Rechtsstreit US-Hersteller entschädigt Käufer von Barfußschuhen

An diesen Dingern scheiden sich die Geister: Sind Zehenschuhe ein Segen für den Läuferfuß oder schlicht potthässlich? Für die Gesundheit sind sie womöglich bedenklich. In den USA hat sich ein großer Hersteller jetzt verpflichtet, Käufer zu entschädigen.
Zehenschuhe (Archivbild): Entschädigung für US-Kunden

Zehenschuhe (Archivbild): Entschädigung für US-Kunden

Foto: Jens Kalaene/ picture alliance / dpa

Wer Barfußschuhe trägt, muss oft einiges an Spott aushalten. Zumindest in den Augen weniger wohlmeinender Menschen sieht man damit schließlich aus, als wäre man Frodo, der Hobbit. Dafür versprechen die Schuhe aber angeblich Wohltaten für den Körper: Weil sie nicht gefedert sind, muss sich der Fuß wieder selbst um die Dämpfung kümmern - und nach einiger Zeit sprießen die entsprechenden Muskeln, so das Argument der Überzeugten.

Und tatsächlich gibt es gar nicht wenige Läufer, die auf die Zehenschuhe schwören. Auch der sinkenden Verletzungsgefahr wegen, die vermeintlich gestärkte Muskeln im Fuß mit sich bringen. Doch wie valide sind die wissenschaftlichen Belege dafür? Und drohen Barfußläufern womöglich sogar Gefahren wie Knochenödeme  oder Überlastungsverletzungen am Mittelfuß ? Darum wird seit längerer Zeit in den USA vor Gericht gestritten.

Nun hat sich der Hersteller Vibram entschlossen, den Käufern der Zehenschuhe eine Entschädigungszahlung anzubieten - um eine womöglich noch teurere Verurteilung nach einer Sammelklage abzuwenden. Laut einem Bericht von "NBC News" geht es um Kunden, die nach März 2009 die FiveFinger-Schuhe von Vibram gekauft haben.

Das Unternehmen sieht sich seit März 2012 dem Vorwurf ausgesetzt, wissenschaftliche Aussagen zu den Vorteilen der Schuhe überinterpretiert zu haben. Dadurch seien Kunden dazu gebracht worden, sich Modelle für 80 bis 125 Dollar zu kaufen, die sie sich ansonsten nicht zugelegt hätten.

Ohne neue Studien keine offensive Werbung mehr

Nun hat sich Vibram dem Bericht zufolge entschieden, zumindest einen Teil des Preises zu erstatten. Die Rede ist von 20 bis 50 Dollar, obwohl die theoretisch mögliche Maximalsumme bei 94 Dollar liegt. Das Unternehmen legt aber Wert auf die Feststellung, nichts falsch gemacht zu haben. Gleichzeitig verpflichtet sich die Firma, keine Werbeaussagen zum Muskelaufbau und die angeblich sinkende Verletzungsgefahr durch die Barfußschuhe mehr zu machen - zumindest bis sie neue wissenschaftliche Studien zum Thema präsentieren kann. Verkauft werden die Schuhe aber weiter.

Auch andere Hersteller hatten Käufern bestimmter Schuhmodelle schon Entschädigungen bezahlt. Sketchers entschädigte nach einem Streit mit der US-Verbraucherschutzbehörde FTC Kunden, die Schuhe des Modells "Shape Up" gekauft hatten. Damals ging es um insgesamt 40 Millionen Dollar. Etwas billiger davon kam Reebok. Das Unternehmen erstattete Käufern des Modells "EasyTone" insgesamt 25 Millionen Dollar zurück.

Vibram hat für die aktuelle Entschädigung 3,75 Millionen Dollar in seinen Bilanzen zurückgestellt. Die Firma hat sich außerdem verpflichtet, Anzeigen im Netz zu schalten und auf die Entschädigung hinzuweisen. Wenn davon nach dem Ende der Entschädigungsrunde noch Geld übrig bleiben sollte, soll das an die American Heart Association gehen, berichtet "Runners World".

In einem aktuellen Statement  erklärt die US-Vereinigung der Fußchirurgen, die American Podiatric Medical Association, übrigens, die Vor- und Nachteile der Barfußschuhe seien noch immer nicht abschließend geklärt.

BARFUßLAUFEN - FRAGEN AN DEN EXPERTEN
Foto: Jeff Brass/ Getty Images

Sind Zehenschuhe für jeden geeignet?Was sollte man beim Barfußlaufen beachten?Wie groß ist bei beiden das Verletzungsrisiko?

chs