Neue Grenzwerte Bleihaltige Wasserleitungen müssen ausgetauscht werden

Blei im Trinkwasser ist vor allem für Schwangere und Kleinkinder gefährlich. Ab Dezember gelten deshalb neue Grenzwerte, die mit Bleileitungen im Haus nicht eingehalten werden können. Das Gift in den Rohren ist vor allem in Nord- und Ostdeutschland ein Problem.
Bleihaltige Wasserrohre: Probleme in Nord- und Ostdeutschland

Bleihaltige Wasserrohre: Probleme in Nord- und Ostdeutschland

Foto: Oliver Berg/ picture-alliance/ dpa

Berlin - Deutsches Trinkwasser ist so gut, dass man es direkt aus der Leitung trinken kann. Das ist alles andere als selbstverständlich, allerdings gilt das Lob nur eingeschränkt: Wo immer noch Bleirohre im Haus das Wasser zum Hahn führen, kann die Gesundheit auf Dauer Schaden nehmen. Ab Dezember gilt deshalb ein neuer, niedrigerer Grenzwert für Blei im Trinkwasser. Damit der eingehalten werden kann, müssen Hausbesitzer jetzt die alten Bleirohre austauschen.

"Blei ist ein Nervengift", sagt Alexander Eckhardt vom Umweltbundesamt. "Ein zu hoher Bleigehalt im Blut kann zu Verhaltensstörungen, Hyperaktivität, Beeinträchtigungen der Intelligenz, der Aufmerksamkeit und der Feinmotorik führen." Gefährdet sind vor allem Säuglinge, Kleinkinder und Schwangere. Sie sollten auf keinen Fall Wasser aus einer Bleileitung trinken oder damit zubereitete Nahrung zu sich nehmen.

Das besonders stark belasteten Standwasser, das morgens aus den Leitungen kommt, kann man eine Weile ablaufen lassen und so die Bleikonzentration verringern. Doch das bietet langfristig keinen sicheren Schutz.

Filter und Beschichtungen sind keine Lösung

Bis 2003 waren noch 40 Mikrogramm Blei je Liter Wasser zugelassen, seit Dezember 2003 sind es 25 Mikrogramm. Ab 1. Dezember 2013 wird ein Höchstwert von 10 Mikrogramm pro Liter gelten.

"Dieser neue Grenzwert kann nirgendwo eingehalten werden, wo es noch Bleirohre gibt", sagt Thomas Rapp, Trinkwasserexperte beim Umweltbundesamt . Alternativen wie die Auskleidung der Rohre mit Epoxidharz hält er für ungeeignet. "Löst sich die Beschichtung auch nur an der kleinsten Stelle, ist das ganze Verfahren umsonst." Auch Filter seien keine Lösung: Werden sie nicht regelmäßig gewartet, reichert sich Blei dort erst recht in hoher Konzentration an.

In Süddeutschland sind Bleirohre zum Transport von Trinkwasser bereits seit 1878 verboten. In Nord- und Ostdeutschland hingegen wurden noch bis Anfang der siebziger Jahre Bleirohre verlegt. Wie viele Altbauten noch betroffen sind, lässt sich schwer schätzen.

Stiftung Warentest: Nord- und ostdeutsche Regionen betroffen

Laut einer nicht repräsentativen Auswertung der Stiftung Warentest wiesen 2010 noch die Regionen um Kiel, Hamburg, Bremen, Schwerin, Berlin, Potsdam, Magdeburg und Leipzig überdurchschnittlich häufig eine erhöhte Bleikonzentration im Trinkwasser auf. Tipps für Verbraucher gibt der Hamburger Verein Mieter helfen Mietern. "Zunächst sollte der Mieter den Hausbesitzer auffordern, nachzuweisen, dass das Trinkwasser unbedenklich ist", rät Geschäftsführerin Sylvia Sonnemann. Kommt dieser der Aufforderung innerhalb einer angemessenen Frist von zwei Wochen nicht nach, kann der Mieter selbst eine Analyse in Auftrag geben. Die Hamburger Wasserwerke zum Beispiel bieten kostenlose Untersuchungen für Haushalte mit Schwangeren und Kleinkindern bis zu einem Jahr an. Für alle anderen Verbraucher kostet eine einfache Bleianalyse 20,23 Euro.

Stellt sich heraus, dass der Bleigehalt im Trinkwasser zu hoch ist, könne der Eigentümer zum Austausch der Rohre aufgefordert und notfalls verklagt werden. Werden die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung regelmäßig überschritten, liegt ein gesundheitsgefährdender Mangel der Mietsache vor. Dieser berechtigt zu einer Mietminderung. "Der Austausch der Bleirohre ist eine Instandsetzungsmaßnahme und keine Modernisierung. Die Kosten dürfen daher nicht auf die Mieter umgelegt werden", erläutert Sonnemann.

Bleirohre sind einfach zu erkennen

Mit einem Blick auf die Rohre im Keller an der Wasseruhr oder unterm Waschbecken in der Küche kann jeder Laie schnell herausfinden, ob dort Bleirohre verlegt sind: Die silbergrauen Leitungen sind relativ weich und lassen sich mit einem Messer leicht einritzen. Beim Klopftest klingen sie dumpf und nicht metallisch. Sie können in einem Stück gelegt und um die Ecken gebogen werden. Die Rohrenden sind ineinandergeschoben und an dieser Stelle wulstig aufgeworfen.

Das öffentliche Verteilungsnetz ist grundsätzlich bleifrei, dennoch enthalten mancherorts einige Teilstücke zwischen der Hauptleitung entlang der Straße und der Grundstücksgrenze noch Blei. Diese sollen in Berlin etwa noch bis Jahresende ausgetauscht werden. Häufig gibt es zudem bleihaltige Teilstücke, die im Boden auf den Grundstücken verlegt sind. "Die Hausbesitzer müssen die Kosten für die Auswechslung auf ihrem Gebiet allein tragen", sagt Astrid Hackenesch-Rump, Sprecherin der Berliner Wasserbetriebe.

Es kann sich lohnen, mit dem zuständigen Wasserversorger Kontakt aufzunehmen. In Berlin bietet dieser den Hausbesitzern an, die Arbeiten zu bündeln, um die Kosten zu senken. Das Angebot nutzen jedoch nur wenige Eigentümer.

von Susanna Hoke, dpa