der zweiten Stunde spüre ich meinen Körper und konzentriere mich auf die Atmung und meine Schritte. Und ab der dritten Stunde ist mein Kopf komplett frei, und ich merke, wie Raum für neue Ideen entsteht. Diese Phase nutze ich oft, um mich auf Schauspielrollen vorzubereiten. Wenn die eigenen Probleme und Gedanken weit weg sind, kann man anfangen, mit den Augen der Rolle zu sehen, die man spielt, und kann ihre Gedanken denken.

8. Frage: Wird man als Supermodel oft angequatscht unterwegs?

Meier: Nur sehr selten. Die Menschen gucken zwar, aber ich bin einfach zu schnell weg - bevor jemand seinen Mut gesammelt hat, um mich anzusprechen.

9. Frage: Schon mal ein Autogramm gegeben unterwegs?

Meier: Lieber Herr Achim, in welchem Jahrhundert laufen Sie denn? Heute macht man Selfies.

10. Frage: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Supermodel und einem normalen Model?

Meier: Ich bin ein normales, Achilles ist ein Supermodel.

11. Frage: Stimmt. Hier in Berlin verstecken sich schon Viertelprominente hinter Sonnenbrille, Basecap und Schal, damit sie erkannt werden. In München doch erst recht, oder?

Meier: Keine Ahnung. Ich verstecke mich nicht. Vor allem beim Laufen wär mir das zu warm und vor allem zu doof. Ich bin dann halt nicht geschminkt und habe eine knallrote Birne, aber das ist eben so beim Sport.

12. Frage: Ihr Beuteschema: Stehen Sie auf magere Läuferkörper, wo an Armen und Beinen diese harten Streifen zwischen Sonnenbräune und Käsigkeit zu sehen sind? Oder doch lieber was mit Muskeln?

Meier: Gerne ein paar mehr Muskeln. Aber nicht im Body-Builder-Bereich. Zu sehr aufgepumpt finde ich unsexy.

13. Frage: Wenn Sie sich einen Hollywood-Star zum Dinner aussuchen würden - wer wäre das?

Meier: Angelina Jolie.

14. Frage: Mein Lieblingsmodel ist ja die gereifte Kate Moss. Wer ist Ihre Favoritin?

Meier: Heidi natürlich.

15. Frage: Wann haben Sie mit der Lauferei angefangen? Und warum? Ist ja meistens Zeichen einer Krise.

Meier: Ich war mit Freunden 2012 auf einer Party, und die Männer beschlossen, dass sie den New York Marathon laufen. Großzügig erklärten sie, dass wir Mädels gern zum Schuhe-Shoppen mitkommen dürften. Ich war in meiner weiblichen Ehre gekränkt und verkündete übermütig und vielleicht etwas beschwipst, dass ich natürlich mitlaufen würde. Das war etwas leichtsinnig, so ohne jede Lauferfahrung. Aber ich halte, was ich verspreche, selbst wenn es auf einer Party und unter leichtem Alkoholeinfluss ist. Am nächsten Tag habe ich mich dann vor den Computer gesetzt, Google und meinen besten Freund befragt und mit dem Training angefangen.

16. Frage: Welchem alkoholischen Getränk können Sie nicht widerstehen?

Meier: Baileys.

17. Frage: Und wie sah der Trainingsplan aus? Auf wie viele Monate angelegt?

Meier: 4-5 mal die Woche, 6 Monate lang.

18. Frage: Und? Stumpf durchtrainiert?

Meier: Na ja, nicht ganz. Mein bester Freund, der in New York lebt und die Strecke kennt, hat mich gecoacht. Er hat Nerven aus Stahl gebraucht. Ich bin nämlich keine angenehme Laufpartnerin: Am Anfang, wenn die anderen voller Motivation und Freude sind, habe ich keine Lust und jammere vor mich hin. Die anderen sind genervt. Aber je länger der Lauf dauert, umso fröhlicher und motivierter werde ich dann. Dann sind die anderen wieder genervt, weil ich keine Ruhe gebe. Und wenn meine Laufpartner nach drei Stunden fertig sind und nur noch nach Hause wollen, hänge ich übermütig noch ein paar Runden dran. So macht man sich echt keine Freunde in Laufgruppen.

19. Frage: Mitläufer neigen zu albernen Namenskürzungen. Werden Sie von Ihren Sportsfreunden Babsi, Babs oder Bärbel genannt?

Meier: Immer Barbara. Gern auch mit dem Zusatz "Wo bleibst du?".

20. Frage: Liebster Laufpartner?

Meier: Leider laufe ich meist allein. Das kann zwar langweilig sein. Aber auf der anderen Seite genieße ich ein paar Ruheinseln in einer stressigen Woche, die nur mir und meinem Körper gehören, wo das Handy aus ist und mich niemand vollredet.

