Ernährung Vegetarier erkranken seltener an Darmkrebs

Darmkrebs zählt zu den tödlichsten Tumorerkrankungen in der westlichen Welt. Eine fleischlose Ernährung schützt möglicherweise - dafür spricht eine aktuelle Studie.
Buntes Gemüse: Vegetarier sind seltener übergewichtig und haben seltener Diabetes

Buntes Gemüse: Vegetarier sind seltener übergewichtig und haben seltener Diabetes

Foto: Jeff J Mitchell/ Getty Images

Schweine, die kaum Platz haben, um sich zu drehen. Antibiotika nach dem Gießkannenprinzip. Und Masthühner, deren Beine den Körper nicht mehr tragen können. Viele Menschen streichen Fleisch von ihrer Speisekarte, weil manche Tiere unter solchen Bedingungen leben müssen.

Immer mehr Menschen aber glauben, dass sie mit einer vegetarischen Ernährung auch ihrer Gesundheit etwas Gutes tun. Eine aktuelle Studie stützt diese Meinung, zumindest im Hinblick auf Darmkrebs.

Forscher um Michael Orlich von der Loma Linda University in Kalifornien analysierten die Daten von mehr als 77.000 Erwachsenen aus den USA und Kanada. Knapp die Hälfte der Teilnehmer ernährte sich vegetarisch.

Innerhalb der durchschnittlich 7,5 Jahre, die jeder Teilnehmer von den Wissenschaftlern begleitet wurde, entwickelten 490 einen bösartigen Tumor am Dickdarm (Kolon) oder am Mastdarm (Rektum). Als die Forscher die Ernährung mit den Krankheitsfällen abglichen, machten sie zwei Beobachtungen:

  • Bei den Vegetariern war das Risiko geringer, an einer der beiden Krebsarten zu erkranken. Im Schnitt zählten die Forscher bei ihnen 22 Prozent weniger Krebsfälle als bei den Nichtvegetariern.
  • Besonders selten traf es jene Teilnehmer, die auf Fleisch verzichteten, aber mindestens einmal im Monat Fisch verspeisten. Sie hatten den Berechnungen zufolge ein 43 Prozent geringeres Risiko als die Nichtvegetarier.

Darmkrebs zählt in Deutschland zu den häufigsten Krebsarten: Etwa jede siebte Krebserkrankung betrifft das Organ; nur bei Brust- und Prostatakrebs sind es mehr. Trotz Fortschritten bei Früherkennung und Therapien bleibe es bedeutend, Möglichkeiten zu finden, dem Krebs vorzubeugen, schreiben die Forscher in "Jama Internal Medicine" .

Gute Ballaststoffe, schädliches rotes Fleisch

Frühere Studien hatten bereits ergeben, dass der Konsum von rotem und vor allem verarbeitetem Fleisch mit einem erhöhten Risiko für Tumoren am Darm einhergehen kann. Wer viele Ballaststoffe isst, erkrankt hingegen seltener.

Diese Erkenntnisse decken sich mit den Ergebnissen der aktuellen Untersuchung. Allerdings existiert auch eine große europäische Studie, bei der die Forscher keinen Zusammenhang zwischen einer vegetarischen Ernährung und einem niedrigeren Darmkrebsrisiko finden konnten.

Wie auch bei der aktuellen Studie hatten die Wissenschaftler seinerzeit eine Reihe an Faktoren herausgerechnet, die neben der Ernährung das Krebsrisiko beeinflussen können, etwa die regelmäßige Einnahme von Aspirin, das Rauchverhalten, entzündliche Vorerkrankungen und die wöchentliche Bewegung.

Erklären ließen sich die unterschiedlichen Beobachtungen der Studien deshalb noch nicht abschließend, schreiben die US-Forscher. Allerdings hätten die Teilnehmer der aktuellen Untersuchung mehr Obst und Gemüse gegessen als die Teilnehmer der europäischen Studie (hauptsächlich Briten). Möglicherweise ein Grund.

Selbst wenn die Hinweise auf einen schützenden Aspekt vor Darmkrebs mit weiteren Untersuchungen wieder schwinden sollten: In der Regel müssen sich Vegetarier nicht um ihre Gesundheit sorgen. Eine abwechslungsreiche, vegetarische Ernährung oder zumindest ein bewusster, geringer Fleischkonsum, zahlt sich auch dann höchstwahrscheinlich aus.

Immer mehr Studien sprechen dafür, dass Vegetarier seltener übergewichtig sind, seltener Herzinfarkte und Diabetes haben, häufig sogar länger leben als Fleischesser. Ob es der Fleischverzicht allein ist, der dazu führt, oder der generell gesündere Lebensstil von Vegetariern, kann aber auch diese Studie nicht mit Sicherheit beantworten.

Die Studie im Detail

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