Coronakilos Jeder Dritte hat seit Beginn der Pandemie zugenommen

Durchschnittlich 6,5 Kilo wiegen deutsche Erwachsene seit Beginn der Coronapandemie mehr. Experten halten das für bedenklich – genauso wie einen Trend in die andere Richtung.
Coronakilos: Hartnäckig und weit verbreitet (Symbolbild)

Coronakilos: Hartnäckig und weit verbreitet (Symbolbild)

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Rialto Images / Stocksy United

Die »Coronakilos« sind in der Pandemie zu einem gängigen Begriff geworden: Viele Menschen haben in den vergangenen zwei Jahren an Gewicht zugelegt und tun sich nun schwer damit, es wieder loszuwerden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TU München (TUM) haben nun herausgefunden, dass rund jeder Dritte seit Beginn der Pandemie teilweise erheblich an Gewicht zugelegt hat.

Das Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin (EKFZ) an der TUM  hat gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Forsa 1005 Personen zwischen 18 und 70 Jahren in Deutschland befragt. Das Ergebnis: 35 Prozent der Befragten haben zugenommen, 15 Prozent hingegen zum Teil sogar erheblich abgenommen.

Die Forschenden fragten dabei auch psychologische Hintergründe ab, um Rückschlüsse daraus zu ziehen, inwiefern der seelische Zustand mit dem Essverhalten zusammenhängt. Besonders häufig veränderte sich das Ernährungsverhalten demnach bei denjenigen Befragten, die sich durch die Coronasituation belastet fühlten. Die Mehrheit der Befragten, rund zwei Drittel, gab jedoch an, dass sich ihr Ernährungsverhalten seit Beginn der Pandemie nicht grundlegend verändert habe, heißt es in einer Mitteilung der TUM .

Durchschnittlich 6,5 Kilo mehr

Diejenigen, die zulegten, bringen der Umfrage zufolge im Durchschnitt nun etwa 6,5 Kilogramm mehr auf die Waage als in der Zeit vor Beginn der Pandemie. »Die Veränderung geht in eine aus gesundheitlicher Perspektive unvorteilhafte Richtung«, sagt Hans Hauner, Professor für Ernährungsmedizin an der TUM und Leiter des EKFZ. Er rechne deshalb mit einem Anstieg an gewichts- und lebensstilabhängigen Krankheiten wie zum Beispiel Diabetes Typ 2.

Von einer Gewichtszunahme berichteten laut Studie vor allem Menschen mit einem höheren Ausgangsgewicht, mit weniger Bewegung als vor der Pandemie sowie diejenigen, die sich durch die Pandemie seelisch belastet gefühlt haben. Allerdings nehmen Experten zufolge ohnehin viele Erwachsene aufgrund des natürlichen Alterungsprozesses wegen der Veränderungen beim Stoffwechsel und den Hormonen um bis zu ein Kilo pro Jahr zu.

»Leider haben es viele Menschen in der Coronapandemie nicht geschafft, ihr Gewicht im Griff zu behalten«, sagte Ernährungsexperte Hauner. Nun benötigten viele Menschen mit Gewichtsproblemen Hilfe von außen. Die Gesundheitspolitik könne Kampagnen auf den Weg bringen, um Menschen zu motivieren und zu unterstützen.

Ein knappes Drittel aller Befragten gibt an, seit Beginn der Pandemie mehr und häufiger zu essen. Dabei handle es sich den Experten zufolge meist um Lebensmittel wie Süßwaren, süße Backwaren, Knabberartikel oder Fast Food. Auffällig war dabei, dass vor allem Erwachsene, die sich psychisch belastet fühlten, auch häufiger zu Junkfood griffen als Personen ohne Stressbelastung. Die psychische Belastung geht demnach zwar mit einer Änderung des Essverhaltens einher, allerdings ernähren sich der Umfrage zufolge auch 20 Prozent der seelisch belasteten Befragten gesünder als vorher.

15 Prozent haben abgenommen

Rund 15 Prozent der Befragten haben seit Pandemiebeginn an Gewicht verloren, im Mittel 7,9 Kilogramm. Das könne auf eine gesündere Lebensweise hindeuten, erläuterten die Fachleute. Allerdings hätten auch auffällig viele 18- bis 29-Jährige und ohnehin schlanke Menschen mit einem Body-Maß-Index unter 20 abgenommen. »Es gibt auch Studien, die deutlich zeigen, dass während der Pandemie Essstörungen zugenommen haben«, sagte Martina de Zwaan von der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie an der Medizinischen Hochschule Hannover.

Viele hätten durch die Pandemiemaßnahmen gewohnte und haltgebende Strukturen verloren, und auch Faktoren wie die soziale Isolation, generelle Unsicherheit, eine Zunahme von Depressivität und psychischer Belastung, aber auch ein möglicherweise vermehrter Konsum sozialer Medien und eine damit verbundene Konfrontation mit Schlankheitsidealen und Gewichtsstigmata könnten demnach mit diesen Entwicklungen zusammenhängen.

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