Limonade und Übergewicht Süß im Glas, Fett auf der Hüfte?

Limonaden und Säfte machen nicht satt, sind schnell nebenbei getrunken - und liefern schon mit dem zweiten Glas mehr Zucker, als täglich empfohlen wird. Aber: Machen sie wirklich dick?

Fast ein Drittel der Menschheit ist übergewichtig. Sogar bei den Kindern wiegt schon etwa jedes vierte zu viel. Wie lässt sich Übergewicht abbauen oder, noch besser, gleich vermeiden?

Dazu kursieren etliche, oft widersprüchliche Diät-Vorschläge. So plädieren manche Ernährungsforscher dafür, dass es völlig egal ist, was man isst. Solange die Energiebilanz stimme, wären demnach Pommes und Cola eine genauso gute Wahl wie Rohkost und Mineralwasser.

Andere Experten weisen jedoch darauf hin, dass manche Lebensmittel oder Nahrungsbestandteile eher dazu beitragen, dass Menschen dick werden. Sie raten zum Beispiel, stark gezuckerte Getränke - Cola, andere Limonaden, Energydrinks und gesüßte Fruchtsäften - selten oder überhaupt nicht zu trinken.

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Ein internationales Forscherteam hat sich alle Studien angeschaut, die zwischen 2013 und 2015 über einen möglichen Zusammenhang von gezuckerten Getränken und Gewicht veröffentlicht wurden. Ältere Studien wurden 2013 in Übersichtsarbeiten zusammengefasst (hier  und hier ). Das Team um Maria Luger von der Medizinischen Universität Wien bestätigt grundsätzlich die früheren Analysen. Süße Limonaden tragen sehr wahrscheinlich zu Übergewicht bei, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "Obesity Facts" .

Die Frage, der sie sich gewidmet haben, hat bereits die Politik beschäftigt. Einige Länder, darunter Großbritannien und Mexiko, haben bereits Zusatzsteuern auf Getränke eingeführt, denen bestimmte Zuckermengen zugesetzt werden.

Über diese Steuern wurde gestritten, ebenso wie über Lebensmittelampeln und ähnliche Konzepte, die Menschen eine gesündere Ernährung nahelegen sollen. Denn bei vielen Fragen rund um Übergewicht und Ernährung existieren zahlreiche Studien - und teilweise widersprüchliche Ergebnisse.

Die Finanzierung beeinflusst das Ergebnis

Deutlich ist dabei allerdings ein Trend: Von der Lebensmittelindustrie finanzierte Arbeiten zeigen eher keinen Zusammenhang zwischen Essen und Gewicht. Stammt das Geld dagegen von staatlichen Stellen oder Industrie-unabhängigen Stiftungen, zeigt sich häufiger eine Verbindung zum Beispiel zwischen Zuckerkonsum und Übergewicht.

Luger und ihre Kollegen werteten für die aktuelle Übersichtsarbeit nur Studien aus, die nicht von der Lebensmittelindustrie finanziert wurden. Insgesamt erfüllten 30 die nötigen Kriterien, um in die Analyse einzugehen.


Wer hat's bezahlt?

Die Übersichtsarbeit von Luger und Kollegen wurde von einer Gruppe der European Association for the Study of Obesity finanziert.


In 26 Studien wurden Menschen lediglich beobachtet. Diese hatten insgesamt rund 242.000 Teilnehmer. Aus solchen Beobachtungsstudien allein lassen sich keine eindeutigen Schlüsse über Ursache und Wirkung ziehen.

Dazu kommen um vier Studien, in denen Probanden durch eine Ernährungsberatung und weitere Maßnahmen gezielt aufgefordert wurden, weniger gesüßte Getränke zu konsumieren. Ihre Gewichtsentwicklung wurde mit der von passenden Kontrollgruppen verglichen. An drei dieser Studien nahmen insgesamt 2059 Kinder teil, die vierte Studie untersuchte 240 Erwachsene. Nur in zwei Studien zeigte sich kein Zusammenhang zwischen Gewichtszunahme und Übergewicht mit dem Limo-Konsum. In den anderen 24 war dies dagegen messbar.

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Die Gesundheitspolitik sollte darauf zielen, den Konsum zuckerhaltiger Getränke zu senken, und gesündere Alternativen wie Wasser fördern, schreiben die Forscher. Fruchtsäfte oder -nektare, die per se zuckerhaltig sind und denen oft noch Zucker zugesetzt wird, gelten dagegen nicht als sinnvolle Alternative.

Was die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt

Wenig Zucker zu konsumieren, empfiehlt auch die Weltgesundheitsorganisation: höchstens 25 Gramm Zucker sollten es pro Tag sein. Zucker, der von Natur aus in Obst und Milch steckt, wird dabei nicht mitgezählt, es geht also nicht darum, auf Weintrauben oder Äpfel zu verzichten. Gemeint ist dagegen Zucker, der Speisen und Getränken zugesetzt wird, sowie Zucker, der natürlicherweise in Honig, Sirup, Fruchtsäften und Fruchtsaftkonzentraten enthalten ist. 25 Gramm Zucker sind zum Beispiel mit gut einem Glas Cola (250 ml) oder einer Dose Energydrink derselben Größe erreicht.

Eine Abkehr von den süßen Getränken ist dementsprechend sinnvoll, wenn man abnehmen oder Übergewicht vermeiden will. Auch wenn es noch viele weitere Faktoren gibt, die höchstwahrscheinlich Übergewicht begünstigen - neben dem Essen und Bewegungsmangel sind das unter anderem Schlafmangel, Stress, bestimmte Chemikalien und Unterschiede bei den Darmbakterien.

SPIEGEL TV Magazin über Droge Zucker

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Anmerkung der Redaktion: Wir haben eine Angabe präzisiert. In Deutschland darf Fruchtsäften (100 Prozent Frucht) kein Zucker zugesetzt werden - aber bei Fruchtnektar ist dies erlaubt.

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