Dopingfallen für Freizeitsportler Tückischer Hustensaft

Auch Freizeitsportler dopen - zum Teil unbewusst. Schon der falsche Mohnkuchen, Hustensaft oder Kräutertee kann einen positiven Dopingtest zur Folge haben. Achim-Achilles.de gibt einen Überblick über die bekanntesten Dopingfallen.
Medikament als Dopingmittel: Hustensaft kann Ephedrin enthalten

Medikament als Dopingmittel: Hustensaft kann Ephedrin enthalten

Foto: Corbis

Husten- und Erkältungssaft:

Für keine zehn Euro kann sich der Hobbysportler ein Dopingmittel in der Apotheke kaufen. Ganz legal. "Wick Medinait Erkältungssirup für die Nacht" ist der laut Eigenaussage des Herstellers meistverkaufte Erkältungssirup des Landes. Leistungssportler nehmen von dieser Arznei dennoch Abstand, denn sie enthält das als Dopingmittel eingestufte Ephedrin. Es ist aber laut World Anti-Doping Agency (WADA)  nur im Wettkampf verboten.

Wenn Hobbysportler den Hustensaft Spasmo-Mucosolvan einnehmen, würden sie bei einer Dopingkontrolle womöglich auffliegen. Denn der Saft enthält den anabolen Wirkstoff Clenbuterol. Der Hustensaft Mucolsovan ist dagegen unbedenklich.

Homöopathische Mittel:

Nux Vomica ist ein Mittel gegen Übelkeit, Stress und Verdauungsbeschwerden. Es wird aus der asiatischen Baumart "Brechnuss" gewonnen. Die in Nux Vomica enthaltene Substanz Strychnin kann jedoch eine positive Kontrolle auslösen.

Mohnkuchen:

Kein Scherz. Selbst ein Stück Mohnkuchen könnte zur Dopingfalle werden. Denn die Mohnsamen enthalten das verbotene Morphin. Zwar müsste der Kuchen eine unverhältnismäßig große Menge enthalten, theoretisch besteht die Gefahr aber.

Nahrungsergänzungsmittel (NEM):

2002 hat die Sporthochschule Köln 634 Nahrungsergänzungsmittel aus Europa und den USA getestet. Bei 15 Prozent fanden die Wissenschaftler verbotene anabol-androgene Steroide, die nicht auf der Packung ausgewiesen waren und die für einen positiven Dopingtest gesorgt hätten. Solche Verunreinigungen können dadurch ausgelöst werden, dass Abfüller, die Produkte mit Dopingsubstanzen befüllen, ihre Maschinen nicht ausreichend reinigen.

"In den vergangenen fünf bis sechs Jahren stellen wir verstärkt fest, dass es immer mehr Nahrungsergänzungsmittel gibt, denen bewusst Stimulanzien zugemischt werden", sagt Wilhelm Schänzer, Leiter des Instituts für Biochemie  der Deutschen Sporthochschule (DSHS) Köln. Eine Übersicht über die bereits getesteten NEMs gibt die Kölner Liste . Hier können sich Athleten informieren, auch wenn die Auflistung keine hundertprozentige Sicherheit gewährleisten kann. Im Übrigen kann man Energieriegel ganz leicht selbst herstellen .

Kräutertee:

Meerträubel, auch als Ephedra bekannt, ist eine Heilpflanze, die in der Traditionellen Chinesischen Medizin Anwendung findet. Gegen Erkältungskrankheiten, aber eben auch zur Leistungssteigerung. Meerträubel enthält Ephedrin. Beliebt sind auch Nahrungsergänzungsmittel mit Ma Huang, einem Extrakt der Ephedra-Pflanze.

Vorsicht ist geboten bei ausländischen Abnehm-Tees. In Produkten wie dem chinesischen "LiDa Meizi Tee" haben Forscher der DSHS illegal zugesetztes Sibutramin entdeckt. Sibutramin steht auf der Dopingliste und findet sich in Deutschland in dem rezeptpflichtigen Diätmittel Reductil wieder.

Schmerzmittel:

Voltaren, Diclofenac, Aspirin oder Paracetamol stehen nicht auf der Dopingliste der WADA. Dennoch gilt ihr Einsatz im Sport als bedenklich. Gerade Hobby-Ausdauerathleten greifen bei Wettkämpfen oder im Training nicht selten zu Schmerzmitteln. Beim Bonn-Marathon 2009 gaben 60 Prozent der befragten tausend Läufer zu, dass sie vor dem Start Schmerzmittel eingenommen hätten. Interessanterweise ist Diclofenac beim Menschen erlaubt, aber bei Pferden in Sport-Wettkämpfen verboten.

Bei Cortison kommt es auf die Art der Einnahme an: Dazu heißt es im Anti-Doping-Regelwerk: "Die systemische Gabe von Glukokortikosteroiden (oral, rektal, intramuskulär oder intravenös) ist gemäß der Verbotsliste innerhalb des Wettkampfs verboten."

Haarwuchsmittel:

Einige Haarwuchsmittel enthalten Finasterid. Der Wirkstoff gilt nicht als leistungssteigernd, kann aber die Einnahme verbotener Substanzen verschleiern. 2007 wurde der brasilianische Fußballspieler Romario positiv auf Doping getestet. Er hatte mit Finasterid versucht, seinen Haarausfall einzudämmen. 2009 wurde das Mittel von der Dopingliste gestrichen, da die Tests verbessert wurden.

Cannabis:

Der Konsum von Haschisch oder Marihuana im Wettkampf ist verboten. Allerdings ist der Wirkstoff THC noch nach Wochen nachweisbar. Seit 2013 hat die WADA den Grenzwert von 15 auf 150 ng/ml im Urin angehoben. Das soll verhindern, dass Athleten positiv getestet werden, obwohl sie womöglich nur passiv geraucht haben.

Koffein:

Seit 2004 steht Koffein nicht mehr auf der Doping-Verbotsliste. Früher gab es noch Grenzwerte. "Aber jeder Mensch verstoffwechselt Koffein anders", sagt Wilhelm Schänzer. Die WADA beobachtet die Koffeinwerte der Athleten in ihrem Monitoring-Programm.

Alkohol:

Alkohol gilt im Allgemeinen nicht als Doping, ist aber in bestimmten Wettkämpfen nicht erlaubt, etwa im Motorsport, Bogenschießen oder auch Karate.

Nikotin:

Nikotin ist laut WADA kein illegales, leistungssteigerndes Mittel, steht aber ebenso wie Alkohol unter Beobachtung. Vor allem in aggressiven Sportarten wie American Football, Eishockey und Ringen scheint der Nikotinkonsum während des Wettkampfs eine Rolle zu spielen. Immer beliebter wird der Einsatz von Snus-Präparaten, ein in mit Salzen versetzter Tabak, der unter die Lippe gesteckt wird.

Von Frank Joung
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