21. Frage: Hat sich Ihr junges Leben verändert durch das Laufen?

Meier: Absolut. Ich habe einen ganz neuen Bezug zu meinem Körper bekommen, weil ich gelernt habe, mit ihm zu kommunizieren. Ich habe angefangen, anders zu essen, schlichtweg, weil mein Körper den richtigen Treibstoff gefordert hat und meine Lust auf Süßes nachließ. Ich habe gelernt, wie man seine Grenzen hinausschieben kann. Unser Körper ist eine Wundermaschine, wenn man ordentlich mit ihr umgeht. Außerdem habe ich seit meinem Marathontraining aufgehört, verrückte Crash-Diäten zu machen und einen gesunden und trotzdem schlank machenden Lebensstil entdeckt. Ich laufe nicht mehr weg vor mir, sondern zu mir hin.

22. Frage: Kenne ich. Wie ist Ihr aktuelles Gewicht? Meins liegt bei 86 Kilogramm.

Meier: Leicht drunter, aber mehr verrate ich nicht. Ich möchte nicht, dass sich andere Frauen daran orientieren. Jede Frau soll ihr eigenes Glücksgewicht haben und sich nicht mit anderen vergleichen.

23. Frage: Macht Laufen eigentlich die Beine schöner? Eigentlich werden die Waden doch viel zu dick?

Meier: Ist mir noch gar nicht aufgefallen. Ich werde das mal beobachten. Ich habe auch nichts gegen einen trainierten Körper. Diese mageren Figuren, an denen überhaupt keine Muskeln mehr sind, sehen manchmal etwas gespenstisch aus, oder?

24. Frage: Welchen Sport treiben Sie sonst noch?

Meier: Fast täglich Fitnessstudio, manchmal Rollschuh durch München und früher mal halb professionell Rock'n'Roll getanzt. Im Sommer liebe ich es, mit meinem Papa Bergsteigen zu gehen. Dieses Jahr habe ich meinen ersten 3000er bestiegen. In Südtirol.

25. Frage: Ernährungsfimmel?

Meier: Ich esse kein Fleisch und versuche, Milch zu vermeiden. Aber ich bin keine extreme Vegetarierin. Fisch esse ich gern. Ansonsten Gemüse in allen Variationen und als Beilage Quinoa. Durch das viele Reisen habe ich aber keinen super festgelegten Speiseplan. Und ich bin auch der Meinung, dass man ab und zu sündigen darf.

26. Frage: Heidi Klum und die anderen Ewigjungen erzählen ja gern, dass man nur drei Liter Wasser am Tag trinken muss, und schon bleibt alles superstraff. Klappt bei mir leider nicht. Könnte es sich um einen Mythos handeln?

Meier: Drei Liter Wasser täglich zu trinken hilft allein sicher nicht. Aber es gehört trotzdem dazu, neben Schlaf, der richtigen Ernährung, viel Sport und dem Vermeiden von Giften, wenn man frisch und länger jung bleiben will.

27. Frage: Wie stehen Sie zu Botox oder Schönheitsoperationen?

Meier: Ich finde es weder schön noch ästhetisch, wenn sich in einem Gesicht nichts mehr bewegt. Außerdem schauen die stark operierten Menschen irgendwann alle gleich aus. Meist auch ein wenig gruselig. Ich finde, Falten spiegeln doch auch Charakter und Leben beziehungsweise Erfahrungen wieder. Wenn man ganz dezent irgendwo eine Kleinigkeit korrigiert, die einen wirklich stört und sehr unglücklich macht, finde ich das aber nicht so dramatisch. Solange man weiß, wann man aufhören muss.

28. Frage: Modische Grundregeln beim Laufoutfit?

Meier: Farbe. Beim Sport darf man sich viel mehr trauen. Ich würde auf der Straße nie eine lila Hose mit einem gelben Oberteil und knallbunten Schuhen kombinieren. Beim Laufen macht genau das Spaß. Meine allerersten Laufschuhe waren weiß und sahen echt traurig aus.

29. Frage: Einspruch: Grundregel lautet: Schwarz plus eine Farbe. Alles andere ist Nordic Walking oder Cindy aus Marzahn, was ja kulturell dicht beieinanderliegt.

Meier: Einspruch abgelehnt. Schwarz trage ich nur, wenn ich mich nicht so in shape fühle. Das verzeiht mehr.

30. Frage: Ja, vielen Dank. Laufrock oder Shorts?

Meier: Dreiviertellange Tights. Zum Laufen sind sie super, im normalen Leben eher mit Vorsicht zu genießen.

31. Frage: Iiih, Leggings? Lieblingsmarke für Laufklamotten?

Meier: Alles durcheinander.

