Ernährung Actionfilme verleiten zum Futtern

Läuft etwas Spannendes im Fernsehen, essen Zuschauer mehr - das haben US-Forscher nun gemessen. Sie geben Tipps, wie Actionfilme nicht das Diätprogramm torpedieren.

Essen vorm Fernseher: Wer abgelenkt ist, isst meist mehr
Corbis

Essen vorm Fernseher: Wer abgelenkt ist, isst meist mehr


Während des Abendessens läuft der Fernseher schon, danach geht es direkt aufs Sofa - und zum Film wird eine Tüte Chips geöffnet. Ohne es zu bemerken, werden die Chips gegessen, bis die Packung leer ist. Wie deutlich dieses Verhalten beeinflussen kann, wie viel jemand isst, haben US-Forscher jetzt in einer kleinen Studie untersucht.

Die Teilnahme an dem Experiment war für die 94 im Schnitt 20 Jahre alten Studenten recht angenehm: Sie sahen entweder 20 Minuten des Actionfilms "The Island" mit oder ohne Ton oder 20 Minuten eines ruhigeren Interview-Formats, der Charlie Rose Show.

Alle Probanden bekamen Kekse, M&Ms, Karotten und Weintrauben in großzügigen Mengen vorgesetzt. Die Forscher um Aner Tal von der Cornell University in Ithaca, New York, wogen die Snacks vor und nach dem Experiment, wie sie im Fachmagazin "Jama Internal Medicine" schreiben.

Die Ergebnisse:

  • Sahen die Probanden 20 Minuten lang ein ruhiges Interview, aßen sie im Schnitt 104 Gramm Snacks (215 Kilokalorien).
  • Lief "The Island" ohne Ton, aßen die Teilnehmer im Schnitt 142 Gramm Snacks (315 Kilokalorien),
  • hatte der Actionfilm Ton, knabberten sie im Schnitt 207 Gramm Snacks (354 Kilokalorien) in den 20 Minuten.

Mehr gesunde Snacks auf den Couchtisch stellen

Die Unterschiede waren bei den männlichen Teilnehmern etwas stärker ausgeprägt als bei den weiblichen.

Tal und Kollegen führen den gesteigerten Snack-Konsum darauf zurück, dass der Actionfilm die Zuschauer stärker in seinen Bann gezogen hat. "Du isst mehr, weil du weniger darauf achtest, was du dir gerade in den Mund stopfst", sagt Aner Tal.

Der Forscher vom Food and Brand Lab hat einen praktischen Tipp für alle Filmgucker parat, den manche sicher schon seit Langem beherzigen: Statt die ganze Kekspackung oder Chipstüte auf den Couchtisch zu stellen, sollte man sich eine kleinere Portion für den Abend abfüllen.

Und eine gute Nachricht haben die Wissenschaftler laut dem ebenfalls an der Studie beteiligten Brian Wansink noch: "Die Actionfilm-Gucker essen auch mehr gesunde Snacks, wenn die in Reichweite stehen."

Ernährungs-Quiz

wbr



insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
zappotin 02.09.2014
1. Hmm
wieso haben die Menschen überhaupt so viele Snacks im Haus? Ich kaufe das Zeug erst gar nicht da man ja die Wirkung kennt. Wenn es beim Film gucken spannend wird kann man auch in ein Knäckebrot beißen. Knirscht genauso - oder gar besser.
mheitm 02.09.2014
2. Kalorienverbrauch
Interessant wäre noch gewesen den Kalorienverbrauch der Probanden zu messen. Wenn der Puls beim Actionfilm hochgeht und sich unwillkürlich Muskeln anspannen geht der Energiebedarf auch hoch, wobei der Effekt des sich vollstopfens nur weil was rumsteht weit verbreitet ist.
inci3 02.09.2014
3.
Das lässt eigentlich nur zwei Möglichkeiten am Ende zu. Entweder das Verbot von Knabberzeug oder das Verbot von Actionfilmen.
Winchester1979 02.09.2014
4. Andere Theorie
Wie wäre es mit dieser Theorie? Chips sind laut! Schaut man ein Interview, möchte man hören was die Personen sagen, also knirscht man automatisch weniger mit den Chips. Läuft kein Ton, sind die Chips geradezu ohrenbetäubend laut. Darum isst man zwar ein bisschen mehr, weil man nicht mehr hinhören muss, aber hält sich trotzdem zurück. Läuft jedoch ein lauter Actionfilm kann man ganz ungeniert zulangen, weil das Knirschen übertönt wird.
7eggert 02.09.2014
5.
Noch wesentlich mehr Snacks könnte man sparen, wenn man die Werbung wegzappt, statt sich was voressen zu lassen und das nachzumachen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.