32. Frage: Lieblingsmarke für Laufschuhe?

Meier: Skechers. Ich bin seit zwei Jahren das Testimonial und verliebe mich auch privat jeden Tag neu in die Schuhe. Sie sind sehr leicht, und ich mag...

33. Frage:... so, nun mal Schluss mit dem Werbeblock. Wie viel Paar Laufschuhe im Schrank?

Meier: Ich schätze mal, so um die 15.

34. Frage: Hören Sie Musik beim Laufen?

Meier: Selten. Ich schätze die Ruhe und finde es meditativ, meine gleichmäßige Atmung und die rhythmischen Schritte wahrzunehmen.

35. Frage: Traumstrecke?

Meier: Ich habe den New York Marathon geliebt. Einmal alle fünf Stadtteile ablaufen und über die Brücken, die sonst nur den Autos vorbehalten sind - das war schon ein unglaublich tolles Erlebnis. Ansonsten probiere ich immer neue Strecken. Man lernt durch das Laufen eine Stadt oder Landschaft ganz anders kennen als mit dem Auto.

36. Frage: Und trotzdem fast zwei Stunden schneller als Baywatch-Nixe Pamela Anderson. Aber die hat auch mehr zu tragen. Talent oder Trainingshärte?

Meier: Anscheinend beides.

37. Frage: Und im Winter? Raus bei Schnee und Regen?

Meier: Nee. Laufband im warmen Fitnessstudio.

38. Frage: Lieblingstageszeit für Lauftraining?

Meier: Gleich nach dem Aufstehen und nicht drüber nachdenken. Wenn ich mir vornehme, abends zu laufen, kommt immer irgendwas total Wichtiges dazwischen, oder ich finde selbst Ausreden. Am Morgen habe ich immer Lust.

39. Frage: Was ist Ihr Lieblingskörperteil?

Meier: Zählen Haare? Die mag ich echt gern. Ich bin glücklich, eine echte Rothaarige zu sein.

40. Frage: Wer ist Ihr Lieblingsathlet?

Meier: Mich motivieren Leistungssportler nicht so sehr. Ich finde Menschen, die unsportlich oder übergewichtig sind und trotzdem laufen gehen, viel bewundernswerter. Wenn sie die langsamsten Läufer auf der Strecke sind und trotzdem nicht aufgeben, finde ich das unglaublich stark.

41. Frage: Schon mal seltsame Sachen im Wald gemacht?

Meier: Ääh, nein. Was könnte das sein?

42. Frage: Manche Leute singen oder brüllen ihre Wut raus oder beschimpfen Vögel oder haben einen nervösen Magen oder schrauben im weichen Moos mal an der Laufpartnerin herum.

Meier: Vögel beschimpfen - wie geil! Aber ich bin schon froh, wenn ich lebendig aus dem Wald herausfinde. Deswegen verlasse ich die Wege lieber nicht. Ich habe auch immer mein Handy mit Kartenfunktion oder einen Laufpartner mit Orientierungssinn dabei. Ich würde schon im Englischen Garten verloren gehen.



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
garfieƖd 08.10.2015
1.
Den ersten Marathon läuft nicht jede nach nur 6 Monaten Vorbereitung so gleichmässig unter 4 Stunden. Nicht schlecht!
hemithea 08.10.2015
2. an #1
Wahrscheinlich fällt ins Gewicht, dass sie schon immer mehr oder weniger Sport gemacht hat. Eventuell nicht so viel, wie sie es jetzt als Modell berufsbedingt treibt, aber genug, um darauf aufbauen zu können. Und dann fällt noch ihr geringes Gewicht, sie ist federleicht, da muss sie nicht perfekt trainiert sein, um das Gewicht 42 km weit zu tragen. Ausserdem finde ich, dass jeder, der einen Marathon schafft Respekt verdient hat, ob nun in 3 oder in 6 h. Man läuft immer so schnell, wie der Körper es hergibt. Für einen, ist das "Über die Grenzen gehen" eben bei 6 h, für jemanden anderen bei 3 h. Beide sind über sich hinausgewachsen und das hat immer Applaus verdient.
Cappucho 09.10.2015
3. Einfach köstlich ...
Es gibt so viele langweilige Interviews - hallo, Achim Achilles, das ist mal eines, das richtig gute Laune macht! Gleich geh' ich mal Laufen ... ;-)
wks 09.10.2015
4. Voegel beschimpfen
Cooles Hobby. Super Interview.
Georg8of9 10.10.2015
5. 1 Stunde Joggen verbrennt 790 Kalorien
Zwei weitere Cheeseburger für die Sportlerfimmler hier. Gratulation. Viel Spass mit den 0 Prozent Vitamin C und den 5 Prozent Vitamin B6 und beim Herumhüpfen. Und Sie sorgen sich nicht darum was Sie beim Laufen benötigen?